"Gute Investition"
Anreizsystem
zur Chancengleichheit
Im Jahr 2001 forschten
und lehrten ca. 4.000 Professorinnen an deutschen Unis.
Auf den ersten Blick eine stolze Zahl, doch damit war
lediglich jede neunte Professur mit einer Frau besetzt.
Um den Frauenanteil beim wissenschaftlichen Nachwuchs
zu erhöhen, entschloss sich die RUB, neue Wege
zu gehen. Sie schrieb im Juli ein Anreizsystem aus, für
das sich die Fakultäten für Chemie, Geschichtswissenschaft
und Sozialwissenschaft erfolgreich bewarben.
"Die drei Fakultäten verpflichten sich, ein
bestimmtes Stellenkontingent für mindestens drei
Jahre mit Doktorandinnen und Habilitandinnen zu besetzen.
Dafür erhalten sie eine festgelegte Summe, die sie
- aus haushaltstechnischen Gründen noch in diesem
Jahr - für Frauenförderungsmaßnahmen ausgeben
müssen", erläutert Anja Tillmann vom Projekt
zur Frauenförderung im Sinne des Landesgleichstellungsgesetzes
(ProFiL) das Anreizsystem, das insgesamt mit 60.000 Euro
dotiert ist.
Die Fakultäten haben sehr unterschiedliche Pläne
für ihre zusätzlichen Gelder. Die Fakultät
für Chemie hat angekündigt, mit ihren 18.000
Euro ein spezielles Internet-Angebot für Frauen zu
konzipieren: u. a. mit Fördermöglichkeiten oder
Betreuungsangeboten für Kinder. Befristet finanziert
werden außerdem zwei studentische Hilfskräfte.
Eine Studentin baut Versuche für Schülerinnen
auf, eine andere unterstützt die Vertrauensfrau der
Fakultät, Dr. Elke Löffler.
Die Geschichtswissenschaft will Nachwuchswissenschaftlerinnen
mit Kopier- und Reisekostenzuschüssen unterstützen.
Da die Gelder noch anno 2002 fließen müssen,
wurde umgehend ausgeschrieben, frei nach dem Motto "Bitte,
reist ganz, ganz schnell", wie die Kustodin Dr. Brigitte
Flug betont. Jede Antragstellerin erhält übrigens
maximal 1.000 Euro.
Ein anderes Modell hat die Fakultät für Sozialwissenschaft
gewählt. Sie nutzt die bewilligten 25.000 Euro zur
Anschubfinanzierung für eine halbe Promotionsstelle
mit dreijähriger Laufzeit. "Die Idee entstand
praktisch zeitgleich mit dem Anreizsystem", erklärt
die Dekanin Prof. Dr. Notburga Ott. Die Promotionsstelle
mit dem Schwerpunkt "Frauen und Medienkompetenz"
ist der neuen Juniorprofessur von Dr. Cilja Harders zugeordnet
und soll durch das Einwerben von Drittmitteln zu einer
ganzen Stelle ausgebaut werden.
Die verschiedenen Herangehensweisen in den Fakultäten
zeigen, dass das neue Anreizsystem in der Tat noch "ein
Experimentierfeld" darstellt, wie es die Gleichstellungsbeauftragte
der RUB Andrea K. Kaus bezeichnet. "Wenn mit den
60.000 Euro sechs Frauen mehr promoviert werden oder sich
zwei Frauen mehr habilitieren, dann handelt es sich aber
auf jeden Fall um eine gute Investition", bringt
es Personaldezernentin Dr. Gabriele Frohnhaus auf den
Punkt. Im nächsten Jahr werden erneut 60.000
Euro ausgeschrieben.
Frauenanteile
Aktuelle Zahlen zum Frauenanteil an der RUB und den
drei am Projekt beteiligten Fakultäten (Quellen:
Rubrik 2002, Personaldezernat, Fakultäten):
RUB gesamt (ohne Medizin)
Professuren: 372 Männer / 41 Frauen (Frauenanteil:
9,9 %)
Mittelbau: 804 Männer / 267 Frauen (Frauenanteil:
24,9 %)
Studierende: 18.771 Männer / 16.355 Frauen (Frauenanteil:
46,6 %)
Fakultät für Geschichtswissenschaft
Professuren: 12 Männer / 5 Frauen (Frauenanteil:
29,4 %)
Wissenschaftliche Qualifizierungsstellen in Vollzeitäquivalenten:
6,75 Männer / 6,25 Frauen (Frauenanteil: 48,1 %)
Studierende 2002: 1.172 Männer / 1.220 Frauen (Frauenanteil:
51 %)
Fakultät für Sozialwissenschaften
Professuren (inkl. Junior): 13 Männer / 3 Frauen
(Frauenanteil: 18,8 %)
Wissenschaftliche Qualifizierungsstellen: 7 Männer
/ 4,25 Frauen (Frauenanteil: 39,1 %)
Studierende: 1.034 Männer / 955 Frauen (Frauenanteil:
48 %)
Fakultät für Chemie
Professuren: 18 Männer / 1 Frau (Frauenanteil:
5,3 %)
Wissenschaftliche Qualifizierungsstellen: 42,75 Männer
/ 10,25 Frauen (Frauenanteil: 19,3 %)
Studierende: 971 Männer / 363 Frauen (Frauenanteil:
37,4 %)
Traumberuf Wissenschaftlerin?!
Die Veranstaltung "Traumberuf Wissenschaftlerin
- Perspektiven für Absolventinnen an der Hochschule"
bietet Absolventinnen, die gerade mit ihrer Promotion
begonnen haben, und Studentinnen in der Abschlussphase
ihres Studiums Infos über das Berufsbild "Wissenschaftlerin".
Am 22.1.03 (9-13 h, Studienbüro, SH 2/219)
laden KoBra, ProFil, Propersonal und das Frauenbüro
ein, sich mit folgenden Fragestellungen zu beschäftigen:
"Das Innere des Elfenbeinturms - Facetten des vielfältigen
Berufsbildes einer Wissenschaftlerin" (Dr. Britta
Freis, KoBra; Anja Tillmann; ProFiL); "HG, HRG
und andere Abkürzungen - Auswirkungen der Hochschulgesetze
auf die Karriereplanung" (Dr. Gabriele Frohnhaus,
Personaldezernentin); "Traumberuf Wissenschaftlerin
- zwischen Familienarbeit und Männerbiographien"
(Andrea Kaus, Gleichstellungsbeauftragte); "Just
take it all - zu Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaftskarriere"
(Prof. Martina Havenith-Newen, Fakultät für
Chemie).
Interessiert? Das Anmeldeformular kann unter www.ruhr-uni-bochum.de/profilprojekt
,
Punkt "Aktuelles", abgerufen werden; bitte
bis zum 10.1.03 ausgefüllt zurücksenden:
ProFiL, Anja Tillmann, UV 063, 44780 Bochum, Tel.
0234/32-25556
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