Gut geforscht
Neues Ranking
des CHE
Beim aktuellen Ranking
des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) dreht
sich alles um die Forschungsleistung. Im ersten Teil
untersuchten die Gütersloher Forscher die geistes-
und ingenieurwissenschaftlichen Fachbereiche, Naturwissenschaften
und Medizin folgen demnächst. Charakteristika guter
Forschung sind nach der Logik des CHE die Höhe der
verausgabten Drittmittel, die Zahl der Publikationen,
der Promotionen und (ausschließlich bei den Ingenieuren)
der Patente - jeweils in absoluten Zahlen pro Fakultät
und relativ betrachtet pro Kopf. Verglichen werden diese
Zahlen jeweils mit der Reputation einer Fakultät,
gemessen an den Empfehlungen von Professoren.
Zehn der elf zunächst untersuchten Fachbereiche
werden auch an der Ruhr-Uni angeboten und waren so Bestandteil
der Analyse. So schneidet beispielsweise die Bochumer
Anglistik gut bei den Promotionen ab: Mit jährlich
fünf Promotionen landen sie in der Spitzengruppe
der 54 untersuchten Unis, die das Fach anbieten. Ganz
vorn dabei sind auch die Bochumer Wirtschaftswissenschaftler
(die wie üblich unter BWL laufen): Ihre 182 Publikationen
jährlich hieven sie in dieser Rubrik auf Platz zwei
aller 55 betrachteten Unis. Die Elektrotechniker der RUB
tauchen gleich in zwei Rubriken unter den Top Ten auf:
bei Promotionen und bei Patenten (bei den Drittmitteln
liegen sie gut platziert im oberen Mittelfeld). Ebenfalls
sehr promotionsfreudig sind die Bochumer Germanisten und
Sozialwissenschaftler; letztere verzeichnen zudem eine
hohe Zahl an Publikationen.
Trotz allem gelingt diesen Fachbereichen nicht der Sprung
in die Riege der Spitzenuniversitäten (ebenso wenig
gelang dies Erziehungswissenschaft, Jura und Maschinenbau,
die in keinem Kriterium vorn landeten). Dort nimmt der
CHE nur solche Fakultäten auf, die mindestens in
der Hälfte der Kriterien Spitze ist. Den genannten
Bochumer Fakultäten fehlt zum einen die relative
Stärke (pro Kopf), zum anderen fehlt die entsprechend
hohe Zahl an Drittmitteln; die Bochumer Elektrotechniker
verfehlten den Sprung nur um Haaresbreite.
Einzug in die Spitzengruppe hält dagegen die Fakultät
für Geschichtswissenschaft der RUB: dank ihrer Publikationshäufigkeit
(absolut: 25; relativ: 7,4) und ihrer vielen Promotionen
(absolut: 11) - bei einer durchschnittlichen Höhe
an Drittmitteln.
So richtig gut schneiden die Bochumer Psychologen im
Ranking ab. Sie weisen die vierthöchste Zahl
an Publikationen aller 44 analysierten Unis aus. 93 Publikationen
pro Jahr entstehen hier, pro Kopf sind es 8,5, und auch
das ist Spitze. Bei den absoluten Drittmitteln liegt
die Fakultät sogar auf Platz eins: 1,464 Mio.
Euro jährlich, pro Kopf 73.000 Euro, immerhin noch
Platz fünf. Mit absolut sechs (pro Kopf: 0,6) Promotionen
pro Jahr erreicht die Fakultät in dieser Rubrik einen
Platz im oberen Mittelfeld. Das Einzige, was den Bochumer
Psychologinnen und Psychologen zum vollkommenen Glück
fehlt, ist der - wohl verdiente - gute Ruf. Aber leider
empfehlen Deutschlands Professoren lieber Unis, deren
Forschungsleistung nur durchschnittlich ist.
Infos und Hintergründe: http://www.che-forschungsranking.de
Zum aktuellen Forschungsranking befragte Arne Dessaul
die Dekanin der Fakultät für Psychologie,
Prof. Dr. Irene Daum.
RUBENS: Frau Professor Daum, können Sie
uns kurz das Erfolgskonzept der Bochumer Psychologie
erläutern?
Prof. Daum: Ein wichtiger Punkt ist, dass wir
uns sowohl mit der Grundlagenforschung als auch mit
der anwendungsbezogenen Forschung befassen. Wir legen
besonderen Wert auf die Verbindung der beiden Bereiche.
Ein zweiter wichtiger Punkt ist sicherlich unsere interdisziplinäre
Ausrichtung. Wir arbeiten in der Grundlagenforschung
z. B. mit den Medizinern und Biologen zusammen und in
der anwendungsbezogenen Forschung etwa mit den Sozial-
und Wirtschaftswissenschaftlern bis hin zu den Ingenieuren.
RUBENS: Nur rund 30 Prozent der in der Fakultät
verwendeten Drittmittel stammen von der DFG, woher kommt
der Rest?
Prof. Daum: Ein großer Teil unserer Forschungsgelder
kommt aus Bundes- und Landesmitteln, etwa vom BMBF,
aber auch vom Wissenschafts- oder vom Sozialministerium
in Düsseldorf. Hinzu kommen Forschungsgelder von
Stiftungen, z. B. von der Volkswagen-Stiftung oder von
der Krupp-Stiftung sowie Gelder aus Kooperationen mit
der Industrie.
RUBENS: In welche Projekte fließt das Geld,
können Sie Beispiele nennen?
Prof. Daum: In der Grundlagenforschung gibt es
aktuell z. B. Projekte zu Funktionen des Stirnhirns
oder zu bestimmten Hirngebieten und zu Beeinträchtigungen
im Alltag bei Verletzungen dieser Gebiete. Weitere Arbeiten
beschäftigen sich mit den Hirnprozessen bei der
Wahrnehmung von Bewegungen oder mit der kognitiven Entwicklung
im Säuglingsalter. In der angewandten Seite betreiben
wir u.a. klinische Forschung zu Angststörungen
und Psychotherapie-Verfahren, zur Entwicklung von neuen
Testverfahren bei der Eignungsdiagnostik, bei der Erfassung
von Kundenzufriedenheit oder bei der Bewertung von Arbeitstätigkeiten
- also Neuentwicklungen von Messinstrumenten und Tests
in ganz unterschiedlichen Bereichen. Weiterhin haben
wir angewandte Projekte zur Gestaltung des Stadtlebens
und der Mobilität unter ökologischen Aspekten
sowie unterschiedliche Projekte zum Management des betrieblichen
Arbeits- und Gesundheitsschutzes.
RUBENS: Jetzt gilt es eigentlich nur noch, die
Reputation der Fakultät zu verbessern. Haben Sie
bereits Ideen?
Prof. Daum: Ich glaube, solange es bei Bewertungen
Fragen gibt wie "Welche Hochschule empfehlen Professoren
ihren Kindern", haben wir nach wie vor einen Standortnachteil
in Bochum gegenüber klassischen Universitäten
wie Heidelberg, Konstanz oder Freiburg. Dennoch gibt
es Möglichkeiten: Wir sollten - neben der Publikation
in Fachzeitschriften - unsere Forschungsergebnisse einer
breiteren, interessierten Öffentlichkeit besser
zugänglich machen, das heißt, in Wissenschaftssendungen
oder in allgemein verständlichen Publikationen.
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