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RUBENS 75 1. Dezember 2002


Streifzüge durchs Labor

Schülerinnenprojekt 2002 in der Chemie


50 Schülerinnen aus ganz Nordrhein-Westfalen nahmen am zweiten Schülerinnenprojekt der Fakultät für Chemie teil. Sie kamen in ihren Herbstferien freiwillig in die Laboratorien und schnupperten eine Woche lang in das Alltagsleben von Studentinnen (Vorlesungen/Praktika/Seminare). Jeweils von 8-16 Uhr experimentierten die Schülerinnen unter fachlicher Anleitung an den Lehrstühlen der Fakultät. Prof. Roland A. Fischer, Prorektor für Lehre, begrüßte die Schülerinnen und gab ihnen Tipps zum Studium. Das Praktikum war in den ersten vier Tagen hauptsächlich praktisch ausgerichtet. Mit kurzen theoretischen Einschüben wurde der nötige Background zur Sicherheit im Labor und zu den Experimenten vermittelt. Im Labor unternahmen die Schülerinnen beispielsweise einen Ausflug in den Nanokosmos und betrachteten Bilder einzelner Moleküle. Sie arbeiteten an einem einfachen Spektralphotometer, beschäftigten sich mit Biomineralisation (Biomaterialien als Knochenersatz). Sie bestimmten mit Biosensoren den Zucker in Getränken oder Botenstoffe in Nervenzellen. Sie lernten die Chemie der Aminosäuren kennen, stellten Katalysatoren her, betrachten das Kristallwachstum unter dem Mikroskop oder suchten Literatur im Internet. Viele Stunden lang drehte sich alles um Organische Verbindungen: synthetisieren, destillieren, chromatographieren und identifizieren. Es folgte ein Streifzug durch die unbelebte Materie - von der Kunst des Goldmachens bis zu blinkenden Flüssigkeiten. Schließlich besuchten die Schülerinnen eine Experimentalvorlesung und nahmen an einer Studienberatung teil. Die Woche endete am Freitagnachmittag mit einem Seminar über Studium, Beruf, Karriere und Familie, an dem Studentinnen, Professorinnen und Chemikerinnen aus Industrie und Hochschule teilnahmen.
Das Praktikum wurde wie im letzten Jahr von Hermann Ricken organisiert und durch die Frauenförderung der RUB finanziell unterstützt. Die Schülerinnenprojektwoche wurde per Fragebogen analysiert und per Foto und Film dokumentiert. Wie üblich gab es für jede Teilnehmerin eine Bescheinigung, später auch noch eine CD mit der Dokumentation. Die Schülerinnen konnten ihre Meinungen, einzeln oder in der Gruppe, für eine Internetpräsentation der Projektwoche abgeben. Sie bewerteten das Gesamtpraktikum auf einer Skala von 1 bis 5 mit der Durchschnittsnote 1,5. Auf der gleichen Skala würden die Schülerinnen das Praktikum mit der Note 1,32 weiterempfehlen.

DANKESCHÖN!
Hallo, wir sind Schülerinnen der 11. Klasse aus verschiedenen Städten NRWs. Auf das Chemiepraktikum wurden wir aufmerksam durch unsere Schulen und Chemielehrer. Nachdem wir eine Bestätigung auf unsere Bewerbung bekommen hatten, trafen sich alle 50 Schülerinnen in einem fast gut beschriebenen Hörsaal, wo wir begrüßt und in Zehnergruppen aufgeteilt wurden. Danach ging es direkt in die heiligen Hallen der Biochemie, wo wir uns eifrig mit dem Strickleiternervensystem des Blutegels befassten. Die Egel hießen "Kotz" und "Würg" und mussten leider zu unserem Zwecke und Bedauern ihr Leben lassen.
Noch in tiefer Trauer um unsere armen kleinen Freunde ("Kotz" und "Würg") begannen wir den neuen Tag in den geräumigen Sälen der Technischen Chemie, wo wir voller Begeisterung Katalysatoren herstellten und Kristalle wachsen ließen. Nach dem praxisorientierten Vormittag folgte ein eher theoretischer Teil über den Nanokosmos in der Physikalischen Chemie. Am Mittwoch machten wir einen farbenfrohen, trockenen, eisgekühlten, kindertagerinnungsweckenden Ausflug in die schöne Welt der anorganischen Chemie. Am Donnerstag starteten wir sehr früh unser Programm in der Organischen Chemie, was uns durch das anspruchsvolle Projekt, Amylacetat herzustellen, neu motivierte. Für einen Moment vergaßen wir sogar das frühe Ableben unserer kleinen Kollegen ("Kotz" und "Würg"). Belohnt wurden wir durch Herrn Ricken (sehr engagiert und nett, erkennbar am Fotoapparat) mit roten Luftballons, die uns abheben ließen - es könnte allerdings auch der Ether gewesen sein. Wir landeten hart auf dem Boden der Tatsachen, als man uns die geliebten Kittel und stylistischen Brillen entriss. Traurig begannen wir unseren letzten Tag unseres viel zu kurzen, spannenden, informativen und prägenden Praktikums mit einer Vorlesung über allgemeine Chemie für Erstsemester. Anschließend wurden wir gründlich über Chemiestudienangebote an der RUB informiert.
Nach dem Austeilen unserer Urkunden mussten wir uns leider von unserer fürsorglichen und wundervollen Betreuerin Anja verabschieden. Unsere Trauer darüber war sehr viel größer als über das Dahinscheiden von "Kotz" und "Würg": Danke Anja, wir hoffen, du vergisst uns nie und unterrichtest irgendwann unsere Kinder!! EIN GROSSES DANKESCHÖN AN DIE RUB UND HERRN RICKEN!
Caroline, Caroline, Sonja, Jennifer, Hanna, Ramona, Sonja, Miriam, Lisa, Maren (Gruppe C der Projektwoche)

Hermann Ricken
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Letzte Änderung: 01.12.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik