Magnetische
Heteroschichten und Formgedächtnistechnik
SFBs 491
und 459 gehen in die zweite Förderperiode
Zwei Sonderforschungsbereiche der RUB geben ab Januar
2003 nach hervorragender Begutachtung in die zweite
Förderperiode - trotz abzusehender Nullrunde bei
der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG): Der
SFB 491 "Magnetische Heteroschichten (Sprecher:
Prof. Dr. Hartmut Zabel, Bochum, stellv. Sprecher Prof.
Dr. Werner Keune, Duisburg) und der SFB 459 "Formgedächtnistechnik"
(Sprecher: Prof. Dr. Gunther Eggeler). Der Gesamtumfang
der Förderung beträgt 9,6 Millionen Euro für
drei Jahre.
In Zukunft wird sich die Elektronik neben der Ladung
auch den Eigendrehimpuls (Spin) zu nutze machen, den
jedes Elektron grundsätzlich trägt und daher
magnetisch ist. In der herkömmlichen Halbleiterelektronik
kann man den Spin noch nicht zur Steuerung verwenden,
da gleich viele Elektronen jeder Spinrichtung vorkommen.
Erst wenn es gelingt, dieses Gleichgewicht aufzuheben,
wird ein Spin-Transport und somit ein sogenannter "Spin-Transistor"
möglich. Die Physiker des SFB 491 injizieren dazu
einen Überschuss von Spins einer Richtung in den
Halbleiter. Der SFB widmet sich der Herstellung von
maßgeschneiderten Materialien, die die Injektion
von Elektronenspins erlauben. Solche Schichten könnten
besonders bei der Datenspeicherung, der Magnetfeldsensorik
und bei der Steuerung von Datenträgern eingesetzt
werden. Aber auch optische und supraleitende Eigenschaften
werden durch die Injektion von Spins beeinflusst. Daher
wird in dem SFB auch die Möglichkeit eines neuartigen,
durch Spininjektion polarisierten Lasers untersucht.
Die Maschinenbauer um Prof. Eggeler widmen sich der
Materialwissenschaft: Seit langer Zeit schon sind RUB-Wissenschaftler
auf dem Gebiet der Formgedächtnislegierungen (FGL)
tätig: Verformt man beispielsweise eine Büroklammer
bei Raumtemperatur, "erinnert" sie sich bei
Temperaturübergängen wieder an ihre ursprüngliche
Form. Spezielle Legierungen aus Nickel-Titan erweisen
dabei das beste "Gedächtnis". Ihre gute
Biokompatibilität macht sie insbesondere für
die Medizintechnik wertvoll. Ihre Herstellbarkeit und
Verarbeitbarkeit lassen allerdings noch zu wünschen
übrig: Hier sind die neuen Methoden der modernen
Werkstofftechnik (z.B. Pulvermetallurgie) gefordert.
Die Forscher wollen Wege zum Verständnis und damit
zur Verbesserung von FG-Eigenschaften durch thermomechanische
Vorbehandlung aufzeigen, sie wollen untersuchen, warum
und z.B. wie schnell FG-Effekte ermüden, und Möglichkeiten
aufdecken, wie die Legierungen wirtschaftlich hergestellt
werden können. An diesem SFB sind auch Bochumer
Chemiker, Physiker und Mineralogen beteiligt.
md
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