Streifzüge durchs Labor
Schülerinnenprojekt
2002 in der Chemie
50 Schülerinnen aus ganz Nordrhein-Westfalen nahmen
am zweiten Schülerinnenprojekt der Fakultät
für Chemie teil. Sie kamen in ihren Herbstferien
freiwillig in die Laboratorien und schnupperten eine
Woche lang in das Alltagsleben von Studentinnen (Vorlesungen/Praktika/Seminare).
Jeweils von 8-16 Uhr experimentierten die Schülerinnen
unter fachlicher Anleitung an den Lehrstühlen der
Fakultät. Prof. Roland A. Fischer, Prorektor für
Lehre, begrüßte die Schülerinnen und
gab ihnen Tipps zum Studium. Das Praktikum war in den
ersten vier Tagen hauptsächlich praktisch ausgerichtet.
Mit kurzen theoretischen Einschüben wurde der nötige
Background zur Sicherheit im Labor und zu den Experimenten
vermittelt. Im Labor unternahmen die Schülerinnen
beispielsweise einen Ausflug in den Nanokosmos und betrachteten
Bilder einzelner Moleküle. Sie arbeiteten an einem
einfachen Spektralphotometer, beschäftigten sich
mit Biomineralisation (Biomaterialien als Knochenersatz).
Sie bestimmten mit Biosensoren den Zucker in Getränken
oder Botenstoffe in Nervenzellen. Sie lernten die Chemie
der Aminosäuren kennen, stellten Katalysatoren
her, betrachten das Kristallwachstum unter dem Mikroskop
oder suchten Literatur im Internet. Viele Stunden lang
drehte sich alles um Organische Verbindungen: synthetisieren,
destillieren, chromatographieren und identifizieren.
Es folgte ein Streifzug durch die unbelebte Materie
- von der Kunst des Goldmachens bis zu blinkenden Flüssigkeiten.
Schließlich besuchten die Schülerinnen eine
Experimentalvorlesung und nahmen an einer Studienberatung
teil. Die Woche endete am Freitagnachmittag mit einem
Seminar über Studium, Beruf, Karriere und Familie,
an dem Studentinnen, Professorinnen und Chemikerinnen
aus Industrie und Hochschule teilnahmen.
Das Praktikum wurde wie im letzten Jahr von Hermann
Ricken organisiert und durch die Frauenförderung
der RUB finanziell unterstützt. Die Schülerinnenprojektwoche
wurde per Fragebogen analysiert und per Foto und Film
dokumentiert. Wie üblich gab es für jede Teilnehmerin
eine Bescheinigung, später auch noch eine CD mit
der Dokumentation. Die Schülerinnen konnten ihre
Meinungen, einzeln oder in der Gruppe, für eine
Internetpräsentation der Projektwoche abgeben.
Sie bewerteten das Gesamtpraktikum auf einer Skala von
1 bis 5 mit der Durchschnittsnote 1,5. Auf der gleichen
Skala würden die Schülerinnen das Praktikum
mit der Note 1,32 weiterempfehlen.
DANKESCHÖN!
Hallo, wir sind Schülerinnen der 11. Klasse aus
verschiedenen Städten NRWs. Auf das Chemiepraktikum
wurden wir aufmerksam durch unsere Schulen und Chemielehrer.
Nachdem wir eine Bestätigung auf unsere Bewerbung
bekommen hatten, trafen sich alle 50 Schülerinnen
in einem fast gut beschriebenen Hörsaal, wo
wir begrüßt und in Zehnergruppen aufgeteilt
wurden. Danach ging es direkt in die heiligen Hallen
der Biochemie, wo wir uns eifrig mit dem Strickleiternervensystem
des Blutegels befassten. Die Egel hießen "Kotz"
und "Würg" und mussten leider zu unserem
Zwecke und Bedauern ihr Leben lassen.
Noch in tiefer Trauer um unsere armen kleinen Freunde
("Kotz" und "Würg") begannen
wir den neuen Tag in den geräumigen Sälen
der Technischen Chemie, wo wir voller Begeisterung Katalysatoren
herstellten und Kristalle wachsen ließen. Nach
dem praxisorientierten Vormittag folgte ein eher theoretischer
Teil über den Nanokosmos in der Physikalischen
Chemie. Am Mittwoch machten wir einen farbenfrohen,
trockenen, eisgekühlten, kindertagerinnungsweckenden
Ausflug in die schöne Welt der anorganischen Chemie.
Am Donnerstag starteten wir sehr früh unser Programm
in der Organischen Chemie, was uns durch das anspruchsvolle
Projekt, Amylacetat herzustellen, neu motivierte. Für
einen Moment vergaßen wir sogar das frühe
Ableben unserer kleinen Kollegen ("Kotz" und
"Würg"). Belohnt wurden wir durch Herrn
Ricken (sehr engagiert und nett, erkennbar am Fotoapparat)
mit roten Luftballons, die uns abheben ließen
- es könnte allerdings auch der Ether gewesen sein.
Wir landeten hart auf dem Boden der Tatsachen, als man
uns die geliebten Kittel und stylistischen Brillen entriss.
Traurig begannen wir unseren letzten Tag unseres viel
zu kurzen, spannenden, informativen und prägenden
Praktikums mit einer Vorlesung über allgemeine
Chemie für Erstsemester. Anschließend wurden
wir gründlich über Chemiestudienangebote an
der RUB informiert.
Nach dem Austeilen unserer Urkunden mussten wir uns
leider von unserer fürsorglichen und wundervollen
Betreuerin Anja verabschieden. Unsere Trauer darüber
war sehr viel größer als über das Dahinscheiden
von "Kotz" und "Würg": Danke
Anja, wir hoffen, du vergisst uns nie und unterrichtest
irgendwann unsere Kinder!! EIN GROSSES DANKESCHÖN
AN DIE RUB UND HERRN RICKEN!
Caroline, Caroline, Sonja, Jennifer, Hanna, Ramona,
Sonja, Miriam, Lisa, Maren (Gruppe C der Projektwoche)
Hermann
Ricken
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