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RUBENS 74 1. November 2002

Trilaterale Dialoge

Ukrainische Kooperation

Studieren im Osten ist für viele deutsche Studierende bis heute weitgehend unattraktiv, bisweilen sogar mit Ängsten verbunden. Mehr noch als Russland leiden die anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion unter Imageproblemen. So ist die seit 1991 unabhängige Ukraine in der öffentlichen Wahrnehmung und auch in der wissenschaftlichen Beschäftigung eine "terra incognita" geblieben. Der ukrainisch-deutsche Studentenaustausch verläuft asymmetrisch: Während bei vielen Ukrainern das Interesse an Studien- und Forschungsaufenthalten in Deutschland groß ist, fahren nur wenige deutsche Studierende zu einem längeren Aufenthalt in die Ukraine. Dabei wird das Land - als zweitgrößter europäischer Staat nach Russland - mit seinen über 52 Mio. Bewohnern in Zukunft eine immer wichtigere Rolle im sich erweiternden Europa spielen. Auch Osteuropa-Spezialisten, die sich nicht nur in Moskau auskennen, werden gefragt sein.
Dank einer neuen Kooperation des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte der RUB mit der Staatlichen Karazin-Universität Charkow können Studierende bei stipendiengeförderten, zweimonatigen Aufenthalten die Ukraine und das ukrainische Studiensystem kennen lernen. Russischkenntnisse können sie vorab bei einem - ebenfalls geförderten - Kurs am Bochumer Russicum verbessern.
Die Kooperation mit Charkow gehört zu einer seit 1998 bestehenden Partnerschaft im Rahmen des Alexander-Herzen-Programms, das vom DAAD und dem Bundesbildungsministerium getragen wird. Das Programm hat insbesondere den Dialog zwischen den Regionen zum Ziel und förderte bisher die Zusammenarbeit der westsibirischen Universität Kemerowo mit der RUB. Nun ist neben weiteren westsibirischen Unis (Tomsk, Barnaul, Nowosibirsk) auch die Karazin-Universität dabei. Das trilaterale Konzept fördert den Austausch nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen den Nachfolgestaaten der Sowjetunion untereinander, der in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist.
Dass die Ukraine ein Teil Europas ist, konnten 17 Studierende der RUB erfahren, die im Sommer an einer zwölftägigen Exkursion quer durchs Land teilnahmen. Organisiert haben die Fahrt, die im Anschluss an eine Lehrveranstaltung zur Geschichte der Ukraine im 20. Jahrhundert stattfand, der Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte und das Institut für soziale Bewegungen. Sie wurde gefördert von der Fakultät für Geschichtswissenschaft, der Robert-Bosch-Stiftung, dem DAAD, der Marga und Kurt Möllgaard-Stiftung und der Alfred-Töpfer-Stiftung.
Bei der Reise vom westukrainischen Lemberg über Odessa im Süden nach Charkow und Donezk im Osten und zurück in die Hauptstadt Kiew im Zentrum legten die Studierenden mehrere tausend Kilometer in Nachtzügen zurück. So erfuhren sie quasi am eigenen Leibe die Heterogenität der ukrainischen Region, die zurückgeht auf eine unterschiedliche historische Entwicklung sowie verschiedene kulturelle und sprachliche Traditionen. Dies stellt den jungen Staat bis heute vor eine große Integrationsaufgabe. In zahlreichen Gesprächen mit ukrainischen, deutschen und internationalen Organisationen konnten die Bochumer ihre Kenntnisse über die aktuelle ökonomische, gesellschaftliche und politische Situation in der Ukraine vertiefen. Symptomatisch für die wirtschaftlichen Probleme war der Besuch im Bildungsministerium: Während des Gesprächs mit dem Leiter der internationalen Abteilung saß man im Dunkeln, weil das Ministerium die Stromrechnung nicht rechtzeitig bezahlt hatte. Das illustrierte Reisetagebuch, zusammengestellt von den Studierenden, wird demnächst über die RUB-Homepage abrufbar sein. Julia Landau & Tanja Penter

Info: Studierende, die die Ukraine oder eine der Städte Westsibiriens kennen lernen wollen, können sich beim Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte (-28635) bewerben; es sind noch einige Stipendien zu vergeben. ad
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Letzte Änderung: 31.10.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik