Mit Enthusiasmus
Aufbruchstimmung erzeugen
Interview
mit dem neuen Prorektor für Struktur Prof. Elmar
Weiler
Am 28. Februar wurde Prof. Dr. Elmar Wilhelm Weiler (Pflanzenphysiologie)
vom Senat der RUB einstimmig zum neuen Prorektor für
Struktur, Planung und Finanzen gewählt. Kurz darauf
traf er sich mit Arne Dessaul und sprach u. a. über
den Globalhaushalt, das Erscheinungsbild der RUB und die
Betreuung von Gastwissenschaftlern.
RUBENS: Herr Professor Weiler, nochmals herzlichen
Glückwunsch! Was war Ihr erster Gedanke nach der
Wahl?
Prof. Weiler: Ich habe mich sehr über die breite
Zustimmung gefreut und mich gleichzeitig gefragt, was
wohl alles auf mich zukommt. Ein bisschen wird es wie
ein Sprung ins kalte Wasser sein. Ich springe allerdings
mit großer Zuversicht und mit großem Enthusiasmus.
RUBENS: Haben Sie sich schon Gedanken über Ihr
künftiges Zeitmanagement gemacht?
Prof. Weiler: Ich werde mich auf drei Dinge konzentrieren:
den Lehrstuhl, das Amt des Prorektors und die Deutsche
Forschungsgemeinschaft - wenn auch alles mit gewissen
zeitlichen Beschränkungen. Aber gerade im Lehrstuhl
spüre ich eine große Rückendeckung.
Von Vorteil ist unsere an angloamerikanische Departments
angelegte Struktur mit weitgehend autonomen Projektgruppen,
die über eigene Forschungsmittel verfügen.
Ich werde aber auch alle meine Vorlesungen weiterhin
selbst halten. Fest steht, dass weder die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter am Lehrstuhl noch die Studierenden darunter
leiden werden, dass ich Prorektor bin. Sonst hätte
ich es bei aller Liebe zur Uni auch nicht gemacht.
RUBENS: Liebe?
Prof. Weiler: Doch, die habe ich schon, das muss ich
gestehen. Sie werden aus meinem Lebenslauf leicht entnehmen
können, dass ich sehr attraktive Angebote abgelehnt
habe. Das habe ich gemacht, weil die Infrastruktur an
der Ruhr-Uni sehr gut ist und weil ich die Menschen
dieser Region sehr mag. Ich schätze besonders ihr
pragmatisches Zupacken.
"Ich mag die Menschen hier"
RUBENS: Was waren Ihre Beweggründe, das
Amt des Prorektors anzutreten?
Prof. Weiler: Ich möchte drei Gründe nennen.
Zum einen sehe ich es als - gern wahrgenommene - Pflichterfüllung
gegenüber der Universität an, der ich - zweitens
- viel zu verdanken habe. Davon möchte ich nun
einiges zurückgeben: bestenfalls eine allgemeine
Aufbruchstimmung erzeugen. Drittens strukturiere ich
sehr gerne.
RUBENS: Sie haben die RUB bereits als Student und Doktorand
kennen gelernt. Später waren Sie Dekan und Senator.
Inwiefern können Sie als Prorektor von diesen Erfahrungen
profitieren?
Prof. Weiler: Ich hoffe doch sehr, dass ich davon profitiere.
Ich kann mich gut an meine Studienzeit erinnern und
weiß noch, wie man sich als Erstsemester an der
Ruhr-Uni fühlt.
RUBENS: Als Dekan haben Sie das Profil der Bochumer
Biologie deutlich geschärft. Unter anderem wurde
erstmals ein Fakultätsstrukturplan erstellt. Ist
etwas ähnliches auch auf universitärer Ebene
denkbar?
Prof. Weiler: Die Aufgabe, einen Hochschulentwicklungsplan
zu erstellen, haben wir durch das Hochschulgesetz ohnehin.
Ich bin mir sicher, dass wir als Hochschule besser zurechtkommen,
wenn wir uns über unsere mittelfristige strukturelle
Entwicklung sehr genau Klarheit verschaffen, ein vernünftiges
Konzept entwickeln und alle Kraft einsetzen, dies auch
zu verwirklichen.
RUBENS: In etwa zwei Jahren werden an den Hochschulen
Globalhaushalte eingeführt. Existieren bereits
konkrete Pläne, wie das Geld innerhalb der RUB
verteilt werden wird?
Prof. Weiler: Noch nicht in meinem Kopf. Klar ist, dass
der Globalhaushalt zwar Risiken birgt, jedoch auch viele
Chancen bietet. Er lässt ausreichend Freiheiten,
die wir kreativ nutzen sollten, um unsere Potenziale
auszuschöpfen. Bei der Verteilung des Geldes darf
es nicht zu erdrutschartigen Verschiebungen zwischen
den Fakultäten kommen. Vor allem muss der Verteilschlüssel
die individuellen Gegebenheiten berücksichtigen
und gewährleisten, dass alle Fakultäten weiterhin
ihre Grundaufgaben erfüllen können. Deshalb
wird es ausführliche Gespräche mit den Fakultäten
und Einrichtungen geben.
RUBENS: Wann?
Prof. Weiler: So schnell wie möglich. Noch haben
wir Handlungsfreiheit und können agieren. Alle
Pläne, die wir jetzt verbindlich entwickeln, sichern
uns davor ab, später nur noch reagieren zu können.
"Ich strukturiere gerne"
RUBENS: Welche weiteren Prioritäten werden
Sie setzen?
Prof. Weiler: Ich werde in den nächsten Tagen zusammen
mit meiner Referentin Susanne Schult eine Prioritätenliste
erstellen. Darauf darf nichts fehlen, was der Leistungsfähigkeit
der Ruhr-Uni förderlich ist. Priorität besitzen
zum einen die Exzellenzzentren, die eine langfristig
solide Förderung brauchen, um letztlich auf eigenen
Beinen zu stehen. Wir dürfen aber nicht ausschließlich
auf Exzellenzzentren und Profilbildung setzen. Wir müssen
die richtige Balance finden zwischen Profilbildung und
Vielfalt und beides fördern. Schließlich
geht die Kreativität von einzelnen Forscherinnen
und Forschern aus.
RUBENS: In Ihrem Statement vor der Wahl äußern
Sie zahlreiche bemerkenswerte Gedanken zur Situation
an der RUB. Beispielsweise regen Sie ein Betreuungsbüro
für ausländische Doktorandinnen und Doktoranden
an. Können Sie diese Idee näher erläutern?
Prof. Weiler: Wir machen zurzeit sehr positive Erfahrungen
im Europäischen Graduiertenkolleg zu Zellsystemen.
Dort wurde mit Unterstützung des Rektorats eine
Koordinatorin eingesetzt, die sich um die außerfachlichen
Belange der ausländischen Doktorandinnen und Doktoranden
kümmert. Diese Betreuung läuft vorzüglich.
Ich sehe auch, wie dankbar die Doktorandinnen und Doktoranden
es aufnehmen, eine Bezugsperson zu haben, die sich auch
um private Probleme wie Zimmersuche oder Behördengänge
kümmert. Die Integration funktioniert so um ein
Vielfaches besser. Ich denke, das Modell lässt
sich auf die gesamte Uni übertragen. Zunächst
für Doktorandinnen und Doktoranden, später
für alle ausländischen Studierenden. Das würde
die Attraktivität der RUB enorm erhöhen.
RUBENS: Besonders wichtig ist Ihnen ja auch das äußere
Erscheinungsbild der RUB?
Prof. Weiler: In der Tat könnte der Campus ein
wenig freundlicher werden. Das ist natürlich leichter
gesagt als getan. Wir haben nun mal den Beton und wollen
ihn auch gar nicht verstecken. Und natürlich verhindern
finanzielle Engpässe viele Ideen. Aber oft reichen
Kleinigkeiten aus, um beispielsweise Eingangsbereiche
attraktiver zu gestalten. Auch die zum Teil 30 Jahre
alten Sitzbänke könnten ausgewechselt werden.
Ich denke, das würde auch dazu beitragen, die Bindung
der Studierenden und Beschäftigten an die Uni zu
verbessern.
RUBENS: Eine weiterer Vorschlag von Ihnen lautet,
dass sich jede Arbeitsgruppe, jeder Lehrstuhl, jedes
Institut der RUB neben den Kerninteressen an mindestens
einem disziplinübergreifenden Programm in Forschung
und/oder Lehre beteiligen soll. Wie hoch schätzen
Sie die Chance ein, dies zu realisieren?
Prof. Weiler: Es muss ja nicht zu 100 Prozent umgesetzt
werden. Aber auch bei der Entwicklung gemeinsamer Interessen
würde ich gerne für Aufbruchstimmung sorgen.
Wir müssen entsprechende Anreize schaffen - und
auf eine Eigendynamik hoffen. Das Potenzial ist vorhanden,
wenn ich an unsere Forschergruppen, Graduiertenkollegs,
Graduate Schools, Research Schools und an die vielen
Sonderforschungsbereiche denke. Diese Dinge sollten
Modellcharakter haben für jene Fakultäten,
in denen disziplinübergreifende Programme nicht
so stark vertreten sind.
"Ich forsche unglaublich gerne"
RUBENS: Spielen Pflanzen und Blumen auch in Ihrer
Freizeit eine Rolle?
Prof. Weiler: Natürlich. Bei mir gibt es keinen
großen Unterschied zwischen Dienstzeit und Freizeit.
Ich forsche unglaublich gerne. Für mich ist die
Wissenschaft Beruf, aber auch Hobby. Ich verbringe einen
Großteil meiner Freizeit im Institut.
RUBENS: Und wer kümmert sich um Ihre Pflanzen
daheim?
Prof. Weiler: Das, muss ich gestehen, erledigt meine
Frau viel kompetenter als ich. Ich bin zu selten zu
Hause, um substanzielle Beiträge zu leisten.
RUBENS: Und wie finden Sie Zerstreuung?
Prof. Weiler: Vor allem beim Trekking.
RUBENS: Wo?
Prof. Weiler: Aus Zeitgründen meist in der Umgebung
der Universität.
RUBENS: Haben Sie weitere Hobbys?
Prof. Weiler: Lesen. Zum einen Wissenschaftliches zu
meinem Fachgebiet, um stets auf dem Laufenden zu bleiben.
Darüber hinaus lese ich sehr gerne Briefwechsel,
zuletzt den zwischen Martin Heidegger und Hannah Ahrendt
und den Briefwechsel Paul Celans mit seiner Frau.
RUBENS: Vielen Dank für das Gespräch. Wir
wünschen Ihnen eine erfolgreiche Amtszeit.
Lebenslauf
Elmar Wilhelm Weiler wurde am 13. Juni 1949 geboren,
ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nach dem Abitur
(1968) studierte er bis 1974 Biologie und Chemie an
der RUB; im Februar 1977 wurde er promoviert. 1978/79
hatte er mehrere Forschungsaufenthalte am Biology Department
der University South Florida in Tampa. 1982 habilitierte
sich Weiler an der RUB für Botanik. 1983-85 war
er Privatdozent und Akademischer Rat am Lehrstuhl für
Pflanzenphysiologie. 1984 folgte er einem Ruf auf den
Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie der Uni Osnabrück.
1987 lehnte Weiler einen Ruf an die FU Berlin ab. Den
Ruf auf den Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie der
RUB zum 1.10.1988 nahm er jedoch an und ist seitdem
Inhaber dieses Lehrstuhls, seit 1991 auch Direktor des
Zentralen Isotopenlaboratoriums. 1992 wurde er an die
TU München gerufen und lehnte diesen Ruf ebenso
ab, wie 1993 den Ruf als Direktor an das Max-Planck-Institut
für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam.
Vielfach ausgezeichnet
Prof. Weiler ist 1983 mit dem Tate and Lyle Award der
Phytochemical Society of Europe, 1995 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis
der DFG und 1997 mit der Carus-Medaille der Deutschen
Gesellschaft der Naturforscher Leopoldina ausgezeichnet
worden. Seit 2000 ist er Mitglied im Senat und seit
2001 im Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG). Von 1990 bis 2000 war er Sprecher des Graduiertenkollegs
"Biogenese und Mechanismen komplexer Zellfunktionen"
der DFG, von 1998 bis 2001 des SFB 480 "Molekulare
Biologie komplexer Leistungen von botanischen Systemen".
Zwischen 1993 und 1995 war er Dekan seiner Fakultät.
Den ebenfalls neu gewählten Prorektor für
Forschung und Wissenstransfer, Prof. Dr. Jörg Winter
(Physik und Astronomie), möchten wir in der Maiausgabe
vorstellen.
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