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RUBENS 75 1. Dezember 2002

"Gute Investition"

Anreizsystem zur Chancengleichheit

Im Jahr 2001 forschten und lehrten ca. 4.000 Professorinnen an deutschen Unis. Auf den ersten Blick eine stolze Zahl, doch damit war lediglich jede neunte Professur mit einer Frau besetzt. Um den Frauenanteil beim wissenschaftlichen Nachwuchs zu erhöhen, entschloss sich die RUB, neue Wege zu gehen. Sie schrieb im Juli ein Anreizsystem aus, für das sich die Fakultäten für Chemie, Geschichtswissenschaft und Sozialwissenschaft erfolgreich bewarben.
"Die drei Fakultäten verpflichten sich, ein bestimmtes Stellenkontingent für mindestens drei Jahre mit Doktorandinnen und Habilitandinnen zu besetzen. Dafür erhalten sie eine festgelegte Summe, die sie - aus haushaltstechnischen Gründen noch in diesem Jahr - für Frauenförderungsmaßnahmen ausgeben müssen", erläutert Anja Tillmann vom Projekt zur Frauenförderung im Sinne des Landesgleichstellungsgesetzes (ProFiL) das Anreizsystem, das insgesamt mit 60.000 Euro dotiert ist.
Die Fakultäten haben sehr unterschiedliche Pläne für ihre zusätzlichen Gelder. Die Fakultät für Chemie hat angekündigt, mit ihren 18.000 Euro ein spezielles Internet-Angebot für Frauen zu konzipieren: u. a. mit Fördermöglichkeiten oder Betreuungsangeboten für Kinder. Befristet finanziert werden außerdem zwei studentische Hilfskräfte. Eine Studentin baut Versuche für Schülerinnen auf, eine andere unterstützt die Vertrauensfrau der Fakultät, Dr. Elke Löffler.
Die Geschichtswissenschaft will Nachwuchswissenschaftlerinnen mit Kopier- und Reisekostenzuschüssen unterstützen. Da die Gelder noch anno 2002 fließen müssen, wurde umgehend ausgeschrieben, frei nach dem Motto "Bitte, reist ganz, ganz schnell", wie die Kustodin Dr. Brigitte Flug betont. Jede Antragstellerin erhält übrigens maximal 1.000 Euro.
Ein anderes Modell hat die Fakultät für Sozialwissenschaft gewählt. Sie nutzt die bewilligten 25.000 Euro zur Anschubfinanzierung für eine halbe Promotionsstelle mit dreijähriger Laufzeit. "Die Idee entstand praktisch zeitgleich mit dem Anreizsystem", erklärt die Dekanin Prof. Dr. Notburga Ott. Die Promotionsstelle mit dem Schwerpunkt "Frauen und Medienkompetenz" ist der neuen Juniorprofessur von Dr. Cilja Harders zugeordnet und soll durch das Einwerben von Drittmitteln zu einer ganzen Stelle ausgebaut werden.
Die verschiedenen Herangehensweisen in den Fakultäten zeigen, dass das neue Anreizsystem in der Tat noch "ein Experimentierfeld" darstellt, wie es die Gleichstellungsbeauftragte der RUB Andrea K. Kaus bezeichnet. "Wenn mit den 60.000 Euro sechs Frauen mehr promoviert werden oder sich zwei Frauen mehr habilitieren, dann handelt es sich aber auf jeden Fall um eine gute Investition", bringt es Personaldezernentin Dr. Gabriele Frohnhaus auf den Punkt. Im nächsten Jahr werden erneut 60.000 Euro ausgeschrieben.

Frauenanteile
Aktuelle Zahlen zum Frauenanteil an der RUB und den drei am Projekt beteiligten Fakultäten (Quellen: Rubrik 2002, Personaldezernat, Fakultäten):

RUB gesamt (ohne Medizin)
Professuren: 372 Männer / 41 Frauen (Frauenanteil: 9,9 %)
Mittelbau: 804 Männer / 267 Frauen (Frauenanteil: 24,9 %)
Studierende: 18.771 Männer / 16.355 Frauen (Frauenanteil: 46,6 %)

Fakultät für Geschichtswissenschaft
Professuren: 12 Männer / 5 Frauen (Frauenanteil: 29,4 %)
Wissenschaftliche Qualifizierungsstellen in Vollzeitäquivalenten: 6,75 Männer / 6,25 Frauen (Frauenanteil: 48,1 %)
Studierende 2002: 1.172 Männer / 1.220 Frauen (Frauenanteil: 51 %)

Fakultät für Sozialwissenschaften
Professuren (inkl. Junior): 13 Männer / 3 Frauen (Frauenanteil: 18,8 %)
Wissenschaftliche Qualifizierungsstellen: 7 Männer / 4,25 Frauen (Frauenanteil: 39,1 %)
Studierende: 1.034 Männer / 955 Frauen (Frauenanteil: 48 %)

Fakultät für Chemie
Professuren: 18 Männer / 1 Frau (Frauenanteil: 5,3 %)
Wissenschaftliche Qualifizierungsstellen: 42,75 Männer / 10,25 Frauen (Frauenanteil: 19,3 %)
Studierende: 971 Männer / 363 Frauen (Frauenanteil: 37,4 %)

Traumberuf Wissenschaftlerin?!
Die Veranstaltung "Traumberuf Wissenschaftlerin - Perspektiven für Absolventinnen an der Hochschule" bietet Absolventinnen, die gerade mit ihrer Promotion begonnen haben, und Studentinnen in der Abschlussphase ihres Studiums Infos über das Berufsbild "Wissenschaftlerin". Am 22.1.03 (9-13 h, Studienbüro, SH 2/219) laden KoBra, ProFil, Propersonal und das Frauenbüro ein, sich mit folgenden Fragestellungen zu beschäftigen: "Das Innere des Elfenbeinturms - Facetten des vielfältigen Berufsbildes einer Wissenschaftlerin" (Dr. Britta Freis, KoBra; Anja Tillmann; ProFiL); "HG, HRG und andere Abkürzungen - Auswirkungen der Hochschulgesetze auf die Karriereplanung" (Dr. Gabriele Frohnhaus, Personaldezernentin); "Traumberuf Wissenschaftlerin - zwischen Familienarbeit und Männerbiographien" (Andrea Kaus, Gleichstellungsbeauftragte); "Just take it all - zu Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaftskarriere" (Prof. Martina Havenith-Newen, Fakultät für Chemie).
Interessiert? Das Anmeldeformular kann unter www.ruhr-uni-bochum.de/profilprojekt , Punkt "Aktuelles", abgerufen werden; bitte bis zum 10.1.03 ausgefüllt zurücksenden: ProFiL, Anja Tillmann, UV 063, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25556

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Letzte Änderung: 01.12.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik