Von Natur aus
grenzüberschreitend
Porträt:
Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres
Völkerrecht
Wer im NA-Gebäude auf Ebene 02 plötzlich Finnisch
oder Niederländisch hört, erinnert sich vielleicht
an den letzten Urlaub, ist aber völlig richtig an
der RUB: Beim Institut für Friedenssicherungsrecht
und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) arbeiten
seit einigen Monaten zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
verschiedenster Nationalitäten. "Wir haben
eine finnische Forscherin und Wissenschaftler aus Brasilien
und den USA zu Gast, eine französische und eine australische
Kollegin sowie einen Juniorprofessor aus den Niederlanden.
Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr Studierende
aus fünf Kontinenten und elf Ländern",
konkretisiert Prof. Horst Fischer, Akademischer Direktor
des Instituts.
Alle bringen wertvolle Erfahrungen mit und haben im Ausland
Kontakte geknüpft, die dem IFHV zugute kommen. Die
Materie, die das IFHV untersucht - Friedenssicherung und
bewaffnete Konflikte - ist von Natur aus grenzüberschreitend.
Dazu gehören Fragen wie Krisenbewältigung, Abrüstung
und Entwaffnung sowie humanitäre Hilfe. Die Experten
haben die Krisengebiete der Welt im Blick, so den Irak
oder Afghanistan. Das IFHV kooperiert mit nationalen und
internationalen Hilfsorganisationen und leistet oft vor
Ort humanitäre Hilfe.
Grenzüberschreitend ist auch die Forschung selbst:
"Wir arbeiten interdisziplinär, haben Kolleginnen
und Kollegen aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,
aus der Medizin und den Geowissenschaften", so Fischer.
Der ausgezeichnete Ruf des IFHV hat die ausländischen
Experten an die RUB gelockt. Kate Greenwood bestätigt:
"Durch seine einschlägigen Veröffentlichungen
bin ich auf das IFHV aufmerksam geworden. Besonders reizt
mich die Multidisziplinarität der Forschung. "
Die australische Juristin hat bis vor kurzem am Tribunal
in Den Haag gearbeitet und dort die interne Informationsverarbeitung
und -verbreitung gesteuert. Sie bleibt zwei Jahre lang
an der RUB, erforscht u.a. die Hintergründe des Anschlags
vom 11. September und fragt dabei auch nach Präventivmaßnahmen
zum Schutz vor weiterem Terror.
Das IFHV ist auch in Forschung und Lehre in europaweite
Netzwerke eingebunden: Gemeinsam mit dem Menschenrechtszentrum
in Venedig, zu dessen Präsidenten Fischer kürzlich
gewählt wurde, und anderen europäischen Unis
bietet das Institut den zweisemestrigen Zusatzstudiengang
"Menschenrechte und Demokratisierung" an. Er
ist für die EU das wichtigste Menschenrechtsprogramm.
Gemeinsam mit sechs weiteren europäischen Unis, die
wie das IFHV dem "Network of Humanitarian Assistance"
("NOHA") angehören, richtet das Institut
zudem den Studiengang "Humanitäre Hilfe"
aus. Beide Zusatzstudiengänge richten sich an Absolvent/innen
verschiedener Studiengänge wie Jura, Sozialwissenschaften
oder Medizin. Innerhalb von NOHA wurden europaweit
bislang 1.400 Studenten ausgebildet.
Zum Team des IFHV gehört seit Oktober der niederländische
Juniorprofessor Dr. Dennis Dijkzeul. Zuletzt war er Direktor
des "Programms für Humanitäre Angelegenheiten"
an der Columbia Universität in New York. Er hat in
Rotterdam eine Doktorarbeit über UNO-Management verfasst
und u. a. als Berater internationaler Organisationen in
Afrika, Mittelamerika, Europa und den USA gearbeitet.
Der Ökonom beschäftigt sich z. B. mit dem Aufbau
von Management-Strukturen nationaler und internationaler
Hilfsorganisationen, um das Management zu optimieren.
"Ich untersuche zudem, wie Menschen - unter anderem
Soldaten - Kriegssituationen und den damit verbundenen
Gewalteinsatz für eigene Belange ausnutzen, oder
wie Machthaber ihre Regierungsgewalt zugunsten privater
Gewinne einsetzen", erläutert er. Oft lassen
diese sog. War Lords finanzielle Leistungen für Entwicklungshilfe
oder öffentliche Gelder in ihre eigene Tasche fließen.
Der Machtmissbrauch hat weitreichende Folgen für
die Bevölkerung, zerrüttet die Gesellschaft
und kann sogar Krieg auslösen. "Was für
eigene Initiativen gibt es in der lokalen Bevölkerung
in Krisengebieten? Dieser Frage gehe ich nach, damit die
Hilfe der Organisationen auf diese Initiativen abgestimmt
werden kann und die Interaktion zwischen den Hilfsorganisationen
und der Bevölkerung optimiert wird", so Dijkzeul.
"Ein Freund hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass
im IFHV eine Stelle frei ist", erinnert sich Noëlle
Quénivet. Die Doktorandin hat in Frankreich, Österreich
und England studiert und ist beim IFHV beispielweise an
der Herausgabe der seit 15 Jahren viermal jährlich
erscheinenden Zeitschrift "Humanitäres Völkerrecht
- Informationsschriften" beteiligt, der einzigen
deutschsprachigen Zeitschrift zu diesem Thema. Zu den
Forschungsschwerpunkten der jungen Wissenschaftlerin,
die auch schon beim Europarat in Straßburg gearbeitet
hat, gehören Menschenrechte und insbesondere Gewalt
gegen Frauen im Krieg. An der RUB hat sie sich schnell
eingelebt, beim IFHV arbeitet sie gern: "Ich finde
hier genügend Anregungen für meine eigenen wissenschaftlichen
Artikel", freut sie sich. "Es ist einfach
toll hier."
Christina Heimken
IFHV im Überblick
Das 1988 gegründete IFHV ist eine der zentralen
wissenschaftlichen Einrichtungen der. Es wird von Prof.
Joachim Wolf (Geschäftsführender Direktor)
und Prof. Horst Fischer geleitet. Das Institut will
die Forschung auf den Gebieten Konfliktverhütung
und Konfliktbewältigung bezüglich internationaler
und interner bewaffneter Konflikte vorantreiben. In
Forschung und Lehre existieren zahlreiche internationale
Kooperationen.
Eine Besonderheit des IFHV ist der Informationsdienst
"BO-Faxe": Mit diesen Rundschreiben wendet
sich das Institut regelmäßig an Ministerien,
Medien und an Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz,
informiert über aktuelle militärische Konflikte
und analysiert sie.
Institutsalltag
Man spricht Englisch
Über den internationalen Alltag am Institut
sprach Christina Heimken mit IFHV-Geschäftsführer
Prof. Dr. Horst Fischer.
RUBENS: Prof. Fischer, wie ist es zu der großen
Internationalität am IFHV gekommen?
Prof. Fischer: Die hat sich aus den zahlreichen internationalen
Kontakten unserer Direktoren ergeben, aus den Forschungsprojekten
unserer Mitarbeiter - und insbesondere aus den internationalen
Kursen, die wir anbieten.
RUBENS: Wie klappt es mit der Verständigung
im Alltag?
Prof. Fischer: Arbeitssprache bei uns ist Englisch.
Das ist aber hier am Institut nichts Ungewöhnliches,
denn wir unterrichten unsere Studenten ja auch auf Englisch.
RUBENS: Was für Pläne haben Sie für
die Zukunft?
Prof. Fischer: Wir wollen unsere Forschungsprojekte
erfolgreich zu Ende führen und interessante neue
Forschungsfelder bearbeiten. Und wir sorgen weiterhin
dafür, dass unsere Studierenden eine optimale Ausbildung
erhalten, damit sie sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten
können.
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