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RUBENS 77 1. Februar 2003

Tipps zum einfachen Schreiben

Forschungsprojekt mit der Stadt Bochum


"Die Bauaufsichtsbehörde hat bei der Entscheidung über die Zulässigkeit eines Bauvorhabens die rechtlichen Belange und die Interessen des Antragstellers, der Nachbarn und der Allgemeinheit gegeneinander abzuwägen": Kein Wunder, dass Bürgerinnen und Bürger solche Verwaltungsschreiben kritisieren. Die persönliche Ansprache fehlt, der Hauptwortstil ist "verquast", der Ton vermittelt Obrigkeit. Mit solchen Formulierungen traktieren deutsche Verwaltungen täglich ihre Adressaten. Dass es auch anders geht, zeigt der "Leitfaden zur bürgernahen Verwaltungssprache", den ein Forscherteam um Prof. Hans-Rüdiger Fluck (Germanistisches Institut der RUB) zusammen mit der Stadt Bochum entwickelt hat. Er ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts und enthält nützliche Tipps, wie Verwaltungstexte einfacher und verständlicher werden.
Aus der Bochumer Stadtverwaltung heißt es in Zukunft also nicht mehr "Die auf dem am ... ausgestellten Bescheid beruhende Forderung ...", sondern: "In meinem Bescheid vom ... habe ich Sie aufgefordert ...". Die Tipps zum einfachen Schreiben schlagen alte Zöpfe ab. Oberstes Gebot im neuen Schreibstil sind Verständlichkeit und Serviceorientierung, außerdem sollen die Texte die Beziehung zwischen Bürgern und Verwaltung fördern, statt Obrigkeit zu vermitteln oder gar überheblich zu wirken: Die Bürgerin, der Bürger steht im Mittelpunkt. Mit einem aktiven Schreibstil, persönlicher Ansprache und Höflichkeit sollen die Schreiben auf die individuelle Situation eingehen. Serviceorientiert zu schreiben bedeutet z. B., Tipps und Hinweise zu den jeweiligen Verwaltungsverfahren zu geben, Personen und Stellen konkret zu benennen, die Auskunft geben können, oder relevante Gesetzestexte auszugsweise mitzuliefern und zu erläutern.
Die Projektpartner haben Grundregeln zusammengestellt, die im Zusammenspiel mit dem Servicecharakter und der Bürgernähe einen guten Text ausmachen: Fachwörter vermeiden oder erklären, abstrakte Vorgänge mit Beispielen veranschaulichen, Abkürzungen ausschreiben, lange und komplizierte Sätze vermeiden, ebenso "Bandwurmwörter" oder den typischen Hauptwortstil. Der Leitfaden bietet Beispieltexte aus der Praxis und enthält Literaturhinweise zum Thema.
Das Sozial-, Bauordnungs- und Rechtsamt sowie die Organisations- und Personalentwicklung der Stadtverwaltung Bochum beteiligten sich an dem Projekt, das im März 2000 begann. Insgesamt 72 Schreiben haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Unterstützung der RUB-Germanisten auf Herz und Nieren geprüft und gemeinsam Verbesserungsvorschläge erarbeitet. Das Rechtsamt prüfte jeweils, ob die Änderungen rechtlich einwandfrei sind. Eine schriftliche Befragung von Bürgerinnen und Bürgern zeigte, dass die verbesserten Texte verständlicher und bürgernäher sind. Der Leitfaden wurde Ende 2002 fertig gestellt, geplant sind zudem begleitende Fortbildungen, die helfen sollen, die Empfehlungen in die tägliche Praxis umzusetzen.
jw

Den Leitfaden gibt es bei der Stadt Bochum, Amt 11 VR, 44777 Bochum.
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Letzte Änderung: 01.02.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik