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RUBENS 74 1. November 2002

Von A (Akkreditierung) bis Z (Zwölf-Jahres-Befristung)

Kurz vor Ende der Amtszeit: Interview mit Rektor Dietmar Petzina

Nach einer - durch die Umsetzung der neuen Verfassung bedingten - verlängerten Amtszeit von knapp fünf Jahren übergibt Prof. Dr. Dietmar Petzina Ende November das Rektoratsamt an seinen - am 7. November zu wählenden - Nachfolger. Zuvor unterhielt er sich mit Arne Dessaul über Höhepunkte, Tiefschläge und den ganz normalen Alltag als Rektor der Ruhr-Universität.

RUBENS: Herr Professor Petzina, wie fühlen Sie sich wenige Wochen vor Ende Ihrer Amtszeit?
Prof. Petzina: Einerseits - andererseits. Einerseits: Das Amt fordert mich nach wie vor, wie in den letzten Jahren; andererseits: Ich stelle mich gelegentlich neben mich, frage: Was hättest Du heute anders gemacht. Ich freue mich aber auch, dass ich für den Dezember mehr private Termine vorsehen kann.

RUBENS: Was werden Sie wohl künftig am meisten vermissen?
Prof. Petzina: Die vielen Gespräche mit sehr unterschiedlichen Menschen innerhalb und außerhalb der Universität. Ich habe dabei ständig gelernt - nicht zuletzt, andere besser zu verstehen.

RUBENS: Und worüber sind Sie froh, es hinter sich lassen zu können?
Prof. Petzina: Eigentlich wenig - wenn überhaupt: Die Vielzahl von Grußworten, die ich mir bei vielen offiziellen Terminen angehört habe.

RUBENS: Lassen Sie uns konkret auf Ihre Zeit als Rektor zurückblicken. Wir möchten Sie gerne mit einigen Zielen und Wünschen konfrontieren, die Sie zu Beginn Ihrer Amtszeit formuliert haben. Wenn Sie erlauben, nennen wir das jeweilige Stichwort und bitten dann kurz um Ihre Einschätzung, inwieweit das Ziel realisiert wurde? Beginnen wir mit dem Begriff "Dienstleistungs-Universität"?
Prof. Petzina: Wir - die Lehrenden und die Verwaltung - wissen heute besser als früher, dass zu unserer Kernaufgabe vor allem die Lehre und die Betreuung der Studierenden gehört. Das häufig kritisierte Wort "Dienstleistungs-Universität" habe ich vor allem als Aufforderung verstanden, uns darauf zu besinnen.

RUBENS: Regionale Profilbildung?
Prof. Petzina: Das bedeutet, dass wir als Volluniversität mit allen ihren Möglichkeiten sichtbar bleiben - regional, national, europaweit.

RUBENS: Verbesserung der Rahmenbedingungen für Forschung vor allem für wissenschaftliche Mitarbeiter?
Prof. Petzina: Anschubhilfen des Rektorats für jüngere Wissenschaftler, vor allem für Wissenschaftlerinnen, waren hilfreich, aber auch Initiativen der DFG, speziell Jüngeren eine Chance bei Drittmitteln zu geben.

RUBENS: Förderung von Frauen?
Prof. Petzina: Eine Chance für die RUB und mir ein besonderes Anliegen! Wir sind gut vorangekommen: Zielvereinbarung mit dem Ministerium, Anreizsysteme für Fakultäten, Frauenförderpläne. Freilich: Hier muss sich noch viel mehr bewegen.

RUBENS: Internationalisierung von Studiengängen?
Prof. Petzina: Wir haben drei internationale Studiengänge - Development Management, European Culture and Economy, Computational Engineering -, die wir verstetigen wollen. Daneben existieren Doppelabschlüsse u. a. mit Utrecht und Tours. Mit Oviedo wird derzeit verhandelt. Im übrigen: Unsere Bachelor-/Master-Studiengänge machen uns international noch anschlussfähiger.

RUBENS: Verbesserung der internen Kommunikation und der Identifizierung der Hochschulangehörigen mit der Ruhr-Uni?
Prof. Petzina: Verbesserungsfähig! Immerhin: Die Akademische Jahresfeier, die Absolventenfeiern in den meisten Fakultäten oder die Leitbild-Debatten in der Verwaltung sind Meilensteine zu diesem Ziel.

RUBENS: Etablierung von Absolventenvereinigungen?
Prof. Petzina: Sind ein unabdingbarer Teil dieser Anstrengungen. Wir haben heute eine Vielfalt von Alumni-Clubs. 1998 hat meine entsprechende Nachfrage bei dem einen oder anderen Dekan noch Überraschung ausgelöst.

RUBENS: Ausbau und Vernetzung der Beratungsangebote für Studierende?
Prof. Petzina: Wir sind hier auf gutem Weg, zentrale und fachbezogene (dezentrale) Angebote vernünftig zu bündeln. Der Prorektor für Lehre hat sich hier nachdrücklich engagiert, ebenso sein Vorgänger.

RUBENS: Aufbau eines Career Centers für Studierende?
Prof. Petzina: Ein Anfang ist mit Kobra gemacht. Mir war es wichtig, auf diese Weise unsere Verantwortung für Absolventen zu unterstreichen.

RUBENS: Natürlich gab es im Laufe Ihrer Amtszeit Entwicklungen, die vor fünf Jahren noch gar nicht abzusehen waren, denen sich das Rektorat gleichwohl stellen musste. Wir möchten erneut nur die Stichworte nennen und bitten wie gehabt um Ihre kurze und ganz persönliche Bewertung. Los geht es mit dem "Qualitätspakt"?
Prof. Petzina: Herausforderung und Chance, die gewachsenen Strukturen auf den Prüfstand zu stellen.

RUBENS: Dienstrechtsreform, speziell Juniorprofessuren?
Prof. Petzina: Zielt in die richtige Richtung, junge Wissenschaftler früher in die Selbständigkeit zu entlassen.

RUBENS: 12-Jahres-Befristung der wissenschaftlichen Mitarbeiter?
Prof. Petzina: Grundsätzlich vernünftig, wenn man damit flexibel umgeht und lebensnahe Übergangsregelungen sicherstellt. Vertrauensschutz für jene, die unter anderen Spielregeln angetreten sind, ist unabdingbar!

RUBENS: Die neue Verfassung der RUB?
Prof. Petzina: Inhaltlich ein guter Kompromiss, der insgesamt die Handlungsfähigkeit der RUB stärkt. Allen, die daran mitgewirkt haben, gilt mein großer Dank. Das Zusammenspiel der Gruppen hat sich bewährt!

RUBENS: Akkreditierung von Studiengängen?
Prof. Petzina: Ist ein unabdingbares Instrument der Qualitätssicherung, die an die Stelle der staatlichen Genehmigung tritt.

RUBENS: Studiengebühren?
Prof. Petzina: Ich bin für ein gebührenfreies Erststudium, kombiniert mit einem System der Bildungsgutscheine. Gebühren für weitere Studien müssen ohne Wenn und Aber für die Verbesserung der Lehre genutzt werden.

RUBENS: Haben wir etwas vergessen, was Ihnen wichtig erscheint?
Prof. Petzina: Ja, das "Megaprojekt" der neuen Bachelor-/Master-Studiengänge. Zwar haben wir hier noch eine riesige "Baustelle", zugleich aber die großartige Chance, in der Lehre professioneller, internationaler und interdisziplinärer zu werden. Und eng damit verknüpft ist das neue Modell der Lehrerausbildung. Diese Projekte stehen in der besten Tradition der Reform-Uni RUB!

RUBENS: Blicken wir nun nach vorn. Was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
Prof. Petzina: Keine besserwisserischen Ratschläge, nur einen Wunsch: Ebenso viel Freude am Rektoramt zu haben wie ich.

RUBENS: Nochmals zu Ihnen: Sie gehen für ein Jahr zurück an Ihren Lehrstuhl. Was werden Sie dort als Erstes in Angriff nehmen?
Prof. Petzina: Prüfen, was liegengeblieben ist, vor allem eine Publikationsverpflichtung abarbeiten.

RUBENS: Dennoch werden Sie fortan sicherlich etwas mehr Zeit für sich und Ihre Hobbys haben. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Prof. Petzina: Mehr Zeit für Radtouren und Bergwandern. Den Luxus, einmal außerhalb der Hochsaison Ski fahren zu können, werde ich genießen.

RUBENS: Herr Professor Petzina, vielen Dank für dieses Gespräch - den abschließenden Satz möchten wir gerne Ihnen überlassen.
Prof. Petzina: Ich bedanke mich bei allen, die mir geholfen haben, die RUB voranzubringen, vor allem bei meinen Kollegen im Rektorat. Als ehemaliger Fußballer weiß ich um die Notwendigkeit des Teams.

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Letzte Änderung: 31.10.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik