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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 77 |
1.
Februar 2003 |
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Offensiver Umgang
mit der Geschichte
Austauschprojekt
der Unis Bochum und Krakau
Im kommenden Sommersemester wird der Historiker Dr.
Hubert Schneider zum letzten Mal den Austausch von Bochumer
und Krakauer Studierenden betreuen. Unter dem Leitthema
"Polenbilder in Deutschland - Deutschenbilder in
Polen" werden gegenseitige Klischees und Vorurteile
untersucht. Wie üblich, besuchen zunächst die
Bochumer ihre Kommilitonen in Krakau (15 Tage lang), bevor
die polnischen Studierenden ein Semester später für
zehn Tage nach Bochum kommen. Vor- und nachbereitet werden
die Besuche in Seminaren und Übungen.
Dr. Schneider stieß 1985 mit der Idee eines Austausches
zwischen deutschen und polnischen Studierenden zunächst
auf taube Ohren. Keiner wollte ihn finanzieren. Vor allem
aber interessierten sich - trotz der Partnerschaft zwischen
der RUB und der Krakauer Jagiellonen-Universität
- keine deutschen Studierenden dafür.
Doch Schneider ließ nicht locker und warb in seinen
Veranstaltungen unermüdlich für das Projekt.
1989 war es so weit: Die ersten Bochumer fuhren nach
Polen. Allerdings stand diese Begegnung zwischen deutschen
und polnischen Studierenden unter keinem guten Stern:
Man wusste wenig voneinander und war zu sehr in gegenseitigen
Vorurteilen verwurzelt. Hinzu kam das enorme ökonomische
Gefälle beider Länder. Während sich der
Zloty damals auf dem Tiefstand befand, wussten die Deutschen
nicht, wie sie ihr Taschengeld ausgeben sollten. Auch
Auschwitz als Ort des Treffens erwies sich als Hemmnis:
Schließlich hatten dort einige der polnischen Studierenden
Angehörige verloren. Später wurde das Seminar
dort nicht mehr gemeinsam durchgeführt, nur für
die Deutschen ist Auschwitz Programmpunkt geblieben.
Das Verhältnis zwischen beiden Gruppen verbesserte
sich aber bereits 1990 beim polnischen Gegenbesuch. Man
beschloss - trotz weiterhin schwieriger Finanzierung -
die Fortsetzung des Projekts. Inzwischen haben rund 200
polnische und 200 deutsche Studierende teilgenommen. Dabei
wurden viele Vorurteile abgebaut und es sind zahlreiche
Freundschaften zwischen Polen und Deutschen entstanden.
Bei jedem Austausch werden bestimmte Aspekte der deutsch-polnischen
Geschichte beleuchtet, 2001/02 z. B. lautete das Thema
"Deutsche - Juden - Polen".
Inzwischen genießt das Projekt in Krakau und
Bochum großes Ansehen. Hubert Schneider ist
für seine Verdienste von beiden Seiten ausgezeichnet
worden, in Bochum mit der Ehrennadel der RUB (2001). Die
Finanzierung ist mittlerweile auch abgesichert.
Was nach Dr. Schneiders Pensionierung in diesem Jahr geschieht,
ist noch unklar. Das Projekt soll auf jeden Fall fortgeführt
werden, denn, so Schneider: "Will man nicht, dass
die aktuellen Beziehungen immer wieder von der Geschichte
eingeholt werden, muss man dafür sorgen, dass es
zu Begegnungen zwischen den Menschen kommt und dass sie
offensiv mit der Geschichte umgehen.
ad
Info: Interessenten (aller Semester; sie müssen
nicht unbedingt Geschichte studieren) für die nächste
Übung können sich bei Dr. Hubert Schneider,
LS Osteuropäische Geschichte, GA 4/157, Tel. -22537,
anmelden.
ad
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