Die Angst geht
mit
Infoabend
zum Serienvergewaltiger
Mehr als 400 Studierende machten sich Ende November zu
später Stunde noch einmal zur Uni auf, um zum Infoabend
EK-Messer zu kommen: Polizei, Heimsprecherkonferenz und
Frauenbüro der RUB hatten eingeladen, um einen offensichtlich
großen Informationsbedarf zu befriedigen: Im
Mittelpunkt stand der Serienvergewaltiger, der seit Jahren
in der Gegend um die Wohnheime an der Laerholzstraße
sein Unwesen treibt. 19 oder 20 Mal hat er in den letzten
acht Jahren zugeschlagen, zuerst in Sprockhövel,
später dann mit Vorliebe in Querenburg, zuletzt im
Juni, Juli und Oktober 2002, ein Fall im Dezember konnte
ihm nicht hundertprozentig zugeschrieben werden. Er lauert
seinen Opfern nachts an einsamen Fußwegen auf, überrascht
sie von hinten und hält ihnen ein Messer - vermutlich
ein Schweizer Taschenmesser - an den Hals, mit dem er
sie zu sexuellen Handlungen zwingt. Die Taten sind immer
ähnlich, die Tatorte sind sich nah - und doch konnte
man ihm bisher nicht das Handwerk legen. Sieben Phantombilder,
viele Hinweise und zahlreiche nächtliche Kontrollen
fruchteten nicht, ihre anfangs massive Präsenz kann
die Polizei mangels Kapazitäten nicht dauerhaft aufrechterhalten.
Was also tun? "Der Täter ist eine eher unauffällige
Erscheinung", so Andrea Scheuten von der Ermittlungskommission
(EK) Messer der Bochumer Polizei, "er ist deutscher
Abstammung, spricht normales Ruhrgebietsdeutsch, ist durchschnittlich
groß, von durchschnittlicher Statur, zwischen 25
und 40 Jahre alt, trägt keine Brille, riecht nicht
nach Rauch." Das trifft auch auf etliche andere zu.
Der wichtigste Hinweis auf seine Identität sind daher
DNA-Spuren, die er in zehn Fällen hinterlassen hat.
Da er sich offenbar in Sprockhövel gut auskennt,
überprüft die Polizei nun Speichelproben von
insgesamt 6000 Männern, die dort leben oder einmal
gelebt haben. "Wir sind zuversichtlich, dass wir
ihn kriegen", so Andrea Scheuten, "denn er wird
es wieder versuchen und irgendwann wird er einen Fehler
machen."
Selbst auf sich aufpassen
Vorerst wird also den Wohnheimbewohnerinnen nichts
anderes übrig bleiben, als selbst auf sich aufzupassen.
"Eigentlich sollte man sich als Frau nicht in seinen
Freiheiten einschränken müssen", findet
Ulrike Leimanzik von der Präventionskommission
der Polizei, aber in diesem Fall muss auch sie eine
Ausnahme machen: Einsame Wege im dunklen zu meiden,
sich Begleitung zu suchen, Freunde entgegenkommen zu
lassen, das Handy griffbereit zu haben oder unterwegs
eine Standleitung zu Freunden zu halten, einen Schrillalarm
anzuschaffen rät sie. Von Waffen wie Pfefferspray
hält sie nicht viel, "denn die sind kompliziert
zu benutzen und können vom Täter auch gegen
Sie verwendet werden." Und wenn es doch zum Angriff
kommt? Gegenwehr leisten, schreien und vor allem möglichst
nicht in Panik verfallen. Dabei kann z. B. ein Selbstverteidigungskurs
helfen (s. Kasten).
Trotzdem wird die Angst wohl weiter mit unterwegs sein.
Aber wenigstens nach dem Info-Abend musste sich keiner
sorgen, wie er über den finsteren Campus heim kommt:
Der RUB-Wachdienst fungierte als Begleitservice.
md
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