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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 74 |
1.
November 2002 |
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Hörsaal statt
Schulbank
SchülerUni
Bochum startet
Chemie steht seit Mitte
Oktober für Kathrin Breitkreuz auf dem Stundenplan
- aber anders als für ihre Mitschülerinnen und -schüler
am Bochumer Graf-Engelbert Gymnasium. Denn die 17-Jährige
begann ein Studium an der RUB, sie besucht regelmäßig
eine Einführungsveranstaltung für Erstsemester. Bei Marc
Linstädter (19), der kurz vor dem Abitur steht, ist
es die Physik, die er auf diese Art vertiefen will. Beide
mischten sich zum Vorlesungsbeginn unter die Studierenden,
nehmen seitdem am regulären Lehrbetrieb teil und bereiten
sich parallel weiter auf ihr Abitur vor.
Beliebt: Informatik und Philosophie
Insgesamt 26 Schülerinnen und 24 Schüler der Jahrgangsstufen
11 bis 13 besuchen die "SchülerUni Bochum" im Wintersemester.
Damit fördert die RUB hochmotivierte und leistungsstarke
Schüler in einem neuen Projekt, das acht Fakultäten aus
den Geistes-, Ingenieur- und Naturwissenschaften tragen.
Am stärksten nachgefragt sind die Veranstaltungen der
Elektrotechnik, speziell Informatik, und der Philosophie
- zusammen nehmen beide die Hälfte der Teilnehmer auf.
Die Schüler werden voll in den Hochschulbetrieb integriert,
machen Experimente, halten Referate, schreiben Klausuren
und bekommen entsprechende Leistungsnachweise. Sollten
sie nach dem Abitur tatsächlich studieren, werden die
Studienleistungen rückwirkend anerkannt. In dieser
Breite ist die SchülerUni einmalig in NRW, in Köln
läuft bereits seit 2000 ein vergleichbares Projekt, "allerdings
nur im naturwissenschaftlich-mathematischen Bereich",
erklärt Reiner Höck, Projektkoordinator der RUB. In Bochum
gebe es einen regelrechten Enthusiasmus der Lehrenden,
ihre Veranstaltungen für Schüler zu öffnen. Daher ist
geplant, die SchülerUni nach der Pilotphase auf weitere
Fakultäten auszudehnen. "Auch das Interesse der Schulen
in der Umgebung ist groß", ergänzt Dirk Gellesch vom Graf-Engelbert
Gymnasium und Koordinator auf Seiten der Schulen.
Das "schwarze Loch"
Rektor Prof. Dietmar Petzina freut sich über so viel Begeisterung
auf beiden Seiten und hält es für eine "gute Idee, leistungsstarke
Schüler in den normalen Lehrbetrieb zu integrieren." Doch
er betont auch ganz pragmatisch das "Eigeninteresse" der
RUB: "Wir haben an manchen Fakultäten eine mangelnde Auslastung.
Die Universität muss sich wieder auf ihre eigentliche
Ressource besinnen - das sind kommende Studierende, die
in Zukunft ein knappes Gut und stark umworben sein werden.
Wir müssen ihnen frühzeitig das ‚schwarze Loch' Universität
sichtbar machen." Und was erwarten die Schüler von diesem
"schwarzen Loch"? "Dass man wesentlich selbstständiger
lernen kann als in der Schule", sagt Kathrin Breitkreuz.
Marc Linstädter freut sich schon darauf, sich im Studium
auf ein Fach konzentrieren zu können. Davor steht jedoch
"eine Art Doppelbelastung", sagt Luise Berg-Ehlers, Leiterin
der Graf-Engelbert Schule. Denn die Schüler besuchen "ihre"
Veranstaltung - eine pro Semester - inklusive der entsprechenden
Vor- und Nachbereitung und natürlich weiterhin den regulären
Schulunterricht. jw
Initiatoren und Teilnehmer
Die SchülerUni Bochum geht zurück auf eine Initiative
der Ruhr-Uni, des Wissenschaftsministeriums (MSWF), der
Bezirksregierung Arnsberg und der Bezirksdirektorenkonferenz
der Bochumer Gymnasien. An dem Projekt beteiligen sich
die Fakultäten für Philosophie, Pädagogik und Publizistik
(Institut für Philosophie), für Bauingenieurwesen, Maschinenbau
sowie Elektrotechnik und Informationstechnik und die Fakultäten
für Mathematik, Physik und Astronomie, Geowissenschaften
und Chemie. Neun Schulen aus Bochum und eine aus Herne
haben die leistungsstarken und hochmotivierten Schülerinnen
und Schüler ausgewählt und angemeldet. jw
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