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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Reise
in die Nachkriegszeit
Bauingenieure
in Ex-Jugoslawien
"Nach dem Krieg - das
ist für die Leute in Ex-Jugoslawien in den neunziger Jahren. Das kennen
wir ja so gar nicht", stellt Prof. Günther Schmid (Fakultät
für Bauingenieurwesen, Theorie der Tragwerke und Simulationstechnik)
nach seiner Reise in die Balkanregion fest. Den prägendsten Eindruck
hat aber nicht der schlechte Zustand der Gebäude hinterlassen - Hotel
ohne Heizung, undichte Fenster, schlafen wie in der Skihütte - sondern
die Gastfreundschaft der Leute. "Die fahren auch mal 300 Kilometer
zum Flughafen, um Gäste abzuholen," erzählt er beeindruckt.
Man merkt: Er reist gern nach Ex-Jugoslawien, und
dazu wird er künftig noch oft Gelegenheit haben, denn die Bauingenieure
der RUB kooperieren rege mit ihren Kollegen in Skopje, Sarajewo und Nis.
Ende Januar eröffneten sie gemeinsam mit der politischen Prominenz
des Landes den neuen Studiengang "Earthquake Engineering" in Skopje,
wo die Erde nicht selten bebt und deshalb erdbebensichere Gebäude entwickelt
werden müssen. Rund 30 Studierende aus Albanien, Bosnien und Herzegowina
sowie Restjugoslawien hat der neue Studiengang. Dafür und für
Forschungsprojekte wurde eigens das Datenerfassungssystem des Erdbebensimulationstisches
(s. Foto) angeschafft - hier zeigte sich die Hochschulrektorenkonferenz
(HRK) großzügig. Und im Oktober soll der erfolgreiche RUB-Masterstudiengang
"Computational Engineering" an die Universität Nis exportiert
werden. Die Wissenschaftler sind schon dabei, Skripte zu übersetzen
und ein Computernetzwerk aufzubauen, über das Vorlesungen online übertragen
werden sollen. Außerdem werden die Lehrenden zu Blockveranstaltungen
selbst an die beteiligten Unis reisen, und Schmid hofft auf einen regen
Studierendenaustausch. Für das aktuelle Computational Engineering-Studium
sind bereits 21 Studierende aus der Balkanregion an der RUB. Die meisten
haben DAAD-Stipendien und wollen nach dem Abschluss wieder in ihre Heimatländer
zurück. Einen ansehnlichen Teil der Arbeit von Prof. Schmid und seinen
Mitarbeitern macht übrigens der Papierkrieg aus, denn das Reisen von
Ex-Jugoslawien ist noch immer beschwerlich. Reisewillige müssen nicht
nur ein Einladungsschreiben vorlegen, sie warten bisweilen auch bis zu sechs
Monate auf ein Visum von Kroatien nach Serbien.
Die Aktivitäten der Bochumer Bauingenieure gehören
zum dreijährigen DAAD-Programm "Akademischer Wiederaufbau Südosteuropa",
das wiederum Teil des EU-Stabilitätspakts Südosteuropa ist. Die
langjährige Partnerschaft zwischen den Unis in Bochum und Nis war wegen
des Balkan-Krieges eingefroren. "Anfang 1999 habe ich den Kontakt wieder
aufgenommen", erzählt Prof. Schmid, "zunächst habe ich
jüngere Kollegen angesprochen, die ich von früher kannte. Man
wusste ja nicht: Wer arbeitet überhaupt noch da?" Damals, noch
zu Milosevics Zeiten, fand er komplizierte Verhältnisse vor: Einige
Kollegen waren im Widerstand, politische Ansichten prallten aufeinander,
es gab Schwierigkeiten mit dem damaligen Dekan. Die EU wollte keine Forschungsfördermittel
nach Serbien geben. Noch vor der Revolution in Serbien entscheid der DAAD
dann, trotz der turbulenten Zeiten den Kontakt zur Region zu halten. "Zum
Glück, denn den kompetenten Forschern dort fehlen die nötigen
Mittel", so Schmid. Die jungen Leute, die dort arbeiten, sind noch
weitgehend dieselben wie vor dem Krieg. Vier ehemalige Gastdoktoranden sind
heute Professoren, drei von ihnen arbeiten am Austauschprogramm mit. "Auffällig
sind nur die Lebensläufe der Studierenden", so Dipl.-Ing. Vera
Feldhaus, Mitarbeiterin des Lehrstuhls. "Viele haben sieben oder acht
Jahre bis zum Diplom gebraucht, der Krieg hat eine Lücke gerissen."
Diese Lücke schnell zu schließen, daran arbeiten die Bauingenieure.md ad
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