Ruhr-Universität Bochum zur Navigation zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite UniStartseite
Überblick UniÜberblick
A-Z UniA-Z
Suche UniSuche
Kontakt UniKontakt

pix
 
Das Siegel
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geisteswissenschaften Medizinische Einrichtungen Zentrale Einrichtungen
pix
RUBENS - Zeitschrift der RUB
RUBENS- Startseite

Lesen
Aktuelle Ausgabe
Archiv
¤Ausgabe Nr. 76
  ¤Artikel
pdf-Dateien

Service & Kontakt
Mediadaten
Redaktion
E-Mail Service
Kontakt

Volltextsuche
pix RUBENS - Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
 
 
 
    
pix
Artikel » Ausgabe 76 »Archiv » RUBENS » Pressestelle » Ruhr-Universität
pix pix
RUBENS 76 2. Januar 2003

Sechs Monate Afrika

Praktikum an der Elfenbeinküste


Wie wichtig es ist, im Studium mal eine Weile außer Landes zu sein, hat spätestens die Auslandsmesse "Grenzenlos" gezeigt. Einer, der mit gutem Beispiel vorangeht, ist Dr. Timo Weinacht, seit Oktober 2002 Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kriminologie (Prof. Dr. Thomas Feltes) der RUB. Vorher verbrachte der Erziehungswissenschaftler ein halbes Jahr in Afrika. Mit ihm sprach Meike Drießen.

RUBENS: Wieso hat es sie ausgerechnet an die Elfenbeinküste gezogen?
Timo Weinacht: Ich hatte mich für meine Diplomarbeit und auch für die Dissertation mit dem Thema selbstorganisierte Jugendorganisationen befasst und wollte zusätzlich eine internationale Qualifikation, gerne auch im Gewerkschaftsbereich. Außerdem wollte ich ein Entwicklungsland unter diesem Aspekt kennen lernen - intensiver als in einem 14-tägigen Urlaub. Auf meine Online-Bewerbung um ein Praktikum antwortete die Elfenbeinküste zuerst. Die Promotionsförderung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung machte es dann möglich: Von Februar bis August 2002 absolvierte ich ein Praktikum im westafrikanischen Büro von UNI (Union Network International), einer internationalen Gewerkschaftsorganisation, die für den Dienstleistungssektor zuständig ist.

RUBENS: Was macht UNI genau und was war Ihre Aufgabe?
Timo Weinacht: UNI versteht sich als eine gewerkschaftliche Antwort auf die voranschreitende Regionalisierung und Globalisierung. Es gibt Sektorausschüsse für Bereiche wie Handel, Finanzwesen, Telekom, Post, IT-Angestellte, Wartungs- und Sicherheitsdienste, Medien und Unterhaltung oder Tourismus. UNI gehören mehr als 900 Gewerkschaften mit über 15 Mio. Mitgliedern weltweit an. Gesprächspartner von UNI sind multinationale Arbeitgeber, NGO's, Regierungen, Arbeitgeber-Gruppen und andere Gewerkschaftsorganisationen. Dabei unterstützt UNI nationale Gewerkschaften in Konflikten mit Arbeitgebern und Regierungen, indem sie diese mit Gewerkschaften in Kontakt bringt, die Mitglieder des gleichen Arbeitgebers in anderen Ländern vertreten. In Entwicklungsländern organisiert UNI Schulungsprogramme und hilft dortigen Gewerkschaften, demokratische Strukturen aufzubauen und die Mitgliedermobilisierung zu verbessern. Während ich dort war, gab es z. B. auch einen Kongress mit dem Thema Aids, wovon in Afrika bekanntlich sehr viele Menschen betroffen sind, was natürlich auch die Arbeitswelt beeinflusst.
Meine Aufgabe war es u.a., die Mitgliederrekrutierung durch eine Befragung von ivorischen Gewerkschaftsaktivisten zu evaluieren, ein Kommunikationsnetzwerk junger afrikanischer Gewerkschaftler aufzubauen und Kongresse und Seminare mit vorzubereiten und durchzuführen.

RUBENS: Die politische Situation an der Elfenbeinküste ist kompliziert: Wie haben Sie die Konflikte erlebt?
Timo Weinacht: Das Büro von UNI-Africa befindet sich in Abidjan, dem etwa drei Mio. Einwohner zählenden Regierungssitz der Côte d'Ivoire. Zur Zeit des Praktikums war das Land noch in relativer Ruhe. Von der Militärrevolte, die den Staat seit September in einen bürgerkriegsähnlichen Zustand versetzt und die ökonomische Situation drastisch verschlechtert, war bis dahin noch wenig zu spüren. Allenfalls die Klagen von Angehörigen nördlich angesiedelter Ethnien über fehlende politische Rechte und ihre soziale Situation, eine massive Polizeipräsenz und die beharrlichen Fernsehansprachen des sozialdemokratischen Präsidenten Gbagbo, dass es keinen Staatsstreich geben werde, deuteten bereits auf die aktuellen Entwicklungen hin.

RUBENS: Was hat Sie am alltäglichen Leben am meisten beeindruckt?
Timo Weinacht: Am erstaunlichsten fand ich die Offenheit der Menschen und die Straßen, die leben. Das soziale Leben findet tatsächlich auf der Straße statt, und Kinder bestimmen das Bild wesentlich, was es bei uns so nicht mehr gibt. Außerdem haben mich alle Sinneseindrücke fasziniert: Die Gerüche, die Klänge, die Farben der Stoffe. Beeindruckend im negativen Sinne ist die Lage vieler Kinder: Für sie ist es sehr schwierig, sich zu bilden, weswegen sie in Zwangslagen und Abhängigkeiten stecken, z. B. als Hausbedienstete mit extrem geringer oder gar keiner Entlohnung.

RUBENS: Ein Pädagoge am Lehrstuhl für Kriminologie - das klingt ungewöhnlich. Was planen Sie dort in nächster Zeit?

Timo Weinacht: Ich wünsche mir ein Forschungsprojekt mit internationalem Bezug. Eine interessante Fragestellung wäre etwa, wie in verschiedenen Gesellschaften kommunale Kriminalprävention und Gemeinwesenarbeit miteinander kooperieren, und wie dabei die Straße als sozialer Raum genutzt wird, um marginalisierten Kindern und Jugendlichen Alternativen zu kriminellen Karrieren zu ermöglichen.

md
pfeil  voriger Artikel Themenübersicht nächster Artikel   pfeil
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Druckfassung dieser Seite
Letzte Änderung: 02.01.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik