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RUBENS 77 1. Februar 2003

Märchenhaft gegen den Materialismus

Studiobühne zeigt Giraudoux' "Irre"


Die Studiobühne im Musischen Zentrum zeigt zum Abschluss des WS ein romantisch-märchenhaftes Stück, das an einer rein materialistisch orientierten Gesellschaft Kritik übt. 22 Angehörige der RUB spielen in der Regie von Karin Freymeyer vom 7. bis 10. Februar (Beginn je 20 h) "Die Irre von Chaillot" von Jean Giraudoux.
Im Pariser Stadtviertel Chaillot tauchen zwielichtige Unternehmer und Geschäftemacher auf. Ihren Reichtum und ihr Ansehen verschafften sie sich durch skrupellose Betrügereien. In einem kleinen Straßencafé treffen sie sich, um ihren neuesten Plan auszuhecken. Mit der Gründung einer dubiosen Aktiengesellschaft wollen sie weitere Gewinne einfahren und andere in den Ruin stoßen. Ja, sie wollen sogar ganz Paris in die Luft jagen, denn sie vermuten große Erdölvorkommnisse unter dem noch unerschlossenen Boden.
Kein Mensch scheint die Gauner stoppen zu können - außer einer Frau: Die Irre von Chaillot. Sie wird von den kleinen Leuten als gütige Gräfin verehrt. Ihr Auftreten und ihre Marotten scheinen aber eher einem Kuriositätenkabinett zu entstammen. Sie liebt ihr Leben und sprüht vor Glück. Angesichts der ernsten Lage bleibt nun den Parisern nichts anderes übrig, als ihre heißgeliebte Gräfin wachzurütteln. Die gewandte Lumpensammlerin übernimmt die heikle Aufgabe, die Menschheit von den unmenschlichen Kreaturen zu befreien, und entwirft einen listigen Plan. Ganz nebenbei fädelt sie eine herzerweichende Liebesgeschichte ein.
Der Autor Jean Giraudoux (1882-1944) kehrt die Welt um: Die "Irren" sind die einzig Vernünftigen, die gegen die Entmenschlichung der modernen Gesellschaft aufbegehren. Großmut, Freiheitsliebe und Idealismus gegen Geschäfte, Kalkül und Ausbeutung. Giraudoux prangert in seinen Stücken gerne den rüden Materialismus einer mechanisierten Geschäftswelt an, der die einzelnen Individuen zur gleichgeschalteten Masse werden lässt. Er zeigt eine märchenhafte Wirklichkeit, in der das Gute siegt und das Böse ausnahmslos bestraft wird.
Karin Freymeyer

Infos unter -22836 oder www.ruhr-uni-bochum.de/mz-theater
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Letzte Änderung: 01.02.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik