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RUBENS 76 2. Januar 2003

Heilung für Schäden am Schädel

Innovationspreis Ruhr an Bochumer Forscherteam


Für die Entwicklung individuell angepasster Titan-Implantate für Schädelknochendefekte hat das Bochumer Forscherteam um Dr.-Ing. Michael Wehmöller (Lehrstuhl für Produktionssysteme), Prof. Dr. Dr. Harald Eufinger und Dr. Stephan Weihe (beide Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie in der Uniklinik Knappschaftskrankenhaus Langendreer) den mit 50.000 Euro dotierten Innovationspreis Ruhr erhalten. Das "Bochumer Schädelimplantat" revolutionierte die Operationstechnik bei Schädeldefekten, es wurde bisher bereits fast 300 mal eingesetzt.
"Knochenschäden am Kopf entstehen nicht wie oft angenommen vorrangig durch Unfälle", erläutert Michael Wehmöller, "die meisten Indikationen gehen auf Erkrankungen im Gehirn zurück." So müssen die Ärzte den Schädel z. B. öffnen, wenn im Gehirn ein Tumor entfernt oder Schäden, die durch einen Schlaganfall entstanden sind, behandelt werden müssen. Die Löcher im Kopf mit dem alten Knochen wieder zu verschließen klappt nur selten, weil die Knochenzellen Schaden nehmen und sich dann durch mangelnde Versorgung abbauen. Das gleiche Problem gibt es bei Knochen aus anderen Körperregionen wie Hüfte oder Schulterblatt. Kunststoffimplantate verursachen häufig Entzündungen. "Erst durch die Verwendung von Titan kehrt Ruhe ein, die Rehabilitationszeit verkürzt sich", so Wehmöller.
Der eigentliche Quantensprung gelang durch die Zusammenarbeit von Ingenieuren und Medizinern: Um das Titanimplantat perfekt anzupassen, setzen sie die Röntgenbilder vom beschädigten Knochen des Patienten in moderne Konstruktionssysteme (Computer Aided Design, CAD) um, konstruieren das individuelle Implantat zunächst am Bildschirm und fertigen es dann an. Anfangs wurde die Technik nur im Knappschaftskrankenhaus verwendet, heute setzen schon 40 Kliniken im In- und Ausland das "Bochumer Schädelimplantat" ein. Bei der Datenübermittlung hilft daher das Internet. In einer zweiten Operation wird das Implantat eingesetzt, kleine Schrauben verankern es im umgebenden Knochen. "Bei planbaren Eingriffen ist sogar nur noch eine einzige Operation nötig," sagt Wehmöller, "wir können im Vorfeld eine Schablone für den Ausschnitt und das dazu passende Implantat anpassen, das sofort eingesetzt werden kann." Für die Zukunft planen die Wissenschaftler weitere Verbesserungen der Methode: So entwickeln sie in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Matthias Epple (Anorganische Chemie) neuartige Materialien aus mehreren Schichten, die sich von innen heraus auflösen und die Bildung neuen Knochens fördern, während die äußeren harten Schichten die verletzte Stelle des Kopfes weiterhin schützen. Nach der ersten Patenterteilung gründete das interdisziplinäre Forscherteam die Firma "Cranio Construct", die neben der Herstellung der Implantate auch Beratung und Begleitung bei entsprechenden Operationen anbietet.

md
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Letzte Änderung: 02.01.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik