Von Sternen
lernen
Neuer SFB
in der Plasmaphysik
Schon seit rund drei Jahrzehnten halten Plasmen die
Forscher in der Fakultät für Physik und Astronomie
der RUB auf Trab: Anfang der 1970er Jahre startete der
erste DFG-Sonderforschungsbereich zu diesem Thema, Anfang
dieses Jahres beginnt bereits der dritte in Folge, und
das trotz Finanzschwierigkeiten bei der DFG - eine stolze
Bilanz für die RUB-Plasmaphysiker. Das "Universelle
Verhalten gleichgewichtsferner Plasmen: Heizung, Transport
und Strukturbildung" (Sprecher: Prof. Dr. Reinhard
Schlickeiser) wird die Forscher nun beschäftigen.
Vom Speziellen ins Allgemeine
Durch elektrische Spannung entstehen aus Gasgemischen
Plasmen: leitfähige Gemische aus negativ geladenen
Elektronen, positiven Ionen und neutralen Gasatomen,
dazu viele chemische Reaktionsprodukte. Plasmazustände
gibt es in den verschiedensten Bereichen, von astrophysikalischen
Plasmen im Weltall bis hin zu technisch bedeutsamen
Niedertemperaturplasmen im Labor - eine Vielfalt, die
die Wissenschaftler bisher dazu veranlasste, sich auf
einzelne Gebiete zu spezialisieren. Ihr gesammeltes
Wissen werden sie im neuen SFB nun vereinigen, um diejenigen
Eigenschaften unter die Lupe zu nehmen, die alle Plasmen
auszeichnen: Dazu gehören Transport, Heizung und
Strukturbildung im Plasma. Sie bilden deshalb eine Einheit,
weil sie sich gegenseitig stark beeinflussen. So hängt
die Aufheizung z. B. von Transportvorgängen im
Plasma ab. Geplant ist vor allem ein stärkerer
Austausch zwischen der Plasma- und der Astrophysik.
Von der Kooperation erhoffen sich die Forscher neben
einem grundsätzlichen Verständnis des universellen
Verhaltens von Plasmen auch die Entwicklung neuer Techniken
zur Steuerung und Kontrolle von Plasmen für die
technische Anwendung: "So kann der alte Slogan
Von der Natur lernen' in der Kombination Astrophysik-Plasmaphysik
ganz anders umgesetzt werden", so Prof. Schlickeiser.
Dynamik verstehen lernen
Ziel der Astrophysik ist es, den physikalischen Zustand
und die Dynamik kosmischer Objekte zu verstehen. Dazu
analysieren die Wissenschaftler das Spektrum elektromagnetischer
Strahlung, die diese Objekte aussenden. Um ihre Messwerte
richtig interpretieren und auswerten zu können,
müssen sie zunächst die möglichen Strahlungsprozesse
in den Plasmen verstehen. Sie hängen z. B. von
der Temperatur, der Dichte, dem Ionisationsgrad des
Plasmas und von Wechselwirkungen zwischen energiereichen,
geladenen Teilchen im Plasma ab. Diese Grundlagen interessieren
auch die Physiker, die sich mit technischen Plasmen
beschäftigen. Sie nutzen z. B. die Strahlung von
Plasmen für die Herstellung künstlicher Lichtquellen.
Außerdem machen sie sich die Wechselwirkungen
unter den verschiedenen Komponenten in Plasmen, wie
positiven und negativen Ionen, Neutralteilchen und Staubpartikeln,
untereinander und mit den begrenzenden Flächen
zunutze. Gezielt hergestellte Nanopartikel und Oberflächenveränderungen
können z. B. in der Medizintechnik und in der Mikroelektronik
eingesetzt werden.
Infos im Internet: http://www.tp4.ruhr-uni-bochum.de/tp4/startseite-dt.html
md
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