Familiär
und endlich modern
Internationales
Gästehaus der RUB
Es war das erste seiner Art in Bochum und ist heute
beliebter denn je: das internationale Gästehaus
der Ruhr-Universität, das in diesem Jahr 30 Jahre
alt wurde. Auf der Papenburg liegt es etwas unscheinbar
direkt gegenüber dem großen Studierendenwohnheim
in ruhiger Lage. Dem Stil der Siebziger entsprechend
ist es von außen keine Schönheit.
Aber von innen: Stolz zeigt Hausmeisterin Petra Labahn
(43) eines der Schmuckstücke, ein frisch renoviertes
3-Raum-Appartement, in dem gerade eine argentinische
Familie mit drei Kindern lebt. Hier haben sie Platz
genug, eine große Terrasse können sie ebenso
nutzen wie einen Aufenthaltsraum im Haus und das Spielzimmer
für die Kinder. "Die Nummer 14 ist noch schöner",
sagt Labahn, "die liegt ganz oben und hat einen
Balkon, der einmal rundherum geht."
Das Haus hat 15 Appartements mit einem, zwei oder
drei Räumen. Das Kleinste bietet 30 Quadratmeter
Platz bei 8,7 Euro Miete pro qm warm. 1972 hat die VW-Stiftung
das Haus schlüsselfertig an die RUB übergeben
- im Beisein des damaligen Wissenschaftsministers
Johannes Rau. "Herberget gerne und seid gastfrei
ohne Murren", zitierte er bei diesem Anlass aus
der Bibel. Das Motto beherzigt Petra Labahn heute ebenso
wie Beate Seidemann (42), die das Haus und die Gäste
betreut. Seidemann arbeitet im Akademischen Auslandsamt
der RUB. Vor sieben Jahren hat sie die Aufgabe übernommen.
Eine schwierige Aufgabe. Denn damals sei das Haus seit
mehr als zwanzig Jahren nicht renoviert worden, sagt
sie, es musste von Grund auf saniert werden. Nachdem
das nötige Geld besorgt war, ging alles ganz schnell,
innerhalb eines Tages wurden alle Möbel, Küchen
und Teppiche entsorgt und durch neue ersetzt. Das Haus
hat heute eine moderne Schließanlage, denn der
Aufenthaltsraum war einst bei Obdachlosen sehr beliebt.
In diesem Jahr wurde auch der Garten endlich neu gestaltet,
"der Zustand war katastrophal", sagt Seidemann.
Noch ein Plus spricht dafür, dass Gastwissenschaftler
aus aller Welt für mindestens einen, maximal zwölf
Monate in das Haus ziehen: Seit November ist es an das
Campusnetz angeschlossen, die Einwahl ins Internet und
Telefonieren innerhalb der RUB sind kostenlos. "Das
war ein großes Manko", räumt Seidemann
ein, dennoch sei das Haus von je her beliebt gewesen:
"Bei uns ist es familiär", erklärt
Beate Seidemann, und Petra Labahn ergänzt: "Die
Gäste kennen sich untereinander." Manchmal
ist es auch von Vorteil, die Hausmeisterin zu kennen:
"Ein Japaner im Land der Denker und Diebe"
(Rheinische Post, 9.8.2002), Prof. Yoshihiro Niji, wurde
nämlich im August am Düsseldorfer Flughafen
bestohlen und kam quasi mittellos zu Petra Labahn, "nur
noch in Mantel und Schluffen", wie sie sagt. Sie
half dem Stammgast des Hauses ebenso selbstverständlich,
wie sie ab und zu Kinder betreut oder mal an Weihnachten
im Haus übernachtet hat, weil die Bewohner Angst
vor randalierenden Nachbarn hatten. Da ging es übrigens
nicht um Ausländerfeindlichkeit, sondern schlicht
darum, dass ein Schleichweg am Haus entlang durch einen
Zaun unbenutzbar gemacht wurde. Die Anwohner waren erbost,
weil sie nun viel länger von A nach B brauchten,
daher war das Haus etwa ein halbes Jahr lang nicht gut
gelitten.
Heute ist es wieder ruhig und beschaulich auf der
Papenburg. Nur vereinzelt kommt es mal vor, dass ein
Gast aus wärmeren Gefilden im Winter den Elektroofen
aufdreht, weil die Heizung nicht ausreicht.
jw
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