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RUBENS 75 1. Dezember 2002

Familiär und endlich modern

Internationales Gästehaus der RUB


Es war das erste seiner Art in Bochum und ist heute beliebter denn je: das internationale Gästehaus der Ruhr-Universität, das in diesem Jahr 30 Jahre alt wurde. Auf der Papenburg liegt es etwas unscheinbar direkt gegenüber dem großen Studierendenwohnheim in ruhiger Lage. Dem Stil der Siebziger entsprechend ist es von außen keine Schönheit.
Aber von innen: Stolz zeigt Hausmeisterin Petra Labahn (43) eines der Schmuckstücke, ein frisch renoviertes 3-Raum-Appartement, in dem gerade eine argentinische Familie mit drei Kindern lebt. Hier haben sie Platz genug, eine große Terrasse können sie ebenso nutzen wie einen Aufenthaltsraum im Haus und das Spielzimmer für die Kinder. "Die Nummer 14 ist noch schöner", sagt Labahn, "die liegt ganz oben und hat einen Balkon, der einmal rundherum geht."
Das Haus hat 15 Appartements mit einem, zwei oder drei Räumen. Das Kleinste bietet 30 Quadratmeter Platz bei 8,7 Euro Miete pro qm warm. 1972 hat die VW-Stiftung das Haus schlüsselfertig an die RUB übergeben - im Beisein des damaligen Wissenschaftsministers Johannes Rau. "Herberget gerne und seid gastfrei ohne Murren", zitierte er bei diesem Anlass aus der Bibel. Das Motto beherzigt Petra Labahn heute ebenso wie Beate Seidemann (42), die das Haus und die Gäste betreut. Seidemann arbeitet im Akademischen Auslandsamt der RUB. Vor sieben Jahren hat sie die Aufgabe übernommen. Eine schwierige Aufgabe. Denn damals sei das Haus seit mehr als zwanzig Jahren nicht renoviert worden, sagt sie, es musste von Grund auf saniert werden. Nachdem das nötige Geld besorgt war, ging alles ganz schnell, innerhalb eines Tages wurden alle Möbel, Küchen und Teppiche entsorgt und durch neue ersetzt. Das Haus hat heute eine moderne Schließanlage, denn der Aufenthaltsraum war einst bei Obdachlosen sehr beliebt. In diesem Jahr wurde auch der Garten endlich neu gestaltet, "der Zustand war katastrophal", sagt Seidemann. Noch ein Plus spricht dafür, dass Gastwissenschaftler aus aller Welt für mindestens einen, maximal zwölf Monate in das Haus ziehen: Seit November ist es an das Campusnetz angeschlossen, die Einwahl ins Internet und Telefonieren innerhalb der RUB sind kostenlos. "Das war ein großes Manko", räumt Seidemann ein, dennoch sei das Haus von je her beliebt gewesen: "Bei uns ist es familiär", erklärt Beate Seidemann, und Petra Labahn ergänzt: "Die Gäste kennen sich untereinander." Manchmal ist es auch von Vorteil, die Hausmeisterin zu kennen: "Ein Japaner im Land der Denker und Diebe" (Rheinische Post, 9.8.2002), Prof. Yoshihiro Niji, wurde nämlich im August am Düsseldorfer Flughafen bestohlen und kam quasi mittellos zu Petra Labahn, "nur noch in Mantel und Schluffen", wie sie sagt. Sie half dem Stammgast des Hauses ebenso selbstverständlich, wie sie ab und zu Kinder betreut oder mal an Weihnachten im Haus übernachtet hat, weil die Bewohner Angst vor randalierenden Nachbarn hatten. Da ging es übrigens nicht um Ausländerfeindlichkeit, sondern schlicht darum, dass ein Schleichweg am Haus entlang durch einen Zaun unbenutzbar gemacht wurde. Die Anwohner waren erbost, weil sie nun viel länger von A nach B brauchten, daher war das Haus etwa ein halbes Jahr lang nicht gut gelitten.
Heute ist es wieder ruhig und beschaulich auf der Papenburg. Nur vereinzelt kommt es mal vor, dass ein Gast aus wärmeren Gefilden im Winter den Elektroofen aufdreht, weil die Heizung nicht ausreicht.

 

jw
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Letzte Änderung: 01.12.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik