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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 75 |
1.
Dezember 2002 |
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RUB-Hymne
Editorial
Identifikationsangebote
haben ihre eigene Bewandtnis: Ihr Erfolg hängt vom
richtigen Ton und von ihrer Wahrhaftigkeit ab - besonders
für Hymnen, die ja das Herz Vieler erobern sollen.
Als Hoffmann von Fallersleben 1842 sein "Lied der
Deutschen" verfasste, lebte das von ihm so "angehymnete"
Volk zersplittert und beherrscht in kleinsten Fürsten-,
Herzog- und Königtümern. Gegen die Unterdrückung
im "Vormärz" dichtete er mit fast chauvinistischer
Vaterlandsliebe von einer unbestimmten Freiheitsbegeisterung.
Sie scheiterte in der 1848er Revolution. Erst 1922 krönte
die allseits ungeliebte Weimarer Republik sein Lied zur
Deutschen Nationalhymne. Wie das dann zwölf Jahre
währende Tausendjährige Reich die Zeilen "Deutschland,
Deutschland über alles ..." missverstand, ist
vieler Orten sehr schmerzhaft erfahren worden. Restauration
war angesagt als 1949 das Lied zur Hymne der jungen Bundesrepublik
wurde - allerdings nur mit der dritten Strophe ("Einigkeit,
Recht und Freiheit"), gesungen nach Haydns gemächlicher
Musik. Doch der restaurative Zug dieser Zeit klingt mit
und deshalb tun sich viele Deutsche noch immer schwer,
Hoffmann von Fallerslebens Lied zu singen. Ihm fehlt die
aus dem Volk strömende echte Begeisterung einer "Marseillaise",
die britische Tradition zum "God Save the Queen"
oder der ungebrochene Patriotismus von "Star Spangled
Banner".
"Bochum, Bochum, o fagorum / domus viridis, nigrorum
/ gravida post metallorum / et flagrantium furnorum /
... // Salve, salva semper crescens / alma mater adulescens
..." Lateinkenntnisse brauchte man bei der Wiederholung
des Semesterkonzerts am 6. November im Audimax. Verdutzt
schauten viele auf den verteilten Programmtext, nur wenige
wagten mitzusingen, als der "Hymnus in Almam Matrem
Bochumensem" (Hymne auf die Ruhr-Universität
Bochum) intoniert wurde. Zum unverstandenen Text passte
der gefällige Ton: Piano. Da bebte kein Auditorium
maximum! Warum auch? Weder mit dem heutigen Leben,
noch mit der Wirklichkeit der RUB hat der Text des Münchener
Latinisten Wilfried Stroh etwas zu tun. Er kommt mit
konservativem und falschem Zungenschlag daher, wenn er
von der "Süßigkeit der Papyrologie"
oder von "der gottesfürchtigen Methode Epimetheus'"
spricht. Mag Hans Jaskulskys Musik ohne Höhen und
Tiefen noch zum Text passen, zum Heute passt sie nicht.
Hoffen wir daher, dass dieser RUB-Hymne eine lange und
schmerzhafte Geschichte erspart bleibt.
Wenn schon eine RUB-Hymne, warum dann nicht so was wie
Grönemeyers Bochum-Lied? Wahrhaftiger trifft er den
richtigen Ton: "Bist keine Schönheit, / von
Arbeit ganz grau! / Liebst dich ohne Schminke; bist ne
ehrliche Haut; leider total verbaut, aber gerade das macht
dich aus!" ... "Bochum, ich komm' aus Dir"
...
PS. Etwas passt: Wer den Text der RUB-Hymne lesen will,
muss sich bis nach München durchklicken: http://www.klassphil.uni-muenchen.de/~stroh/hymnus_b.htm
jk
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