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RUBENS 74 1. November 2002

Wir wollen Sie loswerden!

Grenzenlos: Auslandsmesse im Audimax

Was ist das denn bitteschön für eine Uni, die sich an die Fahne schreibt "Wir wollen Sie loswerden" - und explizit ihre Kunden, also die Studierenden, weghaben will? Ganz ehrlich: Das ist eine sehr fürsorgliche und zudem äußerst moderne Uni. Sie schickt ihre Studierenden zu deren eigenem Wohl fort - und nimmt sie nach der Reise mit offenen Armen wieder im Empfang.
Und warum das alles? Ob Bildungspolitiker, Wirtschaftsvertreter, Freunde oder Bekannte: Alle reden heute von der Internationalisierung und Globalisierung und davon, dass nichts mehr geht ohne Praxiserfahrung im Ausland und ohne das vertragssichere Beherrschen mindestens einer europäischen Fremdsprache.
Wer diese hohen Anforderungen erfüllen will, muss eine Zeitlang im Ausland leben, am besten während des Studiums. Deshalb zeigt die RUB ihren Studierenden und Dozenten sowie interessierten Schülern am 21. November, wie sie am besten von hier wegkommen. Unter dem Motto "Grenzenlos" steigt im Audimax eine Auslandsmesse, bei der sich alles nur um eines dreht: "Studieren und Arbeiten im Ausland".
An rund 30 Ständen informieren Aussteller aus aller Welt (Partneruniversitäten der RUB, Ministerien, Fördereinrichtungen etc.) einen Tag lang über Studienmöglichkeiten, Praktika und Stipendien im Ausland. Weitere spannende Infos zum Auslandsaufenthalt liefern Vorträge und Diskussionen.
Es gibt aber nicht nur allerhand zu hören, sondern auch einiges zu sehen und zu schmecken. Beinahe den ganzen Tag (und vor allem am Abend) laufen tänzerische und musikalische Darbietungen im Audimax; Kulinarisches wird ebenfalls serviert: im Audimax sowie eine ganze Woche lang in der Mensa von den Köchen der Partneruniversität der RUB in Shanghai. ad

Grenzenlos - Studieren und Arbeiten im Ausland, 21. November 2002. Das Programm
10- 18 h, ca. 30 Informationsstände im Audimax Foyer
11 h, offizielle Begrüßung und Eröffnung durch den Rektor der RUB, Foyer Audimax
11.30-16 h, Rahmenprogramm, Kurzvorträge, Musikbegleitung, Chatroom und Internet-Café mit Apple
16-17.30 h, Diskussionsforum (Panel) im Audimax Saal mit Dr. Sabine Rollberg (arte Redaktion WDR), Prof. Jeff Peck (York University, Toronto), Thomas Nehls (ARD-Studio, New York), Jurij Rescheto (Deutsche Welle Berlin und WDR Köln); das Thema lautet: "Virtuell oder real? Auslandsaufenthalt im 21. Jahrhundert (Reicht der Blick ins Internet? Oder geht doch nichts über Koffer packen und los?)"
18 h, Ende der Veranstaltung, anschließend Abendprogramm

Kurzvorträge
Finnland-Institut: "Wege in den hohen Norden - Studium und Praktikum in Finnland"
Französische Botschaft: "Deutsch-Französische Austauschprogramme"
Institut Ranke-Heinemann: "Praktika in Australien"
PAD. "Fremdsprachenassistent im Ausland"
The British Council. "Studieren in Großbritannien"
ZAV: "Jobs und Praktika im Ausland"
Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V.: "Entwicklungs- und Friedensdienst als berufliche Perspektive" (inkl. Film)
Auswärtiges Amt: "Ihr Arbeitsplatz: Die ganze Welt - Das Auswärtige Amt stellt sich vor"
Verena Schmidt, B.A. M.Sc.: "Ein Praktikum in der Europäischen Kommission: Wie kommt man da dran? Wie läuft es ab? Was bringt es?"
Hinzu kommen Vorträge von der Fulbright-Kommission, vom DAAD und von der Aral AG Frau Gomez


Die Aussteller
Arbeitsamt Bochum; Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V. (AGEH), Köln; Auswärtiges Amt, Bonn; Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, Bonn; Bundesverwaltungsamt, Köln; Carl Duisberg Gesellschaft, Köln; Council on International Educational Exchange e.V. CIEE, Berlin; DAAD, Bonn; Deutscher Entwicklungsdienst DED, Bonn; ESN, AIESEC, IAESTE, Elsa (Studierendenorganisationen), Bochum; Finnland-Institut, Berlin; Französische Botschaft, Bonn; Fulbright-Kommission, Berlin; Hobsons (Verlag), Konstanz; Institut Francais, Düsseldorf; Institut Ranke-Heinemann Education Australia, Essen; Landesspracheninstitut NRW, Bochum; Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten NRW; Pädagogischer Austauschdienst PAD, Bonn; The British Council, Berlin; ZAV, Bonn; Uni Tours; Tongji Universität Shanghai; Uni Oviedo; Uni Istanbul; Universität Krakau; Utrechter Netzwerk; Institut für Deutschlandforschung & CUBUS; Sokrates-Beauftrate der RUB und Akademisches Auslandsamt; Zentrale Studienberatung und KoBra.

Salsa-Party
Zum Abschluss von Grenzenlos wird die Nacht des 21. November komplett kubanisch: mit Salsa-Party und Kino im Audimax. Ab 18 h wird der Film "Buena Vista Social Club" gezeigt. Anschließend veranstaltet boSKop im Foyer eine große Salsa-Party: Ab 19.30 h gibt es ein kurzes Warm-up im Salsa-Tanz mit einem kubanischen Salsatänzer. Ab 20 h wird die Band "Seis del Son" live das Flair der Karibik auf die Bühne und das Foyer zum Kochen bringen. Das deutsch-kubanische Sextett spielt klassischen Son, Mambo, Merengue, Cha Cha Cha, Boleros und Latin Jazz. Damit die Kuba-Nacht ganz stilecht zelebriert werden kann, gibt es Cocktails und Zigarren. Miriam Morek


Serie: Unsere Partneruniversitäten - Tours: Am Ufer der Loire
Als am 5. Mai 1967 der damalige Rektor der RUB, Prof. Heinrich Greeven, mit seinem Amtskollegen der Universität Orléans-Tours, Prof. Gérald Antoine, einen Partnerschaftsvertrag schloss, war die Entwicklung, die die Zusammenarbeit nehmen würde, noch nicht absehbar. Man sprach sich dafür aus, "nach Kräften alle Möglichkeiten der Begegnung und des Austausches in Lehre und Forschung zu bieten" sowie einen Beitrag "zur Festigung freundschaftlicher Bande zwischen ihren Völkern" zu leisten.
Das französische Unterrichtministerium entließ 1969 die Universität François Rabelais Tours aus dem Hochschulverbund mit Orléans, so dass sich die Einrichtung selbständig erweitern konnte und heute - 220 km südlich von Paris gelegen - einen beachtlichen studentischen Einzugsbereich aufweist. Zurzeit sind 22.000 Studierende eingeschrieben in den großen Fakultäten Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Naturwissenschaften, Medizin, Pharmazie, Raumplanung und Umwelttechnik, Ingenieurwissenschaften, Geisteswissenschaften sowie dem Zentrum für Renaissancestudien.
Die "junge" Universität François Rabelais konnte mit der Neugründung 1967 und der zwei Jahre später erlangten Selbständigkeit an eine lange Tradition der Lehre und Forschung anknüpfen. Gatien, Bischof der Stadt Caesarodunum (später Tours), gründete im frühen Mittelalter eine medizinische Fakultät, die zur Zeit Karls des Großen durch eine Ecole Rhétorique, Vorläufer einer Geisteswissenschaftlichen und Philosophischen Fakultät, ergänzt wurde. In der Renaissance galt Tours mitsamt der Touraine als eines der bedeutendsten geistigen Zentren in Frankreich. Rabelais, Ronsard, Michel Colombe, Leonardo da Vinci sind Kinder der Touraine oder wählten sie zu ihrem Lebensmittelpunkt, wie auch später de Descartes, de Vigny, Balzac oder Anatole France.
Wie bereits erwähnt, verfolgt der Partnerschaftsvertrag hehre Ziele. Doch welche Kräfte haben schließlich gewirkt, um neben impliziten Zielen der Völkerverständigung den Austausch zwischen beiden Universitäten zu ermöglichen? Ohne Einschränkung ist festzustellen, dass die Kooperation mit Tours beispielhaften Charakter für die deutsch-französische Zusammenarbeit in diesem Bereich hat. Ein Vertrag zur Doppeldiplomierung von neuphilologischen Fächern wurde bereits von vier Jahren abgeschlossen. Eine fachliche Erweiterung auf Grundlage dieses Vertrags, der nun auch die gestuften Studiengänge in die Äquivalenzregelungen einschließt und damit eine Erweiterung darstellt, ist mit der Fakultät für Geschichtswissenschaft erfolgt. Nachdem die zuständigen Universitätsgremien diesem Vertrag zugestimmt haben, wird er im Rahmen von "Grenzenlos" von beiden Rektoren unterzeichnet werden. Des Weiteren existieren Kooperationen zwischen den Fakultäten für Rechtswissenschaften und Medizin, die die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen regeln. Das Modell der gegenseitigen Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen, das zur Doppeldiplomierung von Studiengängen führt, soll in beiden Universitäten auf andere Studiengänge übertragen werden.
Eine Partnerschaft lebt nur, wenn auf allen Ebenen intensive Kontakte geknüpft und gepflegt werden. Neben einem regen Dozentenaustausch findet ein jetzt regelmäßiger Austausch im Bereich des nichtwissenschaftlichen Personals statt. Bilanzen und Statistiken langweilen in der Regel in einem Artikel - aber die Zahl der Studierenden, die ein Semester oder ein Studienjahr an der Gasthochschule verbringen, ist erheblich und rundet das Bild einer engen und erfolgreichen Zusammenarbeit ab. Interessierte Studierende, die ihr Fachstudium an der Université François Rabelais fortsetzen wollen, wenden sich bitte an das Akademische Auslandsamt, das über die Stipendienmöglichkeiten (Partnerschaftsstipendien, DAAD, Sokrates, Praktikum und Finanzierungsmöglichkeiten durch das Deutsch-Französische Jugendwerk) informiert. Jürgen Niemeyer

 

Erfahrungen aus Erster Hand: Zwei Jahre Shanghai

In Shanghai leben, chinesischen Studenten Deutschunterricht geben, Eindrücke von diesem großen fremden Land sammeln - und zwar ohne Chinesischkenntnisse oder Asienerfahrung?! Das wird in jedem Fall persönlichen Gewinn bringen; schlimmstenfalls wird man reicher an Lebenserfahrung. Mit dieser Einstellung nahm ich das Stellenangebot der Shanghaier Tongji-Universität - zu chinesischen Konditionen - an.
Die anfänglichen Bedenken wichen bald der Begeisterung über ein Leben, in dem sich Tag für Tag neue, stets überraschende Herausforderungen stellten. In dieser Zeit nahm ich in der Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen fasziniert an deren Lebenswelten und Lebensweisen teil, erkundete und entdeckte die rasant aufstrebenden Megastädte ebenso wie die Provinzen dieses exotischen Landes, erfuhr das Aufeinandertreffen chinesischer und deutscher Kultur, aß in Garküchen am Straßenrand wie auf feierlichen Festbanketten, rang mit der chinesischen Sprache und ihren unzähligen Dialekten. So wurden aus dem geplanten einen bald zwei Jahre - eine Zeit des Dazulernens und der persönlichen Entwicklung im intensiven Kontakt mit einer fremden Gesellschaft und ihrer Kultur.
Beim Besuch der "Gartenstadt" Suzhou ist mir eingefallen, dass China im Grunde mit einem traditionellen chinesischen Garten zu vergleichen ist, der so raffiniert angelegt ist, dass sich bei jedem Schritt ein völlig neuer Ausblick auf die Anlage mit ihren Elementen aus Felsen, Wasser, Gebäuden und Vegetation eröffnet. Ähnlich kann man im riesigen komplexen China stets nur einen winzigen Ausschnitt der Realität wahrnehmen: "China, der boomende Tigerstaat Asiens"; "China, das Entwicklungsland"; "China, einer der letzten kommunistischen Staaten der Welt"; "China, wo ein ungebremster Kapitalismus tobt"; "China, das Land des Buddhismus und des Tai-Chi"; "China, ein Land von Karaoke-Fans und Computerspielern" ... Während man eine Facette betrachtet, vernachlässigt man automatisch die unzähligen anderen.
Als Ausländer(in) ist das Leben in China daher immer aufs Neue spannend, reizvoll, faszinierend. Und - ich stelle das sachlich, ohne Jammern, fest - es ist oft genug anstrengend, überfordernd und geht an die Substanz. Mit hellen Haaren und "langer Nase" befindet man sich unfreiwillig in einer Art permanenter "Big Brother"-Show und ist die Attraktion der Straße. Doch gerade diese Neugier eröffnet die Möglichkeit, näheren Kontakt zu den Menschen herzustellen. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem unschätzbaren Reichtum heimkehren. Almut Körting

 

Erfahrungen aus Erster Hand: Ein Jahr Australien

Der kleine, von Palmen gesäumte Campus der Edith Cowan University in Perth empfing mich am Beginn meines einjährigen Auslandsstudium in Australien. Nach dem Stress der vergangenen Monate, die mit dem Organisieren eines Auslandsstudiums (Austauschprogramm AEN der RUB) verbunden waren, wurde ich von freundlichen und hilfsbereiten Ansprechpartnern der Uni begrüßt.
Das australische Studiensystem war zunächst gewöhnungsbedürftig, es unterschied sich stark von einem Studium der Geisteswissenschaften in Deutschland. Am Department for Media and Communications erwartete mich ein stärker verschultes und praxisnäheres Undergraduate System. Ich musste sehr viele Essays schreiben. Dadurch war es etwas schwierig, sich auf ein Thema zu konzentrieren und daran vertiefend zu arbeiten. Dies änderte sich in meinem zweiten Semester, dass ich an der Macquarie University in Sydney absolvierte. In den dortigen Postgraduate Kursen gab es mehr Freiheiten und sehr freundliche und zuvorkommende Dozenten. Dadurch und wegen des engen Kontakts zwischen den Studenten fühlte ich mich richtig wohl und zu Hause.
Nebenbei lernte ich die australische Kultur kennen. Das war außerordentlich spannend, da es sich größtenteils um eine Einwanderungsgesellschaft mit asiatischem Einfluss handelt. Hinzu kommt das Gefühl, früh morgens kurz nach Sonnenaufgang mit dem Surfbrett an den Strand zu laufen, ein paar dieser kristallklaren Wellen zu surfen, danach in die Dusche zu steigen und anschließend mit einem breiten Grinsen zur Uni zu fahren - das ist einfach einmalig. Florian Hoof

Grenzenlos im Netz: http://www.ruhr-uni-bochum.de/grenzenlos/

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Letzte Änderung: 31.10.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik