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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 77 |
1.
Februar 2003 |
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Dreharbeiten
im Dünndarm
Erdnussgroße
Kamera findet Tumore
Die Heilungschancen bei Darmkrebs sind gut, wenn man ihn
früh erkennt. Beim Dickdarm, der meistens befallen
ist, ist das recht einfach durch eine Darmspiegelung möglich.
Schwieriger wird es, wenn der Dünndarm krebsgefährdet
ist. Bis dorthin kommt ein Endoskop weder von unten noch
von oben. Aber es gibt ein neues Helferlein: die Kapselkamera.
RUB-Mediziner testen sie zurzeit an Patienten mit erblicher
Anlage zu Dünndarmkrebs. Die Deutsche Krebshilfe
unterstützt die Studie mit rund 250.000 Euro.
Die Kapsel ist so klein wie eine Erdnuss. Nachdem der
Patient sie heruntergeschluckt hat, dauert es etwa einen
Tag, bis sie im Dünndarm ankommt. Von dort sendet
sie acht Stunden lang Bilder nach außen. Elektroden
auf der Haut des Patienten registrieren ihre Signale und
übermitteln sie an eine kleine Speichereinheit, die
der Patient am Gürtel trägt. Für diese
Dreharbeiten braucht der Patient weder im Krankenhaus
zu bleiben noch seinen Alltag zu unterbrechen, selbst
Abführmittel sind nicht notwendig. Die Kamera wird
normal ausgeschieden und nicht wieder verwendet. Am Tag
darauf wertet der Arzt die gespeicherten Bilder am Computer
aus. Dabei findet er sogar Polypen - oft Tumorvorstufen
- von wenigen Millimetern Größe, was mit Computer-
oder Kernspintomografie nicht gelingt. Auch Röntgenuntersuchungen
sticht die Kamera aus, weil sie wegen hoher Strahlendosen
ungesund sind (Wermutstropfen: Die Kamera kostet stolze
550 Euro).
Hat die Kamera Polypen aufgespürt, kann man sie
behandeln. Rheumamittel scheinen ihr Wachstum stoppen
zu können, denn im Frühstadium spielen noch
Enzyme eine Rolle, die auch an entzündlichen Prozessen
beteiligt sind. Mitte Februar startet dazu am RUB-Klinikum
eine zweite Studie.
Bei den meisten Menschen ist das Risiko, an Dünndarmkrebs
zu erkranken, gering. Nur Menschen, die eine erbliche
Veranlagung dazu haben, müssen damit rechnen. Eine
solche Veranlagung ist zu vermuten, wenn ein oder mehrere
Verwandte in jungen Jahren erkrankt sind. Menschen, die
eine solche Veranlagung bei sich vermuten, können
sich an ein Zentrum des Verbundprojekts "Familiärer
Darmkrebs" wenden; Infos: www.hnpcc.de
md ad
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