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RUBENS 77 1. Februar 2003

Jetzt auch eingeweiht

Das neue Guernica


Über das Kommen und Gehen von Picassos Bild Guernica auf dem Campus haben wir schon mehrfach in RUBENS berichtet (zuletzt im Januar 2002). Trotzdem sei ein kleiner Rückblick gestattet: Der spanische Maler Pablo Picasso hatte das Bild anno 1937 unter dem Eindruck der Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch Flugzeuge der deutschen Legion Condor gemalt. 1984 wurde es von friedensbewegten Medizinstudierenden der RUB auf eine leere Wand auf dem Nordforum gegenüber der UB in Originalgröße (3,51 mal 7,82 m) nachgemalt. Hintergrund damals: die atomare Aufrüstung der Supermächte, speziell die Stationierung von Pershing-Raketen in Deutschland.
Die Studierenden hatten zuvor eine Postkarte per Diafilm fotografiert, das Dia auf die Wand projiziert und es mit weiß, grau und schwarz nachgemalt. 1998 wurde ihr Werk beim Errichten einer gläsernen Einkaufszeile zerstört. Aufgrund anhaltender Proteste vor allem von Studierenden gegen die Zerstörung schuf der Senat etwa ein Jahr später die Kommission "Gedenken an der RUB". Ihre Aufgabe war es, ("irgend") ein Mahnmal gehen Krieg und/oder Faschismus (aktueller Bezug u. a.: Jugoslawien-Konflikt) auf dem Campus zu installieren. Schließlich entschied man sich, Guernica an anderer Stelle neu aufleben zu lassen.
Ein erneutes Nachmalen wurde jedoch von der Erbengemeinschaft Picassos untersagt, deshalb musste die neue Version in Form einer fotografisch fixierten Reproduktion geschehen. Da die Reproduktion auf eine neu zu errichtende Steinmauer in unmittelbarer Nähe zur UB gebracht werden sollte, waren die Mitglieder der Senatskommission häufig unterwegs, um nach geeignetem Material zu suchen. Schließlich fand man eine robuste Spezialplane, die den Windverhältnissen an der RUB gerecht wird und nicht so leicht zerstört werden kann; das Guernica der Medizinstudierenden wurde Ende der 1980er-Jahre mit rechtsradikalen Parolen beschmiert.
Nun (mittlerweile befinden wir uns mitten im Jahre 2002) wurde an einer leicht zurückversetzt liegenden Wand neben dem westlichen Eingang der UB die neue Mauer hochgezogen. Außerdem wurde das Motiv Guernica in Originalgröße auf die Spezialplane gedruckt - und im Dezember 2002 schließlich an der Mauer angebracht. Dort wird es seitdem von zwei Strahlern inszeniert.
Am 31. Januar 2003 schließlich wurde das neue Guernica offiziell eingeweiht. Das anspruchsvolle Konzept der Feierstunde stammt vom Bochumer Historiker Dr. Tilmann Bendikowski, dessen Aufsatz "Guernica. Zwei Bilder" wir auch einige der o. g. Fakten entnommen haben. Sein Konzept brachte drei unmittelbar Beteiligte zusammen: Die Ärztin Dr. Gudrun Sommer zählte 1984 zu den Studierenden, die Picassos Bild nachmalten, übrigens nach Rücksprache mit dem damaligen Kanzler der RUB. Der Philologe Prof. Harro Müller-Michaels war Leiter der Kommission "Gedenken an der RUB" und gehörte zu den ersten, die feststellten, dass das Bild beim Bau der Ladenzeile tatsächlich zerstört wurde; eine Zeitlang hatte man gehofft, es sei bloß "zugebaut". Der Kunsthistoriker Dr. Kai-Uwe Hemken schließlich war maßgeblich am Prozess der Neugestaltung des Bildes beteiligt. ad
ad
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Letzte Änderung: 01.02.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik