Genehmigt
und akkreditiert
Neue
Studiengänge
Früher war es eigentlich
schon kompliziert genug. Wollte eine Hochschule einen neuen Studiengang
einführen, musste sie sich in ein langwieriges Genehmigungsverfahren
mit dem Wissenschaftsministerium stürzen. War die Genehmigung da, konnte
der Studiengang starten. Heutzutage ist alles anders, es
dreht sich sowieso alles nur noch die um Bachelor-/Master-Studiengänge,
und in NRW werden sie neuerdings direkt von der Hochschule genehmigt. Der
Preis dafür: Sie müssen zusätzlich akkreditiert (beglaubigt)
werden. Zuständig dafür ist der Ende 1998 von der Kultusministerkonferenz
initiierte Akkreditierungsrat. Dieser akkreditiert jedoch nur selten selbst.
Das übernehmen sog. Akkreditierungsagenturen, die sich zuvor vom Akkreditierungsrat
akkreditieren lassen müssen. Da wird einem schnell schwindelig.
Dieser Zustand hält an, wenn man sich mit der ersten Akkreditierung
eines Studiengangs der RUB beschäftigt: Nach
einem etwa einjährigen Prozess wurde im Juli der Studiengang "Master
of Arts in Development Management" am Institut für Entwicklungsforschung
und Entwicklungspolitik (IEE) akkreditiert. Im Sommer 2001 sammelte
das IEE zunächst Infos zum Verfahren und suchte nach einer geeigneten
Agentur. Der Versuch, sich direkt vom Akkreditierungsrat zertifizieren zu
lassen, scheiterte am Veto des Wissenschaftsministeriums (MSWF). Also wandte
sich das IEE an ACQUIN, die zu den wenigen Agenturen zählt, die nicht
auf bestimmte Fachrichtungen spezialisiert ist.
Unverbindliche Vorprüfung
Mittlerweile war November, und nun kam der Prozess langsam ins Rollen:
Anhand der von ACQUIN veröffentlichten Kriterien entwarf das IEE
einen vorläufigen Antrag auf Akkreditierung. Telefonisch wurde anschließend
eine unverbindliche Vorprüfung erster Unterlagen zum Studiengang
vereinbart. ACQUIN prüfte und kam zum Schluss: Das reicht uns so,
alles in Ordnung.
Also konnte am 18.12.01 ein Vertrag abgeschlossen werden. Natürlich
benötigte ACQUIN noch jede Menge Unterlagen über den Masterstudiengang
- in zehnfacher Ausfertigung. Nun wurde wochenlang gelesen, das Jahr wechselte
und schließlich benannte ACQUIN im Februar 2002 eine fünfköpfige
Gutachterkommission, bestehend aus drei Professoren, einem Praxisvertreter
und einem Studenten.
Zusammen mit zwei Vertreterinnen der Geschäftsstelle
von ACQUIN besuchte die Kommission Anfang März das IEE. Man guckte
sich um und klopfte viele Fragen ab mit den Institutsangehörigen:
Wird der Studiengang auch wirklich eingebunden in die Gesamtstrategie
der RUB hinsichtlich Internationalisierung? Welche personelle, räumliche
und sachliche Ausstattung besitzt das Institut und wie werden die Ressourcen
für den Studiengang genutzt? Stehen sie auch künftigen Studiengangsgenerationen
zur Verfügung? Wie ist es um die Betreuung der Studierenden von Lehrenden
und Mentoren bestellt? Ist das Ausbildungsziel mit dem angebotenen, modularisierten
Curriculum (einschließlich Praxisphasen), dem Betreuungskonzept
und den verfügbaren Ressourcen in der Regelstudienzeit erreichbar?
Was ist dem Qualitätsmanagement? Werden Betreuung und Lehrveranstaltungen
durch Studierende evaluiert? Wenn ja, wie? Welche Konsequenzen werden
aus der Evaluation gezogen? Findet eine Selbstevaluation des Studiengangs
durch die Lehrenden statt?
Zunächst keine Entscheidung
Obwohl es an den beiden Märztagen auf jede Frage eine Antwort gab,
konnte sich die Gutachterkommission noch nicht entscheiden. Sie schickte
am 5. April ihren Bericht ans IEE und bat um kurzfristige Stellungnahme.
Das IEE bezog pünktlich Stellung und wurde eine Woche später
trotzdem vertröstet. Die Akkreditierungskommission von ACQUIN konnte
auf ihrer Sitzung vom 18. April noch keinen endgültigen Beschluss
fassen. Man benötigte noch verschiedene Unterlagen, z. B. eine Auflistung
des Lehrpersonals und eine Stellungnahme zum verwendeten Begriff des "Management".
Das IEE schickte die Unterlagen und nahm Stellung - und schließlich,
im Juli 2002, entschied ACQUIN, den Studiengang "Master of Arts in
Development Management" zu akkreditieren - Begründung: "Der
Studiengang ist innovativ und erfolgsversprechend, wobei insbesondere
die außerordentlich intensive fachliche und organisatorische Betreuung
durch die Mentoren hervorzuheben ist (Betreuungsverhältnis: 1 Mentor
für 2-3 Studierende). Das Programm zeichnet sich außerdem durch
eine gut integrierte Praxisphase (Feldforschung, Praktika) in den Studienablauf
und gute in- und ausländische Praxiskontakte aus." Jetzt musste
das IEE nur noch bezahlen: knapp 11.000 Euro (Grundpauschale: 5.470,82
Euro plus Verfahrenspauschale: ebenfalls 5.470,82 Euro). ad
Akkreditierung, Akkreditierungsrat
Infolge der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes
(HRG) vom 20. August 1998 können deutsche Hochschulen
zunächst probeweise die Hochschulgrade Bachelor
und Master einführen, die sich auf dem akademischen
Weltmarkt bewährt haben. Laut Beschluss der Hochschulrektorenkonferenz
(HRK) vom 6. Juli 1998 soll auf diese Weise das Studienangebot
flexibilisiert, die internationale Kompatibilität
deutscher Studienabschlüsse verbessert und somit
die Mobilität der Studierenden und die Nachfrage
ausländischer Studierender nach Studienplätzen
in Deutschland erhöht werden.
Um die Sicherung der Qualität in Lehre und Studium
zu garantieren und um den Studierenden, den Arbeitgebern
und den Hochschulen eine verlässliche Orientierung
bei verbesserter Transparenz zu bieten, wurde durch
Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 3. Dezember
1998 der Akkreditierungsrat eingerichtet. Seine Aufgabe
besteht darin, Agenturen zu begutachten bzw. zu akkreditieren,
die ihrerseits wiederum die zunächst probeweise
eingeführten Studiengänge Bachelor und Master
akkreditieren. Viele der Agenturen sind von vornherein
auf bestimmte Fachrichtungen (Ingenieurwissenschaften
oder Naturwissenschaften) spezialisiert.
Die Agenturen wie die von ihnen akkreditierten Studiengänge
tragen im Falle einer erfolgreichen Begutachtung das
Qualitätssiegel des Akkreditierungsrates. In begründeten
Fällen, so sieht es der o. g. Beschluss der KMK
vor, kann der Akkreditierungsrat auch selbst Studiengänge
akkreditieren. Als unabhängige Einrichtung setzt
sich der Akkreditierungsrat aus 14 Mitgliedern, Vertretern
der Länder, der Hochschulen, der Studierenden und
der Praxis (Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen),
zusammen. Bis zum Redaktionsschluss
waren bundesweit etwa 150 Bachelor-/Master-Studiengänge
akkreditiert. ad
Weitere Akkreditierungen an der RUB
Der Studiengang "Master of Arts in Development
Management" ist der erste akkreditierte Studiengang
an der RUB. Er wird allerdings nicht lange der einzige
bleiben. Zurzeit läuft das Verfahren für die
Bachelor-/Master-Studiengänge Chemie und Biochemie,
das zum WS 02/03 abgeschlossen sein soll. Des
Weiteren müssen sich noch alle weiteren rund 50
Bachelor-/Master-Studiengänge in den Geistes- und
Naturwissenschaften akkreditieren lassen.
Das Verfahren muss spätestens zwei Jahre nach dem
Start des Studiengangs angelaufen sein, für die
Studiengänge in den Geisteswissenschaften wäre
dies das WS 03/04.
Dieses Prozedere galt bis zum Sommer 2002 und betraf
alle bis dahin genehmigten Studiengänge. Mittlerweile
hat das MSWF die Zwei-Jahres-Frist gestrichen: Bevor
nunmehr ein Studiengang starten kann, muss "sein"
Akkreditierungsverfahren angelaufen sein; an der RUB
betrifft dies konkret die Bachelor-/Master-Studiengänge
Mathematik und Wirtschaft Ostasiens.
Mit den Kosten für die Akkreditierung (11.000 Euro)
des Studiengangs "Master of Arts in Development
Management" liegt das Institut für Entwicklungsforschung
und Entwicklungspolitik genau im Durchschnitt. Je nach
Akkreditierungsagentur liegt der Preis etwa zwischen
10.000 und 12.000 Euro. Die Fakultäten/Institute
müssen die Kosten nicht allein tragen, das Rektorat
der RUB beteiligt sich daran und übernimmt maximal
die Hälfte. ad
Interview mit Dr. Wilhelm Löwenstein
Tipps für eine erfolgreiche Akkreditierung
Um die Akkreditierung des Studiengangs "Master of Arts in Development
Management" kümmerte sich der Geschäftsführer des
Instituts für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik, Dr.
Wilhelm Löwenstein. Mit ihm sprach Arne Dessaul.
RUBENS: Wenn man Ihren Erfahrungsbericht liest,
gewinnt man den Eindruck, dass die Akkreditierung ein schwieriges Geschäft
ist - was war am schwierigsten?
Löwenstein: Da lagen Erwartung und Realität weit auseinander.
Bei mehrtägigen Besuchen von Fachgutachtergruppen in Instituten oder
Fakultäten besteht manchmal die Tendenz, dass die Gutachter irgendwann
die Position des Staatsanwalts und die Begutachteten jene von Angeklagten
in einem Gerichtsverfahren einnehmen. Entsprechend wird dann auch die
Stimmung. Beim Besuch der Gutachter von ACQUIN war das aber zu keinem
Zeitpunkt ein Problem. Wir haben manchmal kontrovers, immer aber konstruktiv
miteinander über den Studiengang diskutiert. Das war angenehm und
hat Spaß gemacht.
Schwierigkeiten traten auf einem Gebiet auf, mit dem ich überhaupt
nicht gerechnet hatte: Bei einer Formalie hinsichtlich der Genehmigung
der Einrichtung unseres Masterstudiengangs und der Prüfungsordnung.
Für ersteres war in unserem Fall noch das MSWF zuständig, für
letzteres hatte es seine Genehmigungskompetenz bereits an die Hochschule
abgetreten. Dieses Maß an Autonomie einer Hochschule dem letztentscheidenden
Fachausschuss der im Süden der Republik beheimateten Akkreditierungsagentur
zu vermitteln, ist uns nicht gelungen. Das hat uns die Akkreditierung
mit der formalen Auflage eingetragen, die Zulassungsordnung zu präzisieren.
Das können wir aber schnell abarbeiten.
RUBENS: Welche Tipps haben Sie an die Verantwortlichen
der anderen Studiengänge, die auf ihre Akkreditierung warten?
Löwenstein: Nutzen Sie unbedingt die Möglichkeit zur Vorabberatung
durch die Agentur. Machen Sie sich mit den Akkreditierungskriterien vertraut,
nehmen Sie diese ernst und berücksichtigen Sie sie bei der geforderten
Selbstdokumentation des Studiengangs. Schummeln Sie möglichst wenig,
das kommt spätestens beim Gutachterbesuch heraus. Bereiten Sie den
Gutachterbesuch mit möglichst vielen Studiengangsbeteiligten (auch
Studierenden) vor: Wo liegen in der Selbstwahrnehmung die konzeptionellen
und infrastrukturellen Stärken und Schwächen des Studiengangs?
Binden Sie das Rektorat frühzeitig ein, da dessen Stellungnahme zur
Einbindung und Verortung Ihres Studiengangs in die gesamtuniversitären
Ziele von besonderem Gewicht ist.
ad
|