Ruhr-Universität Bochum zur Navigation zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite UniStartseite
Überblick UniÜberblick
A-Z UniA-Z
Suche UniSuche
Kontakt UniKontakt

pix
 
Das Siegel
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geisteswissenschaften Medizinische Einrichtungen Zentrale Einrichtungen
pix
RUBENS - Zeitschrift der RUB
RUBENS- Startseite

Lesen
Aktuelle Ausgabe
Archiv
¤Ausgabe Nr. 75
  ¤Artikel
pdf-Dateien

Service & Kontakt
Mediadaten
Redaktion
E-Mail Service
Kontakt

Volltextsuche
pix RUBENS - Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
 
 
 
    
pix
Artikel » Ausgabe 75 »Archiv » RUBENS » Pressestelle » Ruhr-Universität
pix pix
RUBENS 75 1. Dezember 2002

Voll

Überfüllte Veranstaltungen an der RUB


Prof. Wilhelm Bleek (Politische Wissenschaften 1) staunte, als er am ersten Donnerstagmorgen des Wintersemesters in seinen Übungsraum gehen wollte: Aus Erfahrung hatte er für den Lektürekurs "Aristoteles: Die Politik" GC 03/146 gebucht, der rund 30 Plätze hat. Diesmal jedoch interessierten sich 110 Studierende für Aristoteles. Sie standen bereits in den Gängen, der Seminarraum war voll. "Bei solchen Massen greifen natürlich keinerlei pädagogische Konzepte", erklärt Bleek, der den Kurs kurzerhand teilte: "Eine Hälfte trifft sich weiterhin donnerstags um halb neun, die andere um 16 Uhr."
So einfach ließen sich nicht alle Probleme lösen, die der große Ansturm an neuen Studierenden im Wintersemester mit sich brachte. Vor allem Sozialwissenschaftler, Germanisten und Historiker verzeichneten Zuwächse auf hohem Niveau. Genau diese erfreuliche Tendenz verursachte die Platzprobleme in Seminarräumen und Hörsälen. Überfüllt waren und sind vor allem Einführungsveranstaltungen.
Überfüllt waren und sind auch Veranstaltungen des Optionalbereichs bzw. von ihm angekündigte Kurse (s. Interview). Davon weiß der Fachschaftsrat (FR) Niederlandistik zu berichten. Beim ersten Termin des Sprachkurses "Niederländisch I" tummelten sich 189 Menschen im und um den 40 Plätze fassenden Seminarraum GABF 04/411, 90 Prozent davon aus dem Optionalbereich. Dozentin Birgitta Bexten schaffte es mit Mühe zum Tisch und stellte sich darauf, um einigermaßen den Überblick zu behalten. Dennoch blieb ihr nichts anderes übrig, als schnellstmöglich einen neuen Raum zu suchen.
"Anders ging das nicht", bestätigen Hendrik und Jens vom FR, "100 Studis hatten wir schon im letzten Semester. Die passten gerade so in den Seminarraum. Bei 200 ist nichts zu machen." Zur zweiten Veranstaltung kamen noch mal 20 Leute mehr in den Hörsaal HGB 40, der ebenfalls zu klein war. Birgitta Bexten musste den Kurs teilen. "Wir werden im Optionalbereich anregen, den Kurs demnächst mindestens zweimal anzubieten", erklärt man im FR.
Zu viele Studierende, zu kleine Räume - Richard Möhlendick, in der Verwaltung für die Hörsaalvergabe zuständig, kann sich an kein Semester erinnern, in dem der Tauschbedarf so groß war wie in diesem. Zum Glück gibt es auch Dozenten, die - nach den Eindrücken der ersten Semesterwochen - einen kleineren Raum benötigen. Sie können mit denjenigen tauschen, die einen größeren brauchen. Doch alle Wünsche konnte Richard Möhlendick diesmal nicht erfüllen.
Dr. Rainer Bovermann bekam einen neuen Raum. Für die Übung "Einführung in die Politikwissenschaft" hatte er sich GC 04/614 (40 Plätze) reservieren lassen. Dann sah er sich beim ersten Termin mit 200 Studierenden konfrontiert. Dr. Bovermann ließ sich daraufhin einen freien Hörsaal geben. Doch auch in HZO 100 passen nur 80 Menschen hinein. "Der Rest sitzt auf den Treppen und auf dem Podium oder steht im Eingangsfoyer. An die Sicherheit denke ich lieber nicht, falls man den Raum schnell räumen müsste ...", schildert der Politologe die Misere, die auch die beiden anderen Einführungsübungen in die Politikwissenschaft betrifft. Bovermann wollte mit einem zeitgleich lehrenden Physikdozenten tauschen. In dessen Hörsaal (HZO 60; 150 Plätze) saßen nur etwa 50 Leute. "Leider tauschte der Kollege nicht. Er wollte nicht, dass seine Studierenden Ellbogen an Ellbogen sitzen."
Die Politologie-Studierenden nehmen den überfüllten Hörsaal mit Humor, machen lakonische Bemerkungen über die unsolidarischen Physiker im Saal gegenüber und bedauern ihren Dozenten, der zu allem Überfluss auch noch eine riesige Zahl an Klausuren zu korrigieren hat. Außerdem wundern sich die angehenden Politologen über die zahlreichen Diplomgeografen in ihrer Veranstaltung, für die Politik neuerdings verpflichtend ist. Rauswerfen möchte man sie allerdings nicht. Man schüttelt eher den Kopf über die Vergabepraxis der Hörsäle: Schließlich läuft die Vergabe einige Monate, bevor überhaupt feststeht, wie viele neue Studierende ein Fachbereich aufzunehmen hat.
Früher hätten sich die Probleme in einigen Fächern von selbst gelöst. Nach ein paar Wochen hätten sich viele Studierende Alternativen gesucht und wären nicht mehr bei den überfüllten Veranstaltungen erschienen. Doch vor diese Lösung schiebt die Anwesenheitspflicht in den gestuften Studiengängen einen Riegel. Das Eintragen in die Anwesenheitsliste dauert (wie bei der politikwissenschaftlichen Übung) nicht nur über 15 Minuten, es bindet die Studierenden zudem an die Veranstaltung: Wer häufiger als zweimal fehlt, kann keine Kreditpunkte sammeln.
Rainer Bovermann wünscht sich von allen Beteiligten mehr Flexibilität. Einige Dozenten zeigen sie, indem sie ihre Kurse doppelt anbieten. Flexibilität stünde auch den Dozenten gut zu Gesicht, die ihren zu großen Hörsaal gegen einen kleineren tauschen könnten. Auf ihre Unterstützung ist auch Richard Möhlendick angewiesen. Von den Studierenden kann man nur bedingt Flexibilität erwarten: Bei den vielen Vorgaben der Bachelor-/Master-Studiengänge haben sie kaum Alternativen.

Viele Erstsemester
Rund 5.200 neue Studierende haben sich zum WS 02/03 an der RUB immatrikuliert, im WS 01/02 waren es 4.900. Während einige Bereiche aus verschiedenen Gründen (z. B. Einführung eines NC) Rückgänge zu verzeichnen haben (u. a. Pädagogik, Bauingenieurwesen, Biologie), haben sich in anderen Fächern die Zahlen extrem erhöht. So stieg die Zahl der Erstsemester in den Sozialwissenschaften um 68 % auf 645, bei den Germanisten - aufgrund der Aufhebung des NC - um 206 % auf 254, bei den Historikern um 38 % auf 174 und bei den Geografen um 42 % auf 156. In diesen und einigen anderen Fachbereichen gab es zu Beginn des Semesters überfüllte Seminare und Vorlesungen, namentlich bei Einführungsveranstaltungen oder bei Kursen, die sowohl in einem Fachbereich als auch im Optionalbereich angeboten und deshalb zusätzlich von "fachfremden" Studierenden besucht werden.


Über das Problem überfüllter Veranstaltungen und die Rolle des Optionalbereiches sprach Arne Dessaul mit Prof. Manfred Tietz, dem Studiendekan des Optionalbereichs.

RUBENS: Herr Prof. Tietz, im laufenden Semester platzen insbesondere die Anfängerkurse in Fremdsprachen aus allen Nähten. Das liegt offenbar zu einem großen Teil an den Studierenden des Optionalbereichs, die Credit Points im Gebiet Fremdsprachen erwerben wollen. Können Sie uns den Zusammenhang kurz erläutern?
Prof. Tietz: Um von vornherein Missverständnisse zu vermeiden: Die Studierenden des Optionalbereichs sind keine zusätzliche Gruppe, sondern Studierende fast aller Fächer der RUB, die durch den Optionalbereich die Möglichkeit haben, neben dem Fachstudium weitere Qualifikationen zu erwerben. Die Interessen und Wünsche der Studierenden hinsichtlich des Modulangebots werden in der Beratung erfragt. Studierende des 2-Fach-Bachelor-Studiums z.B. müssen aus den fünf Gebieten des Optionalbereichs (1: Fremdsprachen; 2: Präsentation, Kommunikation und Argumentation; 3: Informationstechnologien/EDV; 4: Interdisziplinäre Studieneinheiten und/oder Studieneinheiten anderer Fächer; 5: Praktikum) mindestens drei besucht haben.
Während der Optionalbereich die Gebiete 2, 3 und 5 fast ausschließlich allein bestreitet, die Dozent/innen einwirbt und die Angebote finanziert, stellen im Gebiet 1 und 4 die Fakultäten, die Fächer bzw. die Dozent/innen der RUB ihr reguläres Angebot zur Verfügung. Es ist dann ausgewiesen im Veranstaltungsverzeichnis des Optionalbereichs und über unsere Homepage www.optionalbereich.de. So war im letzten Jahr erstmals eine Übersicht fast des gesamten Fremdsprachenangebots dokumentiert - das hat zweifelsohne zur intensiveren Nutzung der Kurse beigetragen. Die derzeitige Überfüllung zahlloser Kurse ist aber auch auf die unerwartet hohe Zahl der Neuimmatrikulationen zurückzuführen. Allein für das 2-Fach-Bachelor-Studium sind ca. 2.000 neue Studierende immatrikuliert. Der Optionalbereich hat bereits sehr früh darauf reagiert: Wir haben zusätzlich zwei Italienisch-Module, drei Spanisch-Module, ein Informationstechnologie-Modul, zwei Journalistik-Module sowie ein Marketing-Modul eingerichtet, so dass nochmals über 200 neue Plätze für Studierende geschaffen wurden.

RUBENS: Viele Studierende wird es interessieren, ob diese Kurse auch in den nächsten Semestern überfüllt sein werden oder ob es bereits Pläne gibt, die Situation zu entspannen?
Prof. Tietz: Der Optionalbereich hat einen Gemeinsamen Ausschuss, der sich aus Vertreter/innen der beteiligten Fakultäten zusammensetzt. Der Ausschuss wurde frühzeitig über die angespannte Situation informiert und hat sich ausdrücklich für die Erweiterung des Angebots ausgesprochen. Diese kann jedoch nur mit finanzieller Unterstützung der Universitätsverwaltung erfolgen, die - ebenso wie die Fächer - die erhöhte Nachfrage u.a. der Fremdsprachenkurse letztlich nur positiv werten kann, zeigt sie doch, dass das Reformkonzept der RUB aufgeht. Die Studierenden nehmen die Möglichkeit zur Weiterqualifikation sehr ernst und dürfen nun selbstverständlich nicht bereits im ersten Semester durch überfüllte Kurse abgeschreckt werden.
Der Optionalbereich, der sich als Organisationsplattform und ausdrücklich als Dienstleistungsbereich versteht, bietet deshalb seine Unterstützung hinsichtlich der Organisation und Information der erforderlichen Angebote an. Ich möchte deshalb nochmals betonen, dass ich als Studiendekan und selbstverständlich auch mein Team allen Interessierten für Gespräche, Anregungen und Diskussionen zur Verfügung stehen. Eine Studienreform in dieser Größenordnung kann nur gemeinsam erfolgreich umgesetzt werden.


ad
pfeil  voriger Artikel Themenübersicht nächster Artikel   pfeil
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Druckfassung dieser Seite
Letzte Änderung: 01.12.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik