Mentoring-Programm
THEKLA zieht Zwischenbilanz
ALT HILFT
JUNG
Vor rund einem halben Jahr haben wir in RUBENS
ausführlich über THEKLA berichtet, das gemeinsam
von der RUB, der TFH Georg Agricola und der FH Bochum
getragene Mentoring-Programm für Frauen an den Bochumer
Hochschulen. Zur Erinnerung: Beim Mentoring stellt ein
Unternehmen eine berufserfahrene/n Mentorin oder einen
Mentor. Sie oder er betreut ein Jahr lang eine Bochumer
Studentin (Mentee), die sich in einem ingenieur- oder
naturwissenschaftlichen Fach im Hauptstudium befindet.
Die partnerschaftliche Betreuung beinhaltet theoretisch
das Vermitteln von Jobs, Praktika oder Diplomarbeiten,
das gemeinsame Durchforsten von Stellenanzeigen, das Verfassen
von Bewerbungsschreiben oder den gemeinsamen Besuch von
Konferenzen und Tagungen. Das Projekt soll Studentinnen
praxisnah auf Anforderungen im Berufsleben vorbereiten;
sie beim Planen der beruflichen Karriere unterstützen
und ihre Kompetenzen für Unternehmen sichtbar machen.
Das Programm startete im September 2002 mit zehn Mentor-Mentee-Gespannen,
hinzu kamen im Januar 2003 elf weitere Gespanne. Unter
anderem kooperieren momentan eine Ingenieurstudentin und
eine Stadtplanerin, eine Biologiestudentin und eine Produktmanagerin
oder eine Ingenieurstudentin und eine Bauleiterin. Zu
den Gespannen der ersten Phase zählt auch das Team
Barbara Lingscheidt und Monika Bischof. Barbara Lingscheidt
arbeitete zuletzt als stellvertretende Chef-Geophysikerin,
Monika Bischof studiert Geophysik an der RUB. Zusammen
mit der Koordinatorin von Thekla, Helga Rudack, analysierten
sie das erste halbe Jahr von THEKLA.
Harmonisches Konflikttraining
"Ich hatte in der Zeitung von dem Projekt erfahren
und mich spontan entschlossen mitzumachen", erklärt
Barbara Lingscheidt, die selbst an der RUB Geophysik
studierte und ganz genau weiß, dass diese Fachrichtung
Dritten meist unbekannt ist. Monika Bischof kann das
nur bestätigen. Schließlich ist sie eine
von nur drei verbliebenen Studierenden im auslaufenden
Diplomstudiengang; Geophysik wird seit zwei Jahren zusammen
mit Geologie und Mineralogie als Bachelorstudium angeboten.
Wenn man mit Monika Bischof und Barbara Lingscheidt
spricht, spürt man schnell, dass sich hier zwei
gesucht und gefunden haben. Es ist kein Wunder, dass
die Studentin explizit das Persönliche und wenig
Formelle am Mentoring hervorhebt; weiterhin lobt sie
aus dem Bereich der weichen Faktoren den zwanglosen
Austausch mit den anderen Mentees und den individuellen
Zuschnitt der Betreuung. THEKLA hat ihr aber auch Handfestes
gebracht. So nahm und nimmt sie an allen Seminaren teil
und feilt dort an ihren berufsqualifizierenden Schlüsselkompetenzen
wie Projektmanagement, Bewerbungstraining, Rhetorik
oder Moderation und Präsentation. "Diese Dinge
lernen wir im Studium so nicht", erklärt die
angehende Geophysikerin.
Für die Koordinatorin von THEKLA, Helga Rudack,
bilden die Seminare eine von drei Säulen des Programms.
Im Gegensatz zur ursprünglichen Planung gab es
Ende Februar auch ein Seminar für die 16 Mentorinnen
und fünf Mentoren. Das Thema hieß zwar "Konflikttraining",
das Seminar selbst verlief allerdings äußerst
harmonisch, wie Helga Rudack betont. Die zweite Säule
sind die regelmäßigen Netzwerktreffen, die
genau wie die Seminare in der OASE stattfinden. Hier
treffen jeweils alle Mentoring-Gespanne zusammen. Deren
Zahl soll im Laufe der Zeit ständig wachsen, da
später auch ehemalige Mentees und Mentoren eingeladen
werden, so dass sich in der Tat ein Netzwerk bildet.
Säule Nummer drei sind selbstverständlich
die Mentoring-Gespanne selbst. Ihr Prinzip bringt Barbara
Lingscheidt per Slogan auf den Punkt: "Alt hilft
Jung". Wobei "Alt" sehr relativ ist,
denn die jüngste Mentorin ist gerade mal 26 Jahre
alt.
Tricks und Kniffe
Wo konkret geholfen werden soll, entscheiden jeweils
Mentee und Mentor/in. So legten auch Barbara Lingscheidt
und Monika Bischof beim ersten Treffen den Fahrplan
fest, wobei die Vorschläge naturgemäß
von der Studentin kamen. Vor allem ging es ihr um "Tricks
und Kniffe fürs Berufsleben, die man an der Uni
so nicht lernt". Barbara Lingscheidt bestätigt:
"Gerade auf den höheren Hierarchieebenen in
technischen oder naturwissenschaftlichen Berufen sind
Frauen weiterhin selten. Da sind Tipps sehr hilfreich.
Ich zum Beispiel war am ersten Arbeitstag ziemlich nervös
und hatte Bedenken, das im Studium Erlernte schon wieder
vergessen zu haben - dabei brauchte ich bei der Arbeit
nur höchstens zehn Prozent davon. Noch wichtiger
als diese Sachebene ist allerdings die Beziehungsebene,
also der persönliche Umgang im Beruf." Darüber
hinaus besuchen Barbara Lingscheidt und Monika Bischof
zusammen Fachmessen und planen eine Vorlesungsreihe,
in der die Geophysik einem breiteren Publikum bekannt
gemacht werden soll.
Sehr wahrscheinlich bleiben die beiden auch nach Ende
des Mentoring-Programms in Kontakt. Helga Rudack hofft,
dass sich auch die andere Gespanne nach dem vorgesehen
Jahr der Betreuung nicht aus den Augen verlieren werden.
Schließlich ist das die beste Voraussetzung für
die Bildung eines Netzwerks.
Info: Für die dritte Phase von Thekla im
Juni sind noch Plätze frei. Kontakt für interessierte
Studentinnen: Thekla, Helga Rudack, NA 6/58, Tel. 0234/32-23726
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