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RUBENS 77 1. Februar 2003

Von Natur aus grenzüberschreitend

Porträt: Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht


Wer im NA-Gebäude auf Ebene 02 plötzlich Finnisch oder Niederländisch hört, erinnert sich vielleicht an den letzten Urlaub, ist aber völlig richtig an der RUB: Beim Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) arbeiten seit einigen Monaten zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedenster Nationalitäten. "Wir haben eine finnische Forscherin und Wissenschaftler aus Brasilien und den USA zu Gast, eine französische und eine australische Kollegin sowie einen Juniorprofessor aus den Niederlanden. Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr Studierende aus fünf Kontinenten und elf Ländern", konkretisiert Prof. Horst Fischer, Akademischer Direktor des Instituts.
Alle bringen wertvolle Erfahrungen mit und haben im Ausland Kontakte geknüpft, die dem IFHV zugute kommen. Die Materie, die das IFHV untersucht - Friedenssicherung und bewaffnete Konflikte - ist von Natur aus grenzüberschreitend. Dazu gehören Fragen wie Krisenbewältigung, Abrüstung und Entwaffnung sowie humanitäre Hilfe. Die Experten haben die Krisengebiete der Welt im Blick, so den Irak oder Afghanistan. Das IFHV kooperiert mit nationalen und internationalen Hilfsorganisationen und leistet oft vor Ort humanitäre Hilfe.
Grenzüberschreitend ist auch die Forschung selbst: "Wir arbeiten interdisziplinär, haben Kolleginnen und Kollegen aus den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, aus der Medizin und den Geowissenschaften", so Fischer. Der ausgezeichnete Ruf des IFHV hat die ausländischen Experten an die RUB gelockt. Kate Greenwood bestätigt: "Durch seine einschlägigen Veröffentlichungen bin ich auf das IFHV aufmerksam geworden. Besonders reizt mich die Multidisziplinarität der Forschung. " Die australische Juristin hat bis vor kurzem am Tribunal in Den Haag gearbeitet und dort die interne Informationsverarbeitung und -verbreitung gesteuert. Sie bleibt zwei Jahre lang an der RUB, erforscht u.a. die Hintergründe des Anschlags vom 11. September und fragt dabei auch nach Präventivmaßnahmen zum Schutz vor weiterem Terror.
Das IFHV ist auch in Forschung und Lehre in europaweite Netzwerke eingebunden: Gemeinsam mit dem Menschenrechtszentrum in Venedig, zu dessen Präsidenten Fischer kürzlich gewählt wurde, und anderen europäischen Unis bietet das Institut den zweisemestrigen Zusatzstudiengang "Menschenrechte und Demokratisierung" an. Er ist für die EU das wichtigste Menschenrechtsprogramm. Gemeinsam mit sechs weiteren europäischen Unis, die wie das IFHV dem "Network of Humanitarian Assistance" ("NOHA") angehören, richtet das Institut zudem den Studiengang "Humanitäre Hilfe" aus. Beide Zusatzstudiengänge richten sich an Absolvent/innen verschiedener Studiengänge wie Jura, Sozialwissenschaften oder Medizin. Innerhalb von NOHA wurden europaweit bislang 1.400 Studenten ausgebildet.
Zum Team des IFHV gehört seit Oktober der niederländische Juniorprofessor Dr. Dennis Dijkzeul. Zuletzt war er Direktor des "Programms für Humanitäre Angelegenheiten" an der Columbia Universität in New York. Er hat in Rotterdam eine Doktorarbeit über UNO-Management verfasst und u. a. als Berater internationaler Organisationen in Afrika, Mittelamerika, Europa und den USA gearbeitet. Der Ökonom beschäftigt sich z. B. mit dem Aufbau von Management-Strukturen nationaler und internationaler Hilfsorganisationen, um das Management zu optimieren. "Ich untersuche zudem, wie Menschen - unter anderem Soldaten - Kriegssituationen und den damit verbundenen Gewalteinsatz für eigene Belange ausnutzen, oder wie Machthaber ihre Regierungsgewalt zugunsten privater Gewinne einsetzen", erläutert er. Oft lassen diese sog. War Lords finanzielle Leistungen für Entwicklungshilfe oder öffentliche Gelder in ihre eigene Tasche fließen. Der Machtmissbrauch hat weitreichende Folgen für die Bevölkerung, zerrüttet die Gesellschaft und kann sogar Krieg auslösen. "Was für eigene Initiativen gibt es in der lokalen Bevölkerung in Krisengebieten? Dieser Frage gehe ich nach, damit die Hilfe der Organisationen auf diese Initiativen abgestimmt werden kann und die Interaktion zwischen den Hilfsorganisationen und der Bevölkerung optimiert wird", so Dijkzeul.
"Ein Freund hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass im IFHV eine Stelle frei ist", erinnert sich Noëlle Quénivet. Die Doktorandin hat in Frankreich, Österreich und England studiert und ist beim IFHV beispielweise an der Herausgabe der seit 15 Jahren viermal jährlich erscheinenden Zeitschrift "Humanitäres Völkerrecht - Informationsschriften" beteiligt, der einzigen deutschsprachigen Zeitschrift zu diesem Thema. Zu den Forschungsschwerpunkten der jungen Wissenschaftlerin, die auch schon beim Europarat in Straßburg gearbeitet hat, gehören Menschenrechte und insbesondere Gewalt gegen Frauen im Krieg. An der RUB hat sie sich schnell eingelebt, beim IFHV arbeitet sie gern: "Ich finde hier genügend Anregungen für meine eigenen wissenschaftlichen Artikel", freut sie sich. "Es ist einfach toll hier."
Christina Heimken

IFHV im Überblick
Das 1988 gegründete IFHV ist eine der zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen der. Es wird von Prof. Joachim Wolf (Geschäftsführender Direktor) und Prof. Horst Fischer geleitet. Das Institut will die Forschung auf den Gebieten Konfliktverhütung und Konfliktbewältigung bezüglich internationaler und interner bewaffneter Konflikte vorantreiben. In Forschung und Lehre existieren zahlreiche internationale Kooperationen.
Eine Besonderheit des IFHV ist der Informationsdienst "BO-Faxe": Mit diesen Rundschreiben wendet sich das Institut regelmäßig an Ministerien, Medien und an Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz, informiert über aktuelle militärische Konflikte und analysiert sie.

Institutsalltag
Man spricht Englisch

Über den internationalen Alltag am Institut sprach Christina Heimken mit IFHV-Geschäftsführer Prof. Dr. Horst Fischer.

RUBENS: Prof. Fischer, wie ist es zu der großen Internationalität am IFHV gekommen?

Prof. Fischer: Die hat sich aus den zahlreichen internationalen Kontakten unserer Direktoren ergeben, aus den Forschungsprojekten unserer Mitarbeiter - und insbesondere aus den internationalen Kursen, die wir anbieten.

RUBENS: Wie klappt es mit der Verständigung im Alltag?
Prof. Fischer: Arbeitssprache bei uns ist Englisch. Das ist aber hier am Institut nichts Ungewöhnliches, denn wir unterrichten unsere Studenten ja auch auf Englisch.

RUBENS: Was für Pläne haben Sie für die Zukunft?
Prof. Fischer: Wir wollen unsere Forschungsprojekte erfolgreich zu Ende führen und interessante neue Forschungsfelder bearbeiten. Und wir sorgen weiterhin dafür, dass unsere Studierenden eine optimale Ausbildung erhalten, damit sie sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten können
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