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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Selbsttäuschung
statt Triebe
Fantasien
über Sigmund Freud
Ein
bisschen Roman, ein bisschen wissenschaftliche Nachhilfestunde in Sachen
Psychoanalyse - so kommt das Buch "Freuds Megalomanie" daher.
Autor Israel Rosenfield erfindet zunächst eine Geliebte
Siegmund Freuds mitsamt unehelicher Tochter. Beiden schenkt der Psychoanalytiker
kurz vor seinem Tod ein Manuskript. Sie sollen es zu gegebener Zeit veröffentlichen
lassen. Das tun die beiden allerdings nicht. Das Manuskript gerät so
in allerlei fremde Hände und landet erst nach vielen Jahren bei der
Enkelin der Geliebten. Diese wiederum muss lange suchen, bis sie jemanden
findet, der das Manuskript für echt hält. Letztlich ist dies der
Gehirnforscher und Freud wenig zugeneigte Albert Stewart. Er gibt das Manuskript
inklusive langer Vorbemerkung und einem weiteren bislang unveröffentlichten
Aufsatz Freuds heraus.
In der Vorbemerkung schildert Stewart zunächst die Geschichte des Manuskripts
und lässt dann Freud selbst zu Wort kommen. Dessen Ansichten und Theorien
erfuhren folglich am Lebensabend eine radikale Wandlung: Nicht die berühmt-berüchtigten
Triebe beherrschen uns, sondern einzig und allein die Selbsttäuschung
(Megalomanie). Sie führte bei den im Schützengraben um ihr Leben
fürchtenden Soldaten des 1. Weltkriegs zu vorübergehenden Lähmungen.
Sie ließ den eigentlich Vater des Eiffelturms, Koechlin, zögern,
die Wahrheit über die Entstehung des Turmes zu sagen. Sie ließ
einen überführten Vergewaltiger standhaft seine Untaten leugnen.
Und so weiter.
Selbstverständlich führt die Selbsttäuschung nicht immer
direkt zu den genannten Handlungen, dazwischen geschaltet ist bei den Soldaten
z. B. der (verloren gegangene) Glaube an die Autorität. Andererseits
kann die Selbsttäuschung schlimmstenfalls in Größenwahn
münden. Den macht Freud bei einigen seiner Zeitgenossen aus; er selbst
bezichtigt sich immerhin der Selbsttäuschung - um sich anschließend
eigenhändig mittels der neuen Theorie zu läutern.
Der sehr wissenschaftlich gehaltene Roman ist ohne Vorwissen über Freud
und seine Theorien nicht immer leicht zu verdauen, kann aber durchaus als
Einstieg in Leben und Schaffen des Vaters der Psychoanalyse dienen. ad
Israel Rosenfield: "Freuds Megalomanie". Berlin
Verlag 2002, 190 S., € 18,-
ad
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