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RUBENS 73 1. Oktober 2002

Genehmigt und akkreditiert

Neue Studiengänge

Früher war es eigentlich schon kompliziert genug. Wollte eine Hochschule einen neuen Studiengang einführen, musste sie sich in ein langwieriges Genehmigungsverfahren mit dem Wissenschaftsministerium stürzen. War die Genehmigung da, konnte der Studiengang starten. Heutzutage ist alles anders, es dreht sich sowieso alles nur noch die um Bachelor-/Master-Studiengänge, und in NRW werden sie neuerdings direkt von der Hochschule genehmigt. Der Preis dafür: Sie müssen zusätzlich akkreditiert (beglaubigt) werden. Zuständig dafür ist der Ende 1998 von der Kultusministerkonferenz initiierte Akkreditierungsrat. Dieser akkreditiert jedoch nur selten selbst. Das übernehmen sog. Akkreditierungsagenturen, die sich zuvor vom Akkreditierungsrat akkreditieren lassen müssen. Da wird einem schnell schwindelig.
Dieser Zustand hält an, wenn man sich mit der ersten Akkreditierung eines Studiengangs der RUB beschäftigt: Nach einem etwa einjährigen Prozess wurde im Juli der Studiengang "Master of Arts in Development Management" am Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik (IEE) akkreditiert. Im Sommer 2001 sammelte das IEE zunächst Infos zum Verfahren und suchte nach einer geeigneten Agentur. Der Versuch, sich direkt vom Akkreditierungsrat zertifizieren zu lassen, scheiterte am Veto des Wissenschaftsministeriums (MSWF). Also wandte sich das IEE an ACQUIN, die zu den wenigen Agenturen zählt, die nicht auf bestimmte Fachrichtungen spezialisiert ist.

Unverbindliche Vorprüfung

Mittlerweile war November, und nun kam der Prozess langsam ins Rollen: Anhand der von ACQUIN veröffentlichten Kriterien entwarf das IEE einen vorläufigen Antrag auf Akkreditierung. Telefonisch wurde anschließend eine unverbindliche Vorprüfung erster Unterlagen zum Studiengang vereinbart. ACQUIN prüfte und kam zum Schluss: Das reicht uns so, alles in Ordnung.
Also konnte am 18.12.01 ein Vertrag abgeschlossen werden. Natürlich benötigte ACQUIN noch jede Menge Unterlagen über den Masterstudiengang - in zehnfacher Ausfertigung. Nun wurde wochenlang gelesen, das Jahr wechselte und schließlich benannte ACQUIN im Februar 2002 eine fünfköpfige Gutachterkommission, bestehend aus drei Professoren, einem Praxisvertreter und einem Studenten.
Zusammen mit zwei Vertreterinnen der Geschäftsstelle von ACQUIN besuchte die Kommission Anfang März das IEE. Man guckte sich um und klopfte viele Fragen ab mit den Institutsangehörigen: Wird der Studiengang auch wirklich eingebunden in die Gesamtstrategie der RUB hinsichtlich Internationalisierung? Welche personelle, räumliche und sachliche Ausstattung besitzt das Institut und wie werden die Ressourcen für den Studiengang genutzt? Stehen sie auch künftigen Studiengangsgenerationen zur Verfügung? Wie ist es um die Betreuung der Studierenden von Lehrenden und Mentoren bestellt? Ist das Ausbildungsziel mit dem angebotenen, modularisierten Curriculum (einschließlich Praxisphasen), dem Betreuungskonzept und den verfügbaren Ressourcen in der Regelstudienzeit erreichbar? Was ist dem Qualitätsmanagement? Werden Betreuung und Lehrveranstaltungen durch Studierende evaluiert? Wenn ja, wie? Welche Konsequenzen werden aus der Evaluation gezogen? Findet eine Selbstevaluation des Studiengangs durch die Lehrenden statt?

Zunächst keine Entscheidung

Obwohl es an den beiden Märztagen auf jede Frage eine Antwort gab, konnte sich die Gutachterkommission noch nicht entscheiden. Sie schickte am 5. April ihren Bericht ans IEE und bat um kurzfristige Stellungnahme. Das IEE bezog pünktlich Stellung und wurde eine Woche später trotzdem vertröstet. Die Akkreditierungskommission von ACQUIN konnte auf ihrer Sitzung vom 18. April noch keinen endgültigen Beschluss fassen. Man benötigte noch verschiedene Unterlagen, z. B. eine Auflistung des Lehrpersonals und eine Stellungnahme zum verwendeten Begriff des "Management".
Das IEE schickte die Unterlagen und nahm Stellung - und schließlich, im Juli 2002, entschied ACQUIN, den Studiengang "Master of Arts in Development Management" zu akkreditieren - Begründung: "Der Studiengang ist innovativ und erfolgsversprechend, wobei insbesondere die außerordentlich intensive fachliche und organisatorische Betreuung durch die Mentoren hervorzuheben ist (Betreuungsverhältnis: 1 Mentor für 2-3 Studierende). Das Programm zeichnet sich außerdem durch eine gut integrierte Praxisphase (Feldforschung, Praktika) in den Studienablauf und gute in- und ausländische Praxiskontakte aus." Jetzt musste das IEE nur noch bezahlen: knapp 11.000 Euro (Grundpauschale: 5.470,82 Euro plus Verfahrenspauschale: ebenfalls 5.470,82 Euro). ad

Akkreditierung, Akkreditierungsrat

Infolge der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) vom 20. August 1998 können deutsche Hochschulen zunächst probeweise die Hochschulgrade Bachelor und Master einführen, die sich auf dem akademischen Weltmarkt bewährt haben. Laut Beschluss der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) vom 6. Juli 1998 soll auf diese Weise das Studienangebot flexibilisiert, die internationale Kompatibilität deutscher Studienabschlüsse verbessert und somit die Mobilität der Studierenden und die Nachfrage ausländischer Studierender nach Studienplätzen in Deutschland erhöht werden.
Um die Sicherung der Qualität in Lehre und Studium zu garantieren und um den Studierenden, den Arbeitgebern und den Hochschulen eine verlässliche Orientierung bei verbesserter Transparenz zu bieten, wurde durch Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 3. Dezember 1998 der Akkreditierungsrat eingerichtet. Seine Aufgabe besteht darin, Agenturen zu begutachten bzw. zu akkreditieren, die ihrerseits wiederum die zunächst probeweise eingeführten Studiengänge Bachelor und Master akkreditieren. Viele der Agenturen sind von vornherein auf bestimmte Fachrichtungen (Ingenieurwissenschaften oder Naturwissenschaften) spezialisiert.
Die Agenturen wie die von ihnen akkreditierten Studiengänge tragen im Falle einer erfolgreichen Begutachtung das Qualitätssiegel des Akkreditierungsrates. In begründeten Fällen, so sieht es der o. g. Beschluss der KMK vor, kann der Akkreditierungsrat auch selbst Studiengänge akkreditieren. Als unabhängige Einrichtung setzt sich der Akkreditierungsrat aus 14 Mitgliedern, Vertretern der Länder, der Hochschulen, der Studierenden und der Praxis (Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen), zusammen. Bis zum Redaktionsschluss waren bundesweit etwa 150 Bachelor-/Master-Studiengänge akkreditiert. ad

Weitere Akkreditierungen an der RUB

Der Studiengang "Master of Arts in Development Management" ist der erste akkreditierte Studiengang an der RUB. Er wird allerdings nicht lange der einzige bleiben. Zurzeit läuft das Verfahren für die Bachelor-/Master-Studiengänge Chemie und Biochemie, das zum WS 02/03 abgeschlossen sein soll. Des Weiteren müssen sich noch alle weiteren rund 50 Bachelor-/Master-Studiengänge in den Geistes- und Naturwissenschaften akkreditieren lassen. Das Verfahren muss spätestens zwei Jahre nach dem Start des Studiengangs angelaufen sein, für die Studiengänge in den Geisteswissenschaften wäre dies das WS 03/04.
Dieses Prozedere galt bis zum Sommer 2002 und betraf alle bis dahin genehmigten Studiengänge. Mittlerweile hat das MSWF die Zwei-Jahres-Frist gestrichen: Bevor nunmehr ein Studiengang starten kann, muss "sein" Akkreditierungsverfahren angelaufen sein; an der RUB betrifft dies konkret die Bachelor-/Master-Studiengänge Mathematik und Wirtschaft Ostasiens.
Mit den Kosten für die Akkreditierung (11.000 Euro) des Studiengangs "Master of Arts in Development Management" liegt das Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik genau im Durchschnitt. Je nach Akkreditierungsagentur liegt der Preis etwa zwischen 10.000 und 12.000 Euro. Die Fakultäten/Institute müssen die Kosten nicht allein tragen, das Rektorat der RUB beteiligt sich daran und übernimmt maximal die Hälfte. ad


Interview mit Dr. Wilhelm Löwenstein
Tipps für eine erfolgreiche Akkreditierung
Um die Akkreditierung des Studiengangs "Master of Arts in Development Management" kümmerte sich der Geschäftsführer des Instituts für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik, Dr. Wilhelm Löwenstein. Mit ihm sprach Arne Dessaul.

RUBENS: Wenn man Ihren Erfahrungsbericht liest, gewinnt man den Eindruck, dass die Akkreditierung ein schwieriges Geschäft ist - was war am schwierigsten?
Löwenstein: Da lagen Erwartung und Realität weit auseinander. Bei mehrtägigen Besuchen von Fachgutachtergruppen in Instituten oder Fakultäten besteht manchmal die Tendenz, dass die Gutachter irgendwann die Position des Staatsanwalts und die Begutachteten jene von Angeklagten in einem Gerichtsverfahren einnehmen. Entsprechend wird dann auch die Stimmung. Beim Besuch der Gutachter von ACQUIN war das aber zu keinem Zeitpunkt ein Problem. Wir haben manchmal kontrovers, immer aber konstruktiv miteinander über den Studiengang diskutiert. Das war angenehm und hat Spaß gemacht.
Schwierigkeiten traten auf einem Gebiet auf, mit dem ich überhaupt nicht gerechnet hatte: Bei einer Formalie hinsichtlich der Genehmigung der Einrichtung unseres Masterstudiengangs und der Prüfungsordnung. Für ersteres war in unserem Fall noch das MSWF zuständig, für letzteres hatte es seine Genehmigungskompetenz bereits an die Hochschule abgetreten. Dieses Maß an Autonomie einer Hochschule dem letztentscheidenden Fachausschuss der im Süden der Republik beheimateten Akkreditierungsagentur zu vermitteln, ist uns nicht gelungen. Das hat uns die Akkreditierung mit der formalen Auflage eingetragen, die Zulassungsordnung zu präzisieren. Das können wir aber schnell abarbeiten.

RUBENS: Welche Tipps haben Sie an die Verantwortlichen der anderen Studiengänge, die auf ihre Akkreditierung warten?
Löwenstein: Nutzen Sie unbedingt die Möglichkeit zur Vorabberatung durch die Agentur. Machen Sie sich mit den Akkreditierungskriterien vertraut, nehmen Sie diese ernst und berücksichtigen Sie sie bei der geforderten Selbstdokumentation des Studiengangs. Schummeln Sie möglichst wenig, das kommt spätestens beim Gutachterbesuch heraus. Bereiten Sie den Gutachterbesuch mit möglichst vielen Studiengangsbeteiligten (auch Studierenden) vor: Wo liegen in der Selbstwahrnehmung die konzeptionellen und infrastrukturellen Stärken und Schwächen des Studiengangs? Binden Sie das Rektorat frühzeitig ein, da dessen Stellungnahme zur Einbindung und Verortung Ihres Studiengangs in die gesamtuniversitären Ziele von besonderem Gewicht ist.

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Letzte Änderung: 01.10.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik