Zucht und Lieder
BUCHVERLOSUNG:
Deutsche Kolonialpädagogik
Neben Deutsch und Mathematik stand auf dem Stundenplan,
"dem deutschen Kaiser Treue und Gehorsam, Liebe und
Erfurcht zu erweisen". Die Schul- und Bildungsarbeit
in den ehemaligen deutschen Kolonien war sehr facettenreich
und gehörte bislang zu den wenig erschlossenen Gebieten
der Erziehungswissenschaft. Prof. Christel Adick (Vergleichende
Erziehungswissenschaft der RUB) und Prof. Wolfgang Mehnert
(Uni Leipzig) lassen sie nun durch eine Zusammenschau
von Schul- und Ausbildungsordnungen, Lehrplänen,
Berichten aus dem Schulalltag und Korrespondenzen wieder
aufleben. Die kommentierte Quellensammlung "Deutsche
Missions- und Kolonialpädagogik in Dokumenten"
ist die erste und bislang einzige ihrer Art.
Nach langjährigen Recherchen in evangelischen, katholischen
und regierungsamtlichen Archiven haben Adick und Mehnert
157 Dokumente zur Bildungspolitik in den deutschen Kolonien
Togo, Kamerun, Ostafrika und Südwestafrika ausgewählt.
Zunächst veranschaulichen die Verfasser die Struktur
und Praxis des Bildungswesens innerhalb der Kolonialgebiete.
Insgesamt arbeiteten mehr als 20 deutsche, englische und
amerikanische Missionsgesellschaften und -orden in den
deutschen "Schutzgebieten". Ihnen ging es vorrangig
darum, "die Eingeborenen" zu "guten Christen"
zu erziehen. Nach der Jahrhundertwende erhöhten jedoch
die Kolonialbehörden ihren Einfluss auf das Missionsschulwesen,
um afrikanische Schulkinder zu leidlich vorgebildeten
Hilfskräften für untere Beamten, als Handwerker
für die Regierungsbezirke oder als Aufseher heranzubilden.
Gefährliche Bildung
Ein Zuviel an Bildung sahen hingegen sowohl Missions-
als auch Regierungsschulen als zu gefährlich an.
Im Gegenteil, neben den Kulturtechniken Lesen, Schreiben,
Rechnen beschränkte sich die Bildung der Schüler
darauf, diese zu "fügsamen Untertanen"
zu erziehen, damit sie nicht "verkommen, sobald
sie nicht in ganz strenger Zucht gehalten werden".
Schüler mussten lernen, dass ihr Land das "deutsche
Schutzgebiet Togo" ist, dass "alle Eingeborenen
... die 'Untertanen' des deutschen Kaisers" sind,
oder dass sie Streitigkeiten "vertrauensvoll vor
den Leiter ihres Bezirks bringen und diesem den Sachverhalt
wahrheitsgemäß erzählen" müssen.
So nachzulesen in einer Anweisung des Gouverneurs von
Togo über die "Pflichten der Eingeborenen
gegenüber der Regierung" (1907). Schüleraufsätze,
Stundenpläne oder der Erlass des Gouvernements
von Togo über das Vortragen "patriotischer
Lieder" sind weitere Bespiele für die vom
Autorenteam zusammengetragenen anschaulichen Zeugnisse.
Weiterhin widmen sich Christel Adick und Wolfgang Mehnert
speziellen Fragestellungen der Kolonialpädagogik
wie der Sprachenfrage. Gemäß einer Verordnung
des Gouvernement von Togo aus dem Jahre 1905 war "in
allen Schulen des Schutzgebietes ... als Gegenstand
des Sprachunterrichts außer der Landessprache
keine andere lebende Sprache zugelassen als die deutsche".
Noch heute ist in vielen afrikanischen Ländern
nicht endgültig entschieden, ob die Verwendung
der Sprache der ehemaligen Kolonialmacht als Amtssprache
und als Unterrichtssprache gänzlich abzuschaffen
sei.
Christel Adick und Wolfgang Mehnert; unter Mitarbeit
von Thea Christiani: Deutsche Missions- und Kolonialpädagogik
in Dokumenten. Eine kommentierte Quellensammlung aus
den Afrikabeständen deutschsprachiger Archive 1884-1914.
(Reihe: Historisch-vergleichende Sozialisations- und
Bildungsforschung Band 2). IKO-Verlag für interkulturelle
Kommunikation; Frankfurt/M., London 2001, 485 S., 39
Euro
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der RUB, UV 3/366, 44780 Bochum. Stichwort ist die Antwort
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Alexandra
Heyer
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