Von A (Akkreditierung)
bis Z (Zwölf-Jahres-Befristung)
Kurz vor
Ende der Amtszeit: Interview mit Rektor Dietmar Petzina
Nach einer - durch die Umsetzung der neuen Verfassung
bedingten - verlängerten Amtszeit von knapp fünf
Jahren übergibt Prof. Dr. Dietmar Petzina Ende
November das Rektoratsamt an seinen - am 7. November
zu wählenden - Nachfolger. Zuvor unterhielt er
sich mit Arne Dessaul über Höhepunkte, Tiefschläge
und den ganz normalen Alltag als Rektor der Ruhr-Universität.
RUBENS: Herr Professor Petzina, wie fühlen
Sie sich wenige Wochen vor Ende Ihrer Amtszeit?
Prof. Petzina: Einerseits - andererseits. Einerseits:
Das Amt fordert mich nach wie vor, wie in den letzten
Jahren; andererseits: Ich stelle mich gelegentlich neben
mich, frage: Was hättest Du heute anders gemacht.
Ich freue mich aber auch, dass ich für den Dezember
mehr private Termine vorsehen kann.
RUBENS: Was werden Sie wohl künftig am meisten
vermissen?
Prof. Petzina: Die vielen Gespräche mit sehr unterschiedlichen
Menschen innerhalb und außerhalb der Universität.
Ich habe dabei ständig gelernt - nicht zuletzt,
andere besser zu verstehen.
RUBENS: Und worüber sind Sie froh, es hinter
sich lassen zu können?
Prof. Petzina: Eigentlich wenig - wenn überhaupt:
Die Vielzahl von Grußworten, die ich mir bei vielen
offiziellen Terminen angehört habe.
RUBENS: Lassen Sie uns konkret auf Ihre Zeit
als Rektor zurückblicken. Wir möchten Sie
gerne mit einigen Zielen und Wünschen konfrontieren,
die Sie zu Beginn Ihrer Amtszeit formuliert haben. Wenn
Sie erlauben, nennen wir das jeweilige Stichwort und
bitten dann kurz um Ihre Einschätzung, inwieweit
das Ziel realisiert wurde? Beginnen wir mit dem Begriff
"Dienstleistungs-Universität"?
Prof. Petzina: Wir - die Lehrenden und die Verwaltung
- wissen heute besser als früher, dass zu unserer
Kernaufgabe vor allem die Lehre und die Betreuung der
Studierenden gehört. Das häufig kritisierte
Wort "Dienstleistungs-Universität" habe
ich vor allem als Aufforderung verstanden, uns darauf
zu besinnen.
RUBENS: Regionale Profilbildung?
Prof. Petzina: Das bedeutet, dass wir als Volluniversität
mit allen ihren Möglichkeiten sichtbar bleiben
- regional, national, europaweit.
RUBENS: Verbesserung der Rahmenbedingungen für
Forschung vor allem für wissenschaftliche Mitarbeiter?
Prof. Petzina: Anschubhilfen des Rektorats für
jüngere Wissenschaftler, vor allem für Wissenschaftlerinnen,
waren hilfreich, aber auch Initiativen der DFG, speziell
Jüngeren eine Chance bei Drittmitteln zu geben.
RUBENS: Förderung von Frauen?
Prof. Petzina: Eine Chance für die RUB und mir
ein besonderes Anliegen! Wir sind gut vorangekommen:
Zielvereinbarung mit dem Ministerium, Anreizsysteme
für Fakultäten, Frauenförderpläne.
Freilich: Hier muss sich noch viel mehr bewegen.
RUBENS: Internationalisierung von Studiengängen?
Prof. Petzina: Wir haben drei internationale Studiengänge
- Development Management, European Culture and Economy,
Computational Engineering -, die wir verstetigen wollen.
Daneben existieren Doppelabschlüsse u. a. mit Utrecht
und Tours. Mit Oviedo wird derzeit verhandelt. Im übrigen:
Unsere Bachelor-/Master-Studiengänge machen uns
international noch anschlussfähiger.
RUBENS: Verbesserung der internen Kommunikation und
der Identifizierung der Hochschulangehörigen mit
der Ruhr-Uni?
Prof. Petzina: Verbesserungsfähig! Immerhin: Die
Akademische Jahresfeier, die Absolventenfeiern in den
meisten Fakultäten oder die Leitbild-Debatten in
der Verwaltung sind Meilensteine zu diesem Ziel.
RUBENS: Etablierung von Absolventenvereinigungen?
Prof. Petzina: Sind ein unabdingbarer Teil dieser Anstrengungen.
