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RUBENS 75 1. Dezember 2002

Zucht und Lieder

BUCHVERLOSUNG: Deutsche Kolonialpädagogik


Neben Deutsch und Mathematik stand auf dem Stundenplan, "dem deutschen Kaiser Treue und Gehorsam, Liebe und Erfurcht zu erweisen". Die Schul- und Bildungsarbeit in den ehemaligen deutschen Kolonien war sehr facettenreich und gehörte bislang zu den wenig erschlossenen Gebieten der Erziehungswissenschaft. Prof. Christel Adick (Vergleichende Erziehungswissenschaft der RUB) und Prof. Wolfgang Mehnert (Uni Leipzig) lassen sie nun durch eine Zusammenschau von Schul- und Ausbildungsordnungen, Lehrplänen, Berichten aus dem Schulalltag und Korrespondenzen wieder aufleben. Die kommentierte Quellensammlung "Deutsche Missions- und Kolonialpädagogik in Dokumenten" ist die erste und bislang einzige ihrer Art.
Nach langjährigen Recherchen in evangelischen, katholischen und regierungsamtlichen Archiven haben Adick und Mehnert 157 Dokumente zur Bildungspolitik in den deutschen Kolonien Togo, Kamerun, Ostafrika und Südwestafrika ausgewählt. Zunächst veranschaulichen die Verfasser die Struktur und Praxis des Bildungswesens innerhalb der Kolonialgebiete. Insgesamt arbeiteten mehr als 20 deutsche, englische und amerikanische Missionsgesellschaften und -orden in den deutschen "Schutzgebieten". Ihnen ging es vorrangig darum, "die Eingeborenen" zu "guten Christen" zu erziehen. Nach der Jahrhundertwende erhöhten jedoch die Kolonialbehörden ihren Einfluss auf das Missionsschulwesen, um afrikanische Schulkinder zu leidlich vorgebildeten Hilfskräften für untere Beamten, als Handwerker für die Regierungsbezirke oder als Aufseher heranzubilden.

Gefährliche Bildung

Ein Zuviel an Bildung sahen hingegen sowohl Missions- als auch Regierungsschulen als zu gefährlich an. Im Gegenteil, neben den Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Rechnen beschränkte sich die Bildung der Schüler darauf, diese zu "fügsamen Untertanen" zu erziehen, damit sie nicht "verkommen, sobald sie nicht in ganz strenger Zucht gehalten werden". Schüler mussten lernen, dass ihr Land das "deutsche Schutzgebiet Togo" ist, dass "alle Eingeborenen ... die 'Untertanen' des deutschen Kaisers" sind, oder dass sie Streitigkeiten "vertrauensvoll vor den Leiter ihres Bezirks bringen und diesem den Sachverhalt wahrheitsgemäß erzählen" müssen. So nachzulesen in einer Anweisung des Gouverneurs von Togo über die "Pflichten der Eingeborenen gegenüber der Regierung" (1907). Schüleraufsätze, Stundenpläne oder der Erlass des Gouvernements von Togo über das Vortragen "patriotischer Lieder" sind weitere Bespiele für die vom Autorenteam zusammengetragenen anschaulichen Zeugnisse.
Weiterhin widmen sich Christel Adick und Wolfgang Mehnert speziellen Fragestellungen der Kolonialpädagogik wie der Sprachenfrage. Gemäß einer Verordnung des Gouvernement von Togo aus dem Jahre 1905 war "in allen Schulen des Schutzgebietes ... als Gegenstand des Sprachunterrichts außer der Landessprache keine andere lebende Sprache zugelassen als die deutsche". Noch heute ist in vielen afrikanischen Ländern nicht endgültig entschieden, ob die Verwendung der Sprache der ehemaligen Kolonialmacht als Amtssprache und als Unterrichtssprache gänzlich abzuschaffen sei.


Christel Adick und Wolfgang Mehnert; unter Mitarbeit von Thea Christiani: Deutsche Missions- und Kolonialpädagogik in Dokumenten. Eine kommentierte Quellensammlung aus den Afrikabeständen deutschsprachiger Archive 1884-1914. (Reihe: Historisch-vergleichende Sozialisations- und Bildungsforschung Band 2). IKO-Verlag für interkulturelle Kommunikation; Frankfurt/M., London 2001, 485 S., 39 Euro

Wir verlosen das Buch unter allen, die uns bis zum 31.12.02 eine Postkarte schicken: RUBENS, Pressestelle der RUB, UV 3/366, 44780 Bochum. Stichwort ist die Antwort auf die Frage "Welches Buch liest Prof. Wagner zurzeit ?"

Alexandra Heyer
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Letzte Änderung: 01.12.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik