Geschlecht
und Proteine
Die
ersten Juniorprofessoren sind da
Der Besprechungsraum auf der dritten Etage der Univerwaltung zählt
nicht zu den Prunksälen der RUB. Doch kann auch hier ein netter Sektempfang
über die Bühne gebracht werden, zumindest im kleineren Kreis.
Am ersten Montag im September gehörten diesem Kreis unter anderem
der Rektor, der Prorektor für Forschung, die Personaldezernentin
und der Kanzlervertreter an.
Im Mittelpunkt standen allerdings die ersten beiden Juniorprofessoren
der RUB, die vor dem Sekt ihre Urkunden und Arbeitsverträge überreicht
bekamen - aus der Hand und zuvor unterschrieben vom Rektor. Dieses
Vorgehen soll nachdrücklich unterstreichen, dass die Juniorprofessoren
unabhängig forschen und lehren können und keinem Lehrstuhl zugeordnet
sind (ansonsten hätte ein Lehrstuhlinhaber unterschrieben
und überreicht). Sowohl bezüglich des Titels (noch keiner vorhanden)
als auch des Status (bislang: Wissenschaftliche Mitarbeiter) hat der Gesetzgeber
in Sachen Juniorprofessor das letzte Wort noch nicht gesprochen. In diesem
leeren Raum können symbolische Akte durchaus wirken.
Geschlechterforschung
Beim Sekt schließlich stellten die beiden Neuen sich und ihre Forschungen
vor. Dr. Cilja Harders besetzt ab Oktober eine Juniorprofessur
für "Geschlechterforschung mit Schwerpunkt Politikwissenschaft"
an der Fakultät für Sozialwissenschaft. Die 35-Jährige
leitet eine Forschergruppe, die sich den Problemen von Demokratien widmet.
Sie fragt, wie sich der Gleichheitsanspruch der Demokratie angesichts
sozialer, ökonomischer, kultureller und geschlechtsspezifischer Ungleichheit
umsetzen lässt. Dr. Harders beschäftigt sich dabei mit Fragen
von Militär, Krieg, Geschlecht und Gewalt am Beispiel der Länder
im euro-mediterranen Raum. Dabei interessiert sie, wie Frauen und Männer
von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen sind, sowie der Zusammenhang
von Militärreform und Geschlecht.
Die neue Juniorprofessorin, die nach ihrem Studium der Politikwissenschaft,
Soziologie und Germanistik in Freiburg, Hamburg und Kairo als Bildungsreferentin
beim politischen Bildungswerk der Heinrich-Böll-Stiftung in Hamburg
gearbeitet hat, setzt außerdem auf die computergestützte Lehre
und virtuelle Seminare: "Ein professioneller Umgang mit Computer
und Internet ist heute elementar für die meisten Berufe. Ich finde
wichtig, dass Studierende ihn schon an der Uni erwerben können."
3-D-Strukturen von Proteinen
Dr. Eckhard Hofmann und seine Mitarbeiter erforschen
in der Fakultät für Biologie die 3-D-Struktur von Proteinen.
Zwar kennt die Wissenschaft mittlerweile die genetischen Codes, die den
Bauplan von Proteinen kodieren, aber die 3-D-Struktur lässt sich
daraus nicht ablesen. Hofmanns Forschergruppe stellt zunächst die
benötigten Mengen hochreinen Proteins her, aus dem sie mit verschiedenen
Methoden Kristalle züchtet. Diese untersuchen die Forscher mit Hilfe
von Röntgenstrahlen auf ihre innere Ordnung und errechnen am Computer
ein dreidimensionales Modell des Proteins. Die Erkenntnisse ermöglichen
z.B. rationales Wirkstoffdesign neuer Medikamente.
"Die Röntgenstrukturanalyse ist ein klassisches interdisziplinäres
Arbeitsgebiet, in dem die direkte Zusammenarbeit zwischen Biologen, Chemikern
und Physikern Grundlage für erfolgreiche Projekte ist", erläutert
Juniorprofessor Hofmann. "Hier könnten Studierende während
ihrer praktischen Arbeiten Kompetenzen erwerben, die gerade in modernen
Life Science- und Biotechnologieunternehmen stark nachgefragt werden".
Der 34-Jährige studierte Physik in Freiburg und Sussex, arbeitete
anschließend u.a. an den Universitäten Konstanz und Freiburg
sowie am Max Planck Institut für medizinische Forschung in Heidelberg.
md/ad
Juniorprofessoren an der RUB
Zusammen mit Dr. Harders und Dr. Hofmann fangen zum
Wintersemester noch sieben weitere Juniorprofessoren
an der RUB an. Insgesamt hatte die RUB im Frühjahr
32 Juniorprofessuren ausgeschrieben. Sie sind gleichmäßig
auf die vier großen Wissenschaftsbereiche Geistes-
und Gesellschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften,
Naturwissenschaften und Medizin verteilt. Die 32 Stellen
fördert das BMBF (Bundesministerium für Bildung
und Forschung) mit 75.000 Euro je Professur. Zusätzlich
unterstützt das MSWF (Ministerium für Schule,
Wissenschaft und Forschung NRW) die RUB drei Jahre lang
pauschal mit 125.000 Euro jährlich.
Möglich wurde die Einrichtung der Juniorprofessuren
durch die Reform des Dienstrechts im Hochschulbereich,
die am 23. Februar 2002 in Kraft trat: Nachwuchswissenschaftler
können sich ohne Habilitation auf die neuen Stellen
bewerben - Einstellungsvoraussetzung ist eine hervorragende
Promotion, die nicht länger als fünf Jahre
zurückliegen darf. Die zukünftigen Stelleninhaber
nehmen Aufgaben in Wissenschaft, Forschung und Lehre
in ihren Fächern selbstständig wahr. Sie sind
in ihren Rechten und Pflichten den anderen Professoren
gleichgestellt; aufgrund der fehlenden Habilitation
sind sie allerdings mindestens fünf, sechs Jahre
jünger. Zunächst sind die Juniorprofessuren
auf drei Jahre befristet, bei guten Leistungen können
sie um weitere drei Jahre verlängert werden. jw
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