Wir haben heute eine Vielfalt von Alumni-Clubs. 1998
hat meine entsprechende Nachfrage bei dem einen oder
anderen Dekan noch Überraschung ausgelöst.
RUBENS: Ausbau und Vernetzung der Beratungsangebote
für Studierende?
Prof. Petzina: Wir sind hier auf gutem Weg, zentrale
und fachbezogene (dezentrale) Angebote vernünftig
zu bündeln. Der Prorektor für Lehre hat sich
hier nachdrücklich engagiert, ebenso sein Vorgänger.
RUBENS: Aufbau eines Career Centers für
Studierende?
Prof. Petzina: Ein Anfang ist mit Kobra gemacht. Mir
war es wichtig, auf diese Weise unsere Verantwortung
für Absolventen zu unterstreichen.
RUBENS: Natürlich gab es im Laufe Ihrer
Amtszeit Entwicklungen, die vor fünf Jahren noch
gar nicht abzusehen waren, denen sich das Rektorat gleichwohl
stellen musste. Wir möchten erneut nur die Stichworte
nennen und bitten wie gehabt um Ihre kurze und ganz
persönliche Bewertung. Los geht es mit dem "Qualitätspakt"?
Prof. Petzina: Herausforderung und Chance, die gewachsenen
Strukturen auf den Prüfstand zu stellen.
RUBENS: Dienstrechtsreform, speziell Juniorprofessuren?
Prof. Petzina: Zielt in die richtige Richtung, junge
Wissenschaftler früher in die Selbständigkeit
zu entlassen.
RUBENS: 12-Jahres-Befristung der wissenschaftlichen
Mitarbeiter?
Prof. Petzina: Grundsätzlich vernünftig, wenn
man damit flexibel umgeht und lebensnahe Übergangsregelungen
sicherstellt. Vertrauensschutz für jene, die unter
anderen Spielregeln angetreten sind, ist unabdingbar!
RUBENS: Die neue Verfassung der RUB?
Prof. Petzina: Inhaltlich ein guter Kompromiss, der
insgesamt die Handlungsfähigkeit der RUB stärkt.
Allen, die daran mitgewirkt haben, gilt mein großer
Dank. Das Zusammenspiel der Gruppen hat sich bewährt!
RUBENS: Akkreditierung von Studiengängen?
Prof. Petzina: Ist ein unabdingbares Instrument der
Qualitätssicherung, die an die Stelle der staatlichen
Genehmigung tritt.
RUBENS: Studiengebühren?
Prof. Petzina: Ich bin für ein gebührenfreies
Erststudium, kombiniert mit einem System der Bildungsgutscheine.
Gebühren für weitere Studien müssen ohne
Wenn und Aber für die Verbesserung der Lehre genutzt
werden.
RUBENS: Haben wir etwas vergessen, was Ihnen
wichtig erscheint?
Prof. Petzina: Ja, das "Megaprojekt" der neuen
Bachelor-/Master-Studiengänge. Zwar haben wir hier
noch eine riesige "Baustelle", zugleich aber
die großartige Chance, in der Lehre professioneller,
internationaler und interdisziplinärer zu werden.
Und eng damit verknüpft ist das neue Modell der
Lehrerausbildung. Diese Projekte stehen in der besten
Tradition der Reform-Uni RUB!
RUBENS: Blicken wir nun nach vorn. Was geben Sie
Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
Prof. Petzina: Keine besserwisserischen Ratschläge,
nur einen Wunsch: Ebenso viel Freude am Rektoramt zu
haben wie ich.
RUBENS: Nochmals zu Ihnen: Sie gehen für ein
Jahr zurück an Ihren Lehrstuhl. Was werden Sie
dort als Erstes in Angriff nehmen?
Prof. Petzina: Prüfen, was liegengeblieben ist,
vor allem eine Publikationsverpflichtung abarbeiten.
RUBENS: Dennoch werden Sie fortan sicherlich etwas
mehr Zeit für sich und Ihre Hobbys haben. Worauf
freuen Sie sich am meisten?
Prof. Petzina: Mehr Zeit für Radtouren und Bergwandern.
Den Luxus, einmal außerhalb der Hochsaison Ski
fahren zu können, werde ich genießen.
RUBENS: Herr Professor Petzina, vielen Dank für
dieses Gespräch - den abschließenden Satz
möchten wir gerne Ihnen überlassen.
Prof. Petzina: Ich bedanke mich bei allen, die mir geholfen
haben, die RUB voranzubringen, vor allem bei meinen
Kollegen im Rektorat. Als ehemaliger Fußballer
weiß ich um die Notwendigkeit des Teams.
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