Zwei
Blicke in RUBIN 1/2002
Tumore
von der Blutversorgung abschneiden
Neue Hoffnung für Brustkrebspatientinnen,
bei denen keine herkömmliche Therapie gewirkt hat, eröffnet eine
Studie der Universitätsfrauenklinik im Marienhospital Herne (Prof.
Gerhard Schaller). Die Mediziner verabreichten betroffenen
Frauen eine Kombination zweier neuer Medikamente, so dass das Wachstum der
Tumore in der Hälfte der Fälle stoppte oder die Tumore sich sogar
teilweise zurückbildeten.
Einer der neuen Wirkstoffe ist Capecitabin, der als Tablette eingenommen
wird. Die Substanz wird durch den Darm aufgenommen, durch Leberenzyme weiterverarbeitet
und verteilt sich so im ganzen Körper - er ist jedoch für gesunde
Zellen völlig wirkungslos. Erst ein Enzym, das ausschließlich
in Tumorzellen in größerer Menge vorkommt, aktiviert das Medikament:
Es setzt das Zellgift 5-Fluoruracil frei. Dieses Gift hemmt die Zellteilung
und somit vor allem die Neubildung von Blutgefäßen, ohne die
der Tumor nicht leben kann.
Zugleich verabreichten die Ärzte den Patientinnen den Wirkstoff Trastuzumab.
Er wirkt gegen den Wachstumsfaktorrezeptor HER 2, der in jedem vierten Brustkrebstumor
vorkommt und ihn besonders aggressiv macht. Trifft ein Wachstumsfaktor auf
den Rezeptor HER 2, so setzt dieser Enzyme frei, die die Zellteilung verstärken,
den Tumor widerstandsfähiger gegen Chemotherapeutika machen und die
Bildung neuer Blutgefäße anregen. Ein Impfstoff, der mit Hilfe
von Mäuse-Antikörpern gewonnen wird, verhindert das Andocken von
Wachstumsfaktoren an den Rezeptor.
Ein Grund für den Erfolg der neuen Kombinationstherapie ist die kontinuierliche
Gabe von Medikamenten über eine längere Zeit. Sie lassen den Tumor
nicht zur Ruhe kommen und geben ihm keine Chance zur Regenerierung wie herkömmliche
Chemotherapien. Diese ziehen die gesunden Körperzellen so stark in
Mitleidenschaft, dass der Patient Ruhephasen braucht, in denen auch der
Tumor sich oft erholt. Die Forscher suchen noch Teilnehmerinnen für
eine aufbauende Studie mit der Kombinationstherapie, Infos bei Prof. Schaller
Tel. 02323/499-1267.
Steuertricks - bald ausgestorben
Die meisten Deutschen fechten alle Jahre wieder einen harten Kampf mit
ihrem inneren Schweinehund aus: Die Steuererklärung ist fällig.
Wo sind meine Belege? Was kann ich von der Steuer absetzen? Mit welchen
Tricks komme ich vielleicht besser weg? Und auch die Finanzbeamten haben
ihre Not mit der Aktenflut, die vor allem schnell abgearbeitet werden
will. Wollten sie jede Erklärung tatsächlich prüfen, würden
sie nie fertig. So werden nur Stichproben gemacht, fast nur unter den
Steuerpflichtigen, die mehr als 150.000 DM jährlich angeben. Wobei
das womöglich die ehrlichen Leute sind - wer weiß, wie viele
mehr verdienen, sich aber "arm rechnen" und ungestraft davon
kommen?
Reformen sind überfällig, stellt Prof.
Roman Seer (Lehrstuhl für Steuerrecht, Juristische Fakultät)
fest. Sein Vorschlag: Eine Selbstveranlagung nach amerikanischem Vorbild.
Der Vorteil wäre, dass viele Bürger überhaupt keine Steueranmeldung
mehr bräuchten, weil sie pauschale Beträge zu festen Terminen
zahlen. Diejenigen, deren Einkommensverhältnisse sich nicht in eine
Pauschalkategorie einordnen lassen, würden verpflichtet, sich professionelle
Hilfe zu holen, wobei der Staat diese Beratung finanziell unterstützen
würde. Der Beruf des Steuerberaters würde sich in Richtung eines
Rechtspflegers entwickeln, und auch die Arbeit von Finanzbeamten würde
sich verändern. Sie müssten nicht mehr nur abhaken, sondern
könnten gezielt dort recherchieren, wo sie Steuerbetrug vermuten.
Dabei könnte man die Steuerzahler in Risikoklassen einteilen. Wer
immer termingerecht und ehrlich seine Steuer überwiesen hat, würde
selten überprüft, wer schon früher durch Steuerbetrug aufgefallen
ist, würde besser überwacht. Eine Arbeitsersparnis ergäbe
sich auch daraus, dass viele ihre Steuerdaten online übermitteln
könnten statt wie bisher üblich auf Papier. Sinnvoll findet
Seer eine sog. "Compliance-Strategie": Mit Werbung, z. B. in
TV-Spots, sollte der Staat den Bürgern plausibel machen, warum sie
Steuern zahlen müssen. Seer hält eine Reform des deutschen Steuerrechts
noch in diesem Jahrzehnt für machbar.
Die vollständigen Beiträge lesen Sie in RUBIN 1/2002, wo Sie
auch folgende Themen finden: Bildhauer ohne Hammer und Meißel; Produkte
aus dem Computer; Gefährliche Partnerschaft: Bakterien und Zigarettenrauch;
Der männliche Blick auf die weibliche Imagination; Vegetarische Vampire
- Flughunde als Gärtner im Regenwald; Wenn Marzipan nach Banane riecht
- Riechen bei Insekten erforscht; in der Rubrik "Im Praxisauftrag":
Juristen lösen den Konflikt: Hochwasserschutz oder Bautätigkeit.
RUBIN ist bei der Pressestelle der Ruhr-Universität für 2,50
Euro erhältlich. md
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