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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Heilung für
Schäden am Schädel
Innovationspreis
Ruhr an Bochumer Forscherteam
Für die Entwicklung individuell angepasster Titan-Implantate
für Schädelknochendefekte hat das Bochumer Forscherteam
um Dr.-Ing. Michael Wehmöller (Lehrstuhl für
Produktionssysteme), Prof. Dr. Dr. Harald Eufinger und
Dr. Stephan Weihe (beide Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
in der Uniklinik Knappschaftskrankenhaus Langendreer)
den mit 50.000 Euro dotierten Innovationspreis Ruhr erhalten.
Das "Bochumer Schädelimplantat" revolutionierte
die Operationstechnik bei Schädeldefekten, es wurde
bisher bereits fast 300 mal eingesetzt.
"Knochenschäden am Kopf entstehen nicht wie
oft angenommen vorrangig durch Unfälle", erläutert
Michael Wehmöller, "die meisten Indikationen
gehen auf Erkrankungen im Gehirn zurück." So
müssen die Ärzte den Schädel z. B. öffnen,
wenn im Gehirn ein Tumor entfernt oder Schäden, die
durch einen Schlaganfall entstanden sind, behandelt werden
müssen. Die Löcher im Kopf mit dem alten Knochen
wieder zu verschließen klappt nur selten, weil die
Knochenzellen Schaden nehmen und sich dann durch mangelnde
Versorgung abbauen. Das gleiche Problem gibt es bei Knochen
aus anderen Körperregionen wie Hüfte oder Schulterblatt.
Kunststoffimplantate verursachen häufig Entzündungen.
"Erst durch die Verwendung von Titan kehrt Ruhe ein,
die Rehabilitationszeit verkürzt sich", so Wehmöller.
Der eigentliche Quantensprung gelang durch die Zusammenarbeit
von Ingenieuren und Medizinern: Um das Titanimplantat
perfekt anzupassen, setzen sie die Röntgenbilder
vom beschädigten Knochen des Patienten in moderne
Konstruktionssysteme (Computer Aided Design, CAD) um,
konstruieren das individuelle Implantat zunächst
am Bildschirm und fertigen es dann an. Anfangs wurde die
Technik nur im Knappschaftskrankenhaus verwendet, heute
setzen schon 40 Kliniken im In- und Ausland das "Bochumer
Schädelimplantat" ein. Bei der Datenübermittlung
hilft daher das Internet. In einer zweiten Operation wird
das Implantat eingesetzt, kleine Schrauben verankern es
im umgebenden Knochen. "Bei planbaren Eingriffen
ist sogar nur noch eine einzige Operation nötig,"
sagt Wehmöller, "wir können im Vorfeld
eine Schablone für den Ausschnitt und das dazu passende
Implantat anpassen, das sofort eingesetzt werden kann."
Für die Zukunft planen die Wissenschaftler weitere
Verbesserungen der Methode: So entwickeln sie in Zusammenarbeit
mit Prof. Dr. Matthias Epple (Anorganische Chemie) neuartige
Materialien aus mehreren Schichten, die sich von innen
heraus auflösen und die Bildung neuen Knochens fördern,
während die äußeren harten Schichten die
verletzte Stelle des Kopfes weiterhin schützen. Nach
der ersten Patenterteilung gründete das interdisziplinäre
Forscherteam die Firma "Cranio Construct", die
neben der Herstellung der Implantate auch Beratung und
Begleitung bei entsprechenden Operationen anbietet.
md
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