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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 77 |
1.
Februar 2003 |
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Morde in Münster
und Hamburg
Zwei neue
Campuskrimis
Prof. Günter Kaiser wird in seinem Büro beim
Geschlechtsverkehr mit einer Studentin von einem gegenüberliegenden
Gebäude aus erschossen. Einer der Hauptverdächtigen
ist der Kollege Prof. Varnholt, Sprachforscher an der
Uni Münster wie Prof. Kaiser. Beide sind in erster
Linie mit Orchideenforschung (z. B. Geheimsprachen) befasst
und missgönnen einander alles: Ruf, Geld und Stellen.
Zum schlechten Ton untereinander gehört auch das
gegenseitige Verklagen wegen Rufschädigung und ähnlichen.
Autor Jürgen Kehrer malt ein ziemliches abgedroschenes
Bild des Hochschulalltags und bedient gängige Vorurteile
insbesondere gegenüber Geisteswissenschaftlern. Darunter
leidet der ansonsten durchaus unterhaltsame Krimi um den
Münsteraner Privatdetektiv Georg Wilsberg, der
sich bei seinem 14. Fall ("Wilsberg und der tote
Professor") sogar verlieben darf: ausgerechnet in
die Witwe von Kaiser, die selbstverständlich ebenfalls
unter Mordverdacht steht; genau wie die beiden Assistent/innen
von Kaiser, der Ehemann der Assistentin sowie Kaisers
Sohn.
Etwas realistischer schildert Christian von Ditfurth das
Leben an einer Universität. Kein Wunder, arbeitet
der Historiker doch selbst an der Uni Hamburg. Hier lässt
Ditfurth zum Teil auch seinen Krimi "Mann ohne Makel"
spielen. Die Hauptfigur, Dr. Josef Maria "Jossi"
Stachelmann, arbeitet am Historischen Seminar. Stachelmann,
nach einer herausragenden Dissertation zum Dritten Reich
mit großen Erwartungen bedacht, schiebt seit einigen
Jahren seine Habilitationsschrift zum KZ Buchenwald vor
sich her. Er schlägt sich stattdessen mit wenig motivierten
Studierenden herum; allein zwei Studentinnen blitzen aus
der grauen Masse hervor, beide allerdings sind vor allem
an Stachelmann selbst interessiert. Eine von ihnen unternimmt
gar einen Selbstmordversuch, um Stachelmanns Aufmerksamkeit
zu erregen. Dieser lässt sich jedoch lieber von einer
Doktorandin umgarnen.
Doch Proseminare und Rendezvous bilden nur die Nebenschauplätze
in diesem überraschend guten und abwechslungsreichen
Krimi. Vor allem wird Stachelmann vom ehemaligen Studienkollegen
Ossi (mittlerweile Kriminalkommissar) in die Aufklärung
einer Mordserie einbezogen. Offenbar will jemand die gesamte
Familie des hoch angesehenen Maklers Holler ausrotten.
Die Ehefrau ist bereits erschlagen, zwei Kinder mit Zyankali
vergiftet - es bleiben nur noch ein Sohn und Maximilian
Holler selbst. Die Zeit drängt also, zumal ebenfalls
eine Polizistin getötet wurde, und eine zunächst
nur laue Spur führt direkt in die Vergangenheit:
Bei der getöteten Polizistin wird ein Spiegelartikel
über die SS-Totenkopfverbände entdeckt. Den
möglichen Zusammenhang zur Mordserie soll der Historiker
Stachelmann erforschen.
ad
Jürgen Kehrer: "Wilsberg und der tote Professor",
Grafit Verlag, Dortmund 2002, 192 S., 7,90 Euro
Christian von Ditfurth: "Mann ohne Makel", Kiepenheuer
& Witsch, Köln 2002, 384 S., 19,90 Euro
ad
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