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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Lebenslügen
Editorial
Wolfgang
Clement hat es geschafft, mit dem Stichwort "Studiengebühren"
alle gegen sich aufzubringen - und eine Debatte auszulösen, in der
es von Lebenslügen nur so wimmelt. Einige Kostproben gefällig?
Da ist die Lebenslüge (LL) Gerechtigkeit:
Studiengebühren müssten bis 2004/05 den Landesetat sichern helfen,
weil die "Hochschulen durch den Qualitätspakt besser als alle
anderen öffentlichen Einrichtungen gestellt und von Haushaltsrestriktionen
ausgenommen sind ..." Dabei sind es doch die Hochschulen, die mit dem
Qualitätspakt eine Vorleistung erbrachten - sie sparen 2.000 Stellen
ein!
Da sind die LL, Studiengebühren würden "Langzeitstudierende
zu einem ergebnisorientierten Studium veranlassen",
die "Hochschulen entlasten und der Volkswirtschaft
Vorteile bringen." Wer im 16., 19. oder gar 30. Semester ist, hat sich
innerlich zumeist von der Uni verabschiedet. Langzeitstudierende belasten
die Unis nicht, weil sie ihre Leistungen nicht in Anspruch nehmen. Ob die
Volkswirtschaft wirklich einen Vorteil hat, wenn Studierende aus Kostengründen
wieder auf den PKW umsteigen, ist nicht bewiesen.
Da ist die LL, Studiengebühren verteuerten den Sozialbeitrag
und das Semesterticket. Den Sozialbeitrag subventionieren viele,
die die Leistungen der Studentenwerke gar nicht wahrnehmen. Und der Preis
fürs Semesterticket müsste nur neu ausgehandelt werden, weil viel
weniger auf ihn Anspruch hätten. Am härtesten träfe es den
AStA; dessen Etat ließe kräftig Federn.
Gebühren für Langzeitstudierende bereinigten höchstens die
Statistiken - 49 Prozent unserer Studierenden sind im 13. oder einem höheren
Hochschulsemester. Wir zählten dann nicht 35.000, sondern 26.000, vielleicht
sogar nur 20.000 Studierende (in Baden-Württemberg sank die Zahl der
Studierenden nach Einführung von Studiengebühren um 44 Prozent!)
- und befreiten uns von der LL "Massenuniversität".
Da ist die LL, Studierende könnten sich 50 Euro im Semester nicht leisten
und müssten deshalb mehr als bisher nebenbei arbeiten. Studierende
arbeiten nicht nur, um sich ihr Studium zu finanzieren. Bewusster Lebensplan
vieler ist ein Wochenrhythmus aus je einem Drittel Studium, Arbeit und Freizeit.
Längst müsste sich deswegen die Uni auch von der LL "Regelstudium
= Vollzeitstudium" befreien und Teilzeitstudien anbieten.
Und da ist die LL, mit Gebühren könnten Studierende als Kunden
die Leistungen der Hochschulen steuern. Wer das sagt, schwärmt meist
von den USA und verschweigt, dass Amerikaner 15 Prozent oder weniger Einkommensteuer
zahlen - wir in Deutschland aber 35, 40 oder sogar 45 Prozent. Daher rufen
wir doch dauernd: "Der Staat soll es richten" - übrigens
auch eine LL, denn der Staat sind wir alle.
Ach, eine LL hätte ich fast vergessen: Dass jetzt, wo die 50 Euro vom
Tisch sein sollen, Clement nicht andere Teile des Hochschulhaushalts kappen
könnte ... jk
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