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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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| RUBENS 74 |
1.
November 2002 |
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Nicht Held,
nicht Anti-Held
Roman:
Irdischer Amor
Hans-Ulrich Treichel bleibt
seinem Prinzip treu: Nach dem Georg im letzten Roman "Tristanakkord"
schickt er auch im "Irdischen Amor" wieder einen
Studenten ins Feld, der so blass und normal daherkommt,
dass man ihm weder den Stempel Held noch den eines Anti-Helden
aufdrücken mag.
Und erneut fragt man sich die ganze Zeit über, wann
die Geschichte überhaupt spielen mag: vor 30, 20,
10 Jahren oder vorgestern? Zur Erinnerung: Der Georg im
"Tristanakkord" begann das Gitarrespiel als
14-Jähriger dank der frühen Beatles-Lieder (also
etwa 1963/64) und studiert zu einer Zeit, da Computer
längst selbstverständlich geworden sind (also
mindestens in den mittleren Neunzigern) - und kommt im
Studium dennoch als junger Mann daher. Albert, Kunststudent
in Berlin und zugleich "Der irdische Amor",
besucht Schwimmbäder und Sportplätze, die an
die 60er-Jahre erinnern - Berlin ist andererseits längst
nicht mehr geteilt.
Dieses Zeitproblem im Hinterkopf, erfährt man beim
Lesen vor allem viel über Alberts Vergangenheit und
Gegenwart. Sein Leben lang jagt er - häufig vergebens
- den Mädchen und Frauen nach und muss anschließend
die Enttäuschung über die jeweilige Zurückweisung
überwinden. Doch dieses eine Mal hat er offenbar
Glück: Die hübsche Sardin Elena erwidert seine
Gefühle, die beiden stürzen sich in ein Liebesabenteuer,
das in Berlin beginnt und auf Sardinien fortgesetzt wird
- und dort offenbar zugleich endet.
Denn leider weiß Albert nicht so recht, was er will,
seine Handlungen sind zufällig und/oder fremdbestimmt.
Das betrifft übrigens auch seine Magisterarbeit,
die er eigentlich über Caravaggios Amorbild schreiben
will (hieraus resultiert letztlich auch der Titel des
Romans). Albert lässt sich jedoch mühelos vom
Assistenten seines Profs zu einem anderen Caravaggio-Gemälde
überreden. Bis zum Ende des Buches kommt er jedoch
kaum über das Kopieren von Literatur hinaus. Nicht
nur deswegen kommt Albert letztlich wenn schon nicht sympathisch,
so doch sehr menschlich daher. ad
Hans-Ulrich Treichel: "Der irdische Amor",
Suhrkamp, Frankfurt 2002, 260 S., 19,90 Euro
Wir verlosen das Buch unter allen, die uns bis zum
30.11.02 eine Postkarte schicken: RUBENS, Pressestelle
der RUB, UV 3/366, 44780 Bochum. Stichwort ist die Antwort
auf die Frage "Wie heißt der Leiter des New
Yorker ARD-Studios?" ad
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