Leserbriefe
Schüler-Uni
Bochum
Reaktion von den "unsolidarischen Physikern"
auf Ihren Artikel "Voll,
Voll, Voll ...", Rubens 75 vom 1. Dezember
Als Dozent der in Ihrem Artikel angesprochenen Physik-Lehrveranstaltung
im HZO 60 möchte ich aus meiner Sicht einige Punkte
klarstellen: Bei dieser vierstündigen regelmäßigen
Veranstaltung (Di und Fr 10-12 h) handelt es sich um eine
Pflichtveranstaltung für das dritte Semester, für
deren Übungen sich nachweislich 87 Teilnehmer eingetragen
haben. Zum fraglichen Zeitpunkt haben nach meiner Zählung
100 Studierende (und nicht wie von Ihnen behauptet 50)
an der Vorlesung teilgenommen. Bei dieser Hörerzahl
erschien mir ein Hörsaal mit 152 Plätzen angemessen.
Ein Hörsaal mit 83 Plätzen wäre auch für
uns zu klein gewesen. Dies habe ich Herrn Kollegen Bovermann
auch bei seiner telefonischen Anfrage mitgeteilt. Prof.
Dr. Roland Schlickeiser
Leserbrief zum Editorial
von Dr. Josef König aus RUBENS Nr. 75:
Der Pressesprecher der Ruhr-Universität mag Herbert
Grönemeyer und "Musik nur, wenn sie laut ist"
- mit Fortissimo und Schmackes muss sie die Hörer
vom Sitz reißen. Nicht nur die Hymne der Deutschen
fällt deshalb bei ihm im Vergleich zur englischen
oder französischen glatt durch. Wem jedoch das
französische oder englische Pathos Schmerzen bereitet,
erholt sich vielleicht gerne bei den lyrischen Qualitäten
der Melodie Haydns. König wirft sie gemeinsam mit
der Hymne der Ruhr-Universität in den Mülleimer
"gemächlicher Musik". Als Privatmann
ist das sein gutes Recht. Ein Verwerfungsmonopol im
Namen der Universität besitzt er gleichwohl nicht
- und das ist gut so. Zu einer fairen Auseinandersetzung
hätte es gehört, auch eine Gegenposition zu
Wort kommen zu lassen: Audiatur et altera pars. Vorsicht,
Latein! Nicht, dass auch ich hier unverstanden bleibe,
wie es König dem Text der Uni-Hymne attestiert:
Konservativ sei er und habe mit dem wirklichen Leben
nichts zu tun. Warum verhindert König als Leiter
der herausgebenden Pressestelle dann nicht den Abdruck
des Universitätssiegels auf jeder RUBENS-Seite?
Sollte es ihm bisher entgangen sein, dass es Prometheus
und Epimetheus zeigt, genau diejenigen, von welchen
auch der Text der Hymne handelt? Hoffentlich erwachen
durch diesen Hinweis keine schlafenden Hunde mit der
Folge, dass König im nächsten Editorial das
Emblem der Universität auf den Müllhaufen
der Geschichte wirft. Vorbeugend sei gefragt, worin
der falscher Zungenschlag zu sehen ist, wenn der Latinist
Wilfried Stroh die Geschichte von Prometheus und Epimetheus
auf witzig ironische Weise textlich umsetzt. Mit Bedacht
wählten vor fast 40 Jahren die Gründungsmütter
und -väter der Universität die beiden mythologischen
Figuren als Patrone. Prometheus ist als Feuerdieb gewissermaßen
der Urvater fortschrittlichen Denkens; Epimetheus personifiziert
den bedächtig Abwägenden. Wenn eine Universität
sich eine Hymne wählt, worin diese beiden lebendigen
Kardinaltugenden auf Wissenschaft und Forschung bezogen
werden, hat dies sehr wohl etwas mit dem heutigen Leben
zu tun. Wer sich nur auf zeitgebundene Leitbilder und
modische Trends beschränkt, riskiert, nach dem
Ende seiner Ära etwas Unzeitgemäßes
geschaffen zu haben. Der mythologische Inhalt dürfte
die Hymne davor bewahren. Auch deren Musik hat Substanz.
Nicht Marschtritt, sondern tänzerischer Schwung
ist ihr eigen. Das ist wohltuend. Mit dem Kehrvers "Salve,
salva..." hat Jaskulsky sogar einen Ohrwurm produziert;
das wird selbst ein König kaum leugnen können.
Und dass sie zur Uraufführung noch nicht Viele
mitsingen konnten, rechtfertigt doch nicht den Wunsch
nach ihrem schnellem Verschwinden, sondern - im Gegenteil
- nach häufigerem Erklingen. Wer konnte 1984 schon
Grönemeyers Bochum-Lied auf Anhieb mitsingen? Sowohl
der Text als auch die Musik der Hymne sind, um wiederum
mit den Worten Grönemeyers zu sprechen, "besser,
viel besser,
als man glaubt". Holm Putzke
Betr. RUB-Hymne (Editorial)
in: RUBENS 75 vom 1. Dezember 2002
Die Kritik an einer unzeitgemäßen lateinischen
RUB-Hymne kann ich gut nachvollziehen. Manche werden
sich allerdings fragen, warum man dazu einen auswärtigen
Latinisten bemühen musste: Gibt es keine Latinisten
an der RUB? Es gibt sie, aber sie wurden nicht gefragt,
ja nicht einmal informiert. Warum wohl? Vermutlich weil
sie gesagt hätten, dass eine lateinische Hymne
nicht zum Heute passe. Moderne Latinistik besteht eben
nicht darin, die lateinische Sprache zu reanimieren;
worin moderne Latinistik besteht, kann man z.B. im letzten
RUBIN-Heft nachlesen. Prof. Dr. Reinhold F. Glei
(Seminar für Klassische Philologie)
ad/md
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