Ruhr-Universität Bochum zur Navigation zum Inhalt Startseite der RUB pix
Startseite UniStartseite
Überblick UniÜberblick
A-Z UniA-Z
Suche UniSuche
Kontakt UniKontakt

pix
 
Das Siegel
Naturwissenschaften Ingenieurwissenschaften Geisteswissenschaften Medizinische Einrichtungen Zentrale Einrichtungen
pix
RUBENS - Zeitschrift der RUB
RUBENS- Startseite

Lesen
Aktuelle Ausgabe
Archiv
¤Ausgabe Nr. 73
  ¤Artikel
pdf-Dateien

Service & Kontakt
Mediadaten
Redaktion
E-Mail Service
Kontakt

Volltextsuche
pix RUBENS - Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
 
 
 
    
pix
Artikel » Ausgabe 73 »Archiv » RUBENS » Pressestelle » Ruhr-Universität
pix pix
RUBENS 73 1. Oktober 2002

Jenseits von Gut und Böse

Krimidebüt zweier Historiker

Berlin Anfang der Vierziger-Jahre: Die Bombenangriffe der Alliierten legen die Stadt in Schutt und Asche, jede Nacht sterben Hunderte, ein Menschenleben scheint keinen Pfifferling wert. Vor dieser schaurigen Kulisse ereignet sich eine Mordserie, die wohl niemanden interessieren würde, wäre unter den Opfern nicht ein hohes Parteimitglied. Dieser Umstand ruft die SS auf den Plan: Sie setzt Hauptsturmführer Kalterer auf den Täter an. Hier könnte ein Räuber-und-Gendarme-Spiel beginnen; der gute Ermittler jagt den bösen Mörder. So einfach machen es die Autoren dem Leser aber nicht. Kalterer, aus dessen Perspektive erzählt wird, war vor dem Krieg Kriminalpolizist. Er hat es für seine Karriere in Kauf genommen, mehr als einen Unschuldigen und sogar Kinder in den Tod zu schicken. Er sei da "einfach so reingerutscht", rechtfertigt er sich vor seiner Frau, die ihn wegen seiner Nazi-Karriere verlassen hat. Mittlerweile bereut er seine Taten. Zudem gibt es eine zweite Perspektive, die des Mörders Haas. Als entflohenen KZ-Häftling möchte man ihn eigentlich bemitleiden, muss aber erfahren, dass er vor seiner Verhaftung durchaus auch selbst auf Juden gespuckt hat. Und man muss dabei sein, wie er seine ehemaligen Nachbarn hinmetzelt, um das Leben seiner Frau und seines Sohnes zu rächen. Für deren Tod sind nämlich die Nachbarn verantwortlich - und da wird es erst richtig spannend.
Das Buch lässt einem keine ruhige Minute: Nie kann man sicher sein, die richtige Partei ergriffen zu haben. Man teilt Haas' Wut auf seine Ex-Nachbarn, seine Trauer über den Verlust seiner Familie, verabscheut aber zugleich seine Taten. Man versteht Kalterers Hoffnung auf ein Leben außerhalb der SS, das er sich durch seine Kriminalistentätigkeit erhofft, seine Ohnmacht gegenüber der undurchsichtigen Organisation, verachtet aber auch seine Schwäche. Und immer wieder erschreckt einen der Fliegeralarm, rennt man mit den Figuren in Bunker, fühlt ihre Angst, hört den Bombenhagel.
Den Autoren ist nicht nur eine detailgenaue, erschreckende Schilderung des Kriegs in Berlin gelungen, sondern auch ein glaubwürdiger Einblick ins Denken von Leuten in einer Extremsituation. Nebenbei ist die Krimigeschichte auch noch spannend bis zuletzt. Ob das Gute letztlich siegt? Sicher ist nur eines: Wer übrig bleibt, hat recht.
Die beiden Autoren lehren in Hannover Geschichte mit dem Schwerpunkt Alltagsgeschichte im Nationalsozialismus und in der Weimarer Republik. md

Richard Birkefeld, Göran Hachmeister: Wer übrig bleibt, hat recht. Eichborn Verlag, Frankfurt a. M. 2002, ISBN 3-8218-0885-3, 22 Euro. ad
pfeil  zurückblättern zur Themenübersicht weiterblättern  pfeil
 
 
Zum Seitenanfang  Seitenanfang | Druckfassung dieser Seite
Letzte Änderung: 01.10.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik