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RUBENS 76 2. Januar 2003

Die Angst geht mit

Infoabend zum Serienvergewaltiger


Mehr als 400 Studierende machten sich Ende November zu später Stunde noch einmal zur Uni auf, um zum Infoabend EK-Messer zu kommen: Polizei, Heimsprecherkonferenz und Frauenbüro der RUB hatten eingeladen, um einen offensichtlich großen Informationsbedarf zu befriedigen:
Im Mittelpunkt stand der Serienvergewaltiger, der seit Jahren in der Gegend um die Wohnheime an der Laerholzstraße sein Unwesen treibt. 19 oder 20 Mal hat er in den letzten acht Jahren zugeschlagen, zuerst in Sprockhövel, später dann mit Vorliebe in Querenburg, zuletzt im Juni, Juli und Oktober 2002, ein Fall im Dezember konnte ihm nicht hundertprozentig zugeschrieben werden. Er lauert seinen Opfern nachts an einsamen Fußwegen auf, überrascht sie von hinten und hält ihnen ein Messer - vermutlich ein Schweizer Taschenmesser - an den Hals, mit dem er sie zu sexuellen Handlungen zwingt. Die Taten sind immer ähnlich, die Tatorte sind sich nah - und doch konnte man ihm bisher nicht das Handwerk legen. Sieben Phantombilder, viele Hinweise und zahlreiche nächtliche Kontrollen fruchteten nicht, ihre anfangs massive Präsenz kann die Polizei mangels Kapazitäten nicht dauerhaft aufrechterhalten. Was also tun? "Der Täter ist eine eher unauffällige Erscheinung", so Andrea Scheuten von der Ermittlungskommission (EK) Messer der Bochumer Polizei, "er ist deutscher Abstammung, spricht normales Ruhrgebietsdeutsch, ist durchschnittlich groß, von durchschnittlicher Statur, zwischen 25 und 40 Jahre alt, trägt keine Brille, riecht nicht nach Rauch." Das trifft auch auf etliche andere zu. Der wichtigste Hinweis auf seine Identität sind daher DNA-Spuren, die er in zehn Fällen hinterlassen hat. Da er sich offenbar in Sprockhövel gut auskennt, überprüft die Polizei nun Speichelproben von insgesamt 6000 Männern, die dort leben oder einmal gelebt haben. "Wir sind zuversichtlich, dass wir ihn kriegen", so Andrea Scheuten, "denn er wird es wieder versuchen und irgendwann wird er einen Fehler machen."

Selbst auf sich aufpassen

Vorerst wird also den Wohnheimbewohnerinnen nichts anderes übrig bleiben, als selbst auf sich aufzupassen. "Eigentlich sollte man sich als Frau nicht in seinen Freiheiten einschränken müssen", findet Ulrike Leimanzik von der Präventionskommission der Polizei, aber in diesem Fall muss auch sie eine Ausnahme machen: Einsame Wege im dunklen zu meiden, sich Begleitung zu suchen, Freunde entgegenkommen zu lassen, das Handy griffbereit zu haben oder unterwegs eine Standleitung zu Freunden zu halten, einen Schrillalarm anzuschaffen rät sie. Von Waffen wie Pfefferspray hält sie nicht viel, "denn die sind kompliziert zu benutzen und können vom Täter auch gegen Sie verwendet werden." Und wenn es doch zum Angriff kommt? Gegenwehr leisten, schreien und vor allem möglichst nicht in Panik verfallen. Dabei kann z. B. ein Selbstverteidigungskurs helfen (s. Kasten).
Trotzdem wird die Angst wohl weiter mit unterwegs sein. Aber wenigstens nach dem Info-Abend musste sich keiner sorgen, wie er über den finsteren Campus heim kommt: Der RUB-Wachdienst fungierte als Begleitservice.


md
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Letzte Änderung: 02.01.2003| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik