Ruhr-Universität Bochum zur Navigation zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite UniStartseite
Überblick UniÜberblick
A-Z UniA-Z
Suche UniSuche
Kontakt UniKontakt

pix
 
Das Siegel
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geisteswissenschaften Medizinische Einrichtungen Zentrale Einrichtungen
pix
RUBENS - Zeitschrift der RUB
RUBENS- Startseite

Lesen
Aktuelle Ausgabe
Archiv
¤Ausgabe Nr. 78
  ¤Artikel
pdf-Dateien

Service & Kontakt
Mediadaten
Redaktion
E-Mail Service
Kontakt

Volltextsuche
pix RUBENS - Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
 
 
 
    
pix
Artikel » Ausgabe 78 »Archiv » RUBENS » Pressestelle » Ruhr-Universität
pix pix
RUBENS 78 1. April 2003

Zeitschriftenversorgung an der RUB

Die Zeichen stehen auf Rot


Der wissenschaftliche Schriftenmarkt wird von Publikationen wie Science oder Nature überstrahlt. Während diese Magazine komplette Wissenschaftsdisziplinen abdecken, existieren daneben Tausende von höchst spezialisierten Fachzeitschriften. Dieser Teilmarkt wird von einem halben Dutzend Großverlagen dominiert. Deren rigide Preis- und Vertriebspolitik sorgt u. a. dafür, dass das Angebot an elektronischen Zeitschriften der UB der RUB innerhalb von zwei Jahren um etwa 80 Prozent sank.


Auf den ersten Blick scheint alles bestens zu sein. Wer sich über die Homepage der Universitätsbibliothek (UB) zur Elektronischen Zeitschriftenbibliothek klickt, findet dort ein großes Angebot vor: Etwa 14.000 Fachzeitschriften warten darauf, online gelesen zu werden. Theoretisch, denn der Zugang ist nicht immer frei. Durch ampelähnliche Symbole neben dem Titel wird angezeigt, ob der Volltext einer Zeitschrift frei zugänglich ist (grün), ob die Zeitschrift an der RUB lizenziert und für ihre Benutzer im Volltext zugänglich ist (orange/gelb) oder ob die Zeitschrift nicht abonniert und daher nicht im Volltext nutzbar ist (rot). "Leider werden die roten Punkte immer zahlreicher und die gelben immer weniger", erläutert die Direktorin der UB Dr. Erdmute Lapp.

Verlorenes Paradies

Dabei war die Welt der elektronischen Zeitschriften noch vor wenigen Jahren vollkommen in Ordnung, die Zustände waren nahezu paradiesisch: Die NRW-Hochschulbibliotheken schlossen in Konsortien günstige Verträge mit den Großanbietern gedruckter und elektronischer Fachzeitschriften wie Elsevier (Niederlande), Wiley (USA) oder Springer. Diese sog. Big Deals brachten z. B. allein über Elsevier mehr als 1.400 elektronische Fachzeitschriften ins Netz der RUB ("Von ihnen wurde an der RUB allerdings nur etwa ein Drittel wirklich genutzt", schränkt der UB-Dezernent für Erwerbung und Formalkatalogisierung Dr. Wolfgang Wintermeier ein). Hinzu kamen die Titel weiterer großer und kleiner Anbieter. Im Jahre 2000 konnten die Nutzerinnen und Nutzer des Online-Angebots der UB der RUB in zirka 5.000 Titeln blättern. Vor allem aber unterstützte das NRW-Wissenschaftsministerium die Konsortialverträge mit satten 50 Prozent.
Doch die schöne Zeit endete bereits ein Jahr später. "Auf einmal wollte Elsevier für das gleiche Angebot den doppelten Preis haben", erinnert sich Christa F. Wittig, die in der UB die Abteilung Buchzugang leitet. Verhandlungen waren zwecklos, der niederländische Konzern ließ nicht mit sich reden; seine marktbeherrschende Position erlaubte ihm, auf mehrere Kunden zu verzichten. Verschärfend kam hinzu, dass das Ministerium die Förderung der Konsortialverträge komplett einstellte. "Nicht zuletzt deshalb mussten wir den Vertrag mit Elsevier 2001 auslaufen lassen", erklärt Christa Wittig. "Jetzt bieten wir online nur noch die 136 Zeitschriften an, die wir auch in gedruckter Version abonnieren."


Marktmechanismen

In den folgenden Jahren erhöhten auch die anderen Großanbieter ihre Preis - mit dem gleichen Effekt: Weitere Verträge liefen oder laufen aus. Online wird häufig nur noch angeboten, was auch gedruckt abonniert wird. In Zahlen ausgedrückt: Von den 5.000 elektronischen Fachzeitschriften gingen innerhalb von zwei Jahren über 4.000 verloren. Den meisten anderen NRW-Hochschulbibliotheken erging es ähnlich.
Von zum Teil drastischen Preiserhöhungen betroffen sind jedoch auch die gedruckten Fachzeitschriften. "Im Durchschnitt erhöhen sich die Kosten für Zeitschriften jährlich um etwa 15 Prozent", konkretisiert Dr. Wintermeier. "Da wir aber pro Jahr immer nur in etwa den gleichen Zeitschriftenetat, etwa 500.000 Euro, zur Verfügung haben, können wir immer weniger Zeitschriften abonnieren." Standen 1998 noch 4.300 Titel in den Regalen der UB, sind es heute nur noch knapp 2.900. "Zum Teil haben wir wegen der großen Lücken bereits ganze Regale abgebaut", sagt Erdmute Lapp.

Enormer Wissensverlust

Noch schlimmer als der Abbau der Regale freilich ist der enorme Verlust an aktuellem Wissen. Von ihm sind zum einen die Forscherinnen und Forscher an der RUB betroffen: "Insbesondere in technischen und naturwissenschaftlichen Spezialgebieten kommen sie ganz einfach nicht mehr an die nötigen Informationen heran. Darüber beklagen sie sich vollkommen zurecht", räumt Dr. Lapp ein. "Uns sind allerdings die Hände gebunden. Den anderen Hochschulbibliotheken in NRW geht es nicht besser, abgesehen von Bielefeld."
Dr. Wintermeier erinnert darüber hinaus daran, dass eine allgemein schlechte Bestückung der Universitätsbibliothek nicht nur die Forschung hemmt, sondern die gesamte Uni im Wettbewerb um neue Studierende zurückwirft. "Schon jetzt informieren sich angehende Studierende eingehend über den Bestand einer Hochschulbibliothek. Ich schätze, dass dieser Faktor zukünftig noch wichtiger sein wird."
Angesichts der bekannten Finanzmisere in Bund und Land halten sich die Verantwortlichen der UB mit konkreten Forderungen nach mehr Geld für mehr Zeitschriften und Bücher zurück. Stattdessen appellieren sie an alle Wissenschaftler, sich zu überlegen, weiterhin bei Großanbietern wie Elsevier oder Springer zu publizieren. Schließlich reduziert sich die Zahl der Leserinnen und Leser ständig. Dr. Lapp nennt auch gleich eine mögliche Alternative: "Die Initiative Sparc aus den USA bietet eine kostengünstige Plattform für wissenschaftlich fundierte Alternativpublikationen in allen Disziplinen. Neuerdings unterhält Sparc auch ein Büro in London."
Wer mehr über die Initiative erfahren will, die sich explizit als Antwort auf den von Preiserhöhungen geprägten wissenschaftlichen Fachzeitschriftenmarkt versteht, der klicke http://www.arl.org/sparc an.


Elektronische Zeitschriften an der RUB

Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) ist ein Service zur effektiven Nutzung wissenschaftlicher Volltextzeitschriften im Internet. Sie wurde in einem DFG-Projekt von der Universitätsbibliothek Regensburg zusammen mit der Bibliothek der TU München entwickelt und wird in etwa 200 Bibliotheken bzw. Forschungseinrichtungen angeboten.
Die Titel werden kooperativ gesammelt und die Daten gemeinsam in einer zentralen Datenbank gepflegt. Für jede teilnehmende Einrichtung wird ein auf ihre lokalen Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot an elektronischen Zeitschriften erzeugt. Jede beteiligte Institution kann ihre lizenzierten Zeitschriften eigenständig verwalten und eigene Benutzerhinweise integrieren. Abonnierte Volltextzeitschriften können zusammen mit frei zugänglichen E-Journals in einer einheitlichen Oberfläche angeboten werden.
Die weit über 10.000 Zeitschriften sind alphabetisch und nach Fachgebieten sortiert (dort wiederum ebenfalls in alphabetischer Reihenfolge). Über 4.000 Titel werden allein unterm Stichwort "Medizin" aufgeführt, auch die Biologen erhalten etwa 1.800 Treffer. Zeitschriften wie Lancet, Science oder Nature sind in allen Farben und Modellen erhältlich. Ansonsten gibt alles erdenklich Spezielle zu entdecken: ob den Bahrain Country Monitor, das Hamburgische Gesetz- und Verordnungsblatt oder die Pädagogische Zeitschrift für Deutschlands Lehrer an Progymnasien, höheren Bürger- und Stadtschulen; allein über 2.000 Magazine tragen z. B. den Begriff "Journal" im Titel.
Durch die Vertragsauflösungen mit den Großverlagen reduzierte sich das Angebot in der UB der RUB auf unter 1.000 elektronisch verfügbare Titel; die meisten davon abonniert die UB auch in gedruckter Form. Hinzu kommen etwa 2.900 Zeitschriften, welche die UB ausschließlich gedruckt bereit hält. Weitere knapp 5.400 Zeitschriften liegen in den dezentralen Bibliotheken aus. Etwa zwei Drittel dieser insgesamt knapp 8.300 Zeitschriften kauft die RUB, das restliche Drittel erhält sie durch Tausch oder Schenkungen.


ad
pfeil  voriger Artikel Themenübersicht nächster Artikel   pfeil
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Druckfassung dieser Seite
Letzte Änderung: 01.04.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik