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RUBENS 75 1. Dezember 2002

Gut geforscht

Neues Ranking des CHE

Beim aktuellen Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) dreht sich alles um die Forschungsleistung. Im ersten Teil untersuchten die Gütersloher Forscher die geistes- und ingenieurwissenschaftlichen Fachbereiche, Naturwissenschaften und Medizin folgen demnächst. Charakteristika guter Forschung sind nach der Logik des CHE die Höhe der verausgabten Drittmittel, die Zahl der Publikationen, der Promotionen und (ausschließlich bei den Ingenieuren) der Patente - jeweils in absoluten Zahlen pro Fakultät und relativ betrachtet pro Kopf. Verglichen werden diese Zahlen jeweils mit der Reputation einer Fakultät, gemessen an den Empfehlungen von Professoren.
Zehn der elf zunächst untersuchten Fachbereiche werden auch an der Ruhr-Uni angeboten und waren so Bestandteil der Analyse. So schneidet beispielsweise die Bochumer Anglistik gut bei den Promotionen ab: Mit jährlich fünf Promotionen landen sie in der Spitzengruppe der 54 untersuchten Unis, die das Fach anbieten. Ganz vorn dabei sind auch die Bochumer Wirtschaftswissenschaftler (die wie üblich unter BWL laufen): Ihre 182 Publikationen jährlich hieven sie in dieser Rubrik auf Platz zwei aller 55 betrachteten Unis. Die Elektrotechniker der RUB tauchen gleich in zwei Rubriken unter den Top Ten auf: bei Promotionen und bei Patenten (bei den Drittmitteln liegen sie gut platziert im oberen Mittelfeld). Ebenfalls sehr promotionsfreudig sind die Bochumer Germanisten und Sozialwissenschaftler; letztere verzeichnen zudem eine hohe Zahl an Publikationen.
Trotz allem gelingt diesen Fachbereichen nicht der Sprung in die Riege der Spitzenuniversitäten (ebenso wenig gelang dies Erziehungswissenschaft, Jura und Maschinenbau, die in keinem Kriterium vorn landeten). Dort nimmt der CHE nur solche Fakultäten auf, die mindestens in der Hälfte der Kriterien Spitze ist. Den genannten Bochumer Fakultäten fehlt zum einen die relative Stärke (pro Kopf), zum anderen fehlt die entsprechend hohe Zahl an Drittmitteln; die Bochumer Elektrotechniker verfehlten den Sprung nur um Haaresbreite.
Einzug in die Spitzengruppe hält dagegen die Fakultät für Geschichtswissenschaft der RUB: dank ihrer Publikationshäufigkeit (absolut: 25; relativ: 7,4) und ihrer vielen Promotionen (absolut: 11) - bei einer durchschnittlichen Höhe an Drittmitteln.
So richtig gut schneiden die Bochumer Psychologen im Ranking ab. Sie weisen die vierthöchste Zahl an Publikationen aller 44 analysierten Unis aus. 93 Publikationen pro Jahr entstehen hier, pro Kopf sind es 8,5, und auch das ist Spitze. Bei den absoluten Drittmitteln liegt die Fakultät sogar auf Platz eins: 1,464 Mio. Euro jährlich, pro Kopf 73.000 Euro, immerhin noch Platz fünf. Mit absolut sechs (pro Kopf: 0,6) Promotionen pro Jahr erreicht die Fakultät in dieser Rubrik einen Platz im oberen Mittelfeld. Das Einzige, was den Bochumer Psychologinnen und Psychologen zum vollkommenen Glück fehlt, ist der - wohl verdiente - gute Ruf. Aber leider empfehlen Deutschlands Professoren lieber Unis, deren Forschungsleistung nur durchschnittlich ist.
Infos und Hintergründe: http://www.che-forschungsranking.de


Zum aktuellen Forschungsranking befragte Arne Dessaul die Dekanin der Fakultät für Psychologie, Prof. Dr. Irene Daum.

RUBENS: Frau Professor Daum, können Sie uns kurz das Erfolgskonzept der Bochumer Psychologie erläutern?
Prof. Daum: Ein wichtiger Punkt ist, dass wir uns sowohl mit der Grundlagenforschung als auch mit der anwendungsbezogenen Forschung befassen. Wir legen besonderen Wert auf die Verbindung der beiden Bereiche. Ein zweiter wichtiger Punkt ist sicherlich unsere interdisziplinäre Ausrichtung. Wir arbeiten in der Grundlagenforschung z. B. mit den Medizinern und Biologen zusammen und in der anwendungsbezogenen Forschung etwa mit den Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern bis hin zu den Ingenieuren.

RUBENS: Nur rund 30 Prozent der in der Fakultät verwendeten Drittmittel stammen von der DFG, woher kommt der Rest?
Prof. Daum: Ein großer Teil unserer Forschungsgelder kommt aus Bundes- und Landesmitteln, etwa vom BMBF, aber auch vom Wissenschafts- oder vom Sozialministerium in Düsseldorf. Hinzu kommen Forschungsgelder von Stiftungen, z. B. von der Volkswagen-Stiftung oder von der Krupp-Stiftung sowie Gelder aus Kooperationen mit der Industrie.

RUBENS: In welche Projekte fließt das Geld, können Sie Beispiele nennen?
Prof. Daum: In der Grundlagenforschung gibt es aktuell z. B. Projekte zu Funktionen des Stirnhirns oder zu bestimmten Hirngebieten und zu Beeinträchtigungen im Alltag bei Verletzungen dieser Gebiete. Weitere Arbeiten beschäftigen sich mit den Hirnprozessen bei der Wahrnehmung von Bewegungen oder mit der kognitiven Entwicklung im Säuglingsalter. In der angewandten Seite betreiben wir u.a. klinische Forschung zu Angststörungen und Psychotherapie-Verfahren, zur Entwicklung von neuen Testverfahren bei der Eignungsdiagnostik, bei der Erfassung von Kundenzufriedenheit oder bei der Bewertung von Arbeitstätigkeiten - also Neuentwicklungen von Messinstrumenten und Tests in ganz unterschiedlichen Bereichen. Weiterhin haben wir angewandte Projekte zur Gestaltung des Stadtlebens und der Mobilität unter ökologischen Aspekten sowie unterschiedliche Projekte zum Management des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

RUBENS: Jetzt gilt es eigentlich nur noch, die Reputation der Fakultät zu verbessern. Haben Sie bereits Ideen?
Prof. Daum: Ich glaube, solange es bei Bewertungen Fragen gibt wie "Welche Hochschule empfehlen Professoren ihren Kindern", haben wir nach wie vor einen Standortnachteil in Bochum gegenüber klassischen Universitäten wie Heidelberg, Konstanz oder Freiburg. Dennoch gibt es Möglichkeiten: Wir sollten - neben der Publikation in Fachzeitschriften - unsere Forschungsergebnisse einer breiteren, interessierten Öffentlichkeit besser zugänglich machen, das heißt, in Wissenschaftssendungen oder in allgemein verständlichen Publikationen.

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Letzte Änderung: 01.12.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik