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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Herz
aus Blei
Serie:
Medizinhistorische Sammlung
Dynamisch umschlingen sich
die mit Kalkmörtel gefüllten Bleirohre. Die abrupten, wie mit
einem scharfen Messer geschnittenen Enden markieren sie als Teil eines größeren
Ganzen. Während die Röhren die Assoziation von Adern wecken, spiegelt
ihre zentrale Komposition auf den ersten Blick die Form des Herzens wider.
Doch nicht die äußere Gestalt, sondern die Funktion des Herzens,
die schnellen und langsamen Strömungsprozesse in diesem Zentralorgan
des Kreislaufs standen für den bekannten Bochumer Bildhauer Friedrich
Gräsel im Mittelpunkt, als er das gut 30 cm hohe Kunstwerk "Herz
der Livia 1" 1988 produzierte. Ausgangsmaterial
für diese Plastik waren industriell vorgefertigte Bleirohre, deren
Herkunft durch den neuen Kontext in den Hintergrund tritt und einem spezifischen,
ästhetisch aufgeladenen neuen Leben Platz macht.
Die Arbeit mit industriell produzierten Normteilen, wie Asbestzement- und
Keramikröhren, hatte das Schaffen des Künstlers schon seit den
1960er-Jahren geprägt. Blei als Material probierte Friedrich Gräsel
aber erstmals innerhalb seines "Arbeitsfeldes Herz" Ende der 1980er-Jahre
aus, angeregt durch die antiken römischen Wasserleitungen aus Blei
in der Casa Livia, der die Plastik auch ihren Namen verdankt. Der "Kalkmörtel"
hat in diesem Kunstwerk eine doppelte Funktion: Einmal sorgt er für
die Stabilität, die das weiche Blei allein nicht herstellen kann, zum
anderen spielt es auf die pathologischen Veränderungen an, die im Organismus
die Funktion des Herzens stören und im Extremfall zum Erliegen bringen
können.
Das "Arbeitsfeld Herz" knüpft in vielerlei Hinsicht an Gräsels
älteres Arbeitsfeld "Industrie-Norm und Kunst-Form" an, das
durch einige Großplastiken auf dem Gelände der RUB vertreten
ist. Spezifisch für das "Arbeitsfeld Herz" ist aber die Auseinandersetzung
mit den "Herz-Produktionen" anderer Disziplinen. Anatomisch-morphologische
Studien prägten Gräsels Kunstwerke ebenso wie die ontogenetischen
Herz-Strömungsstudien des Heidelberger Pathologen Klaus Goerttler und
die Arbeiten der Bochumer Medizinhistorikerin Irmgard Müller zur "Herkunft
und Bedeutung des Organmotivs des Hl. Ansanus."
Die im "Arbeitsfeld Herz" geschaffenen Zeichnungen, Plastiken
und Collagen veränderten sich stetig. Standen zunächst Herz- oder
Herz-Lungen-Motive im Mittelpunkt, so folgten Herz-Lungen-Luftröhren-Motive
und schließlich "Konjekturen" von Herz-Formen und Herz-Zeichen
aus verschiedenen Kulturen und Zeiten. Eine Vielzahl dieser Objekte war
bereits 1997 in Bochum zu sehen: in der Ausstellung "Herz - Rätsel
in Wissenschaft und Kunst", die von der Medizinhistorischen Sammlung
und der Abteilung für Geschichte der Medizin gemeinsam mit Friedrich
Gräsel und Klaus Goerttler im Malakowturm realisiert worden war.
Das "Herz der Livia 1" gehört zu einer
Gruppe von 15 Plastiken und Zeichnungen, die Gräsel der Medizinhistorischen
Sammlung im Oktober 2001 schenkte. Gemeinsam mit weiteren Kunstwerken,
die den Kunstsammlungen der RUB übereignet wurden, bilden sie die "Friedrich-Gräsel-Schenkung
für Wissenschaft und Kunst". Ihr Ziel ist es, die interdisziplinäre
Arbeit mit den Produkten von Wissenschaft und Kunst zu fördern, ein
Ziel, für das die beiden universitären Sammlungen die besten Voraussetzungen
bieten. Anlässlich der Übergabe der Schenkung sind die Kunstwerke
ab dem 12. Juni in den Kunstsammlungen zu sehen.
Über die Objekte des "Arbeitsfeldes Herz" von Friedrich Gräsel
informiert der Katalog zur Ausstellung "Herz - Rätsel in Wissenschaft
und Kunst", der über die Abteilung für Geschichte der Medizin
für 14,30 Euro bestellt werden kann (Tel. -23394 oder www.ruhr-uni-bochum.de/malakow/
); im Internet können alle Kunstwerke der Stiftung zum "Arbeitsfeld
Herz" virtuell besichtigt werden. Stefan Schulz, Medizinhistorische
Sammlung
Öffnungszeiten Kunstsammlungen der RUB: Di- Fr 12-17,
Sa/So 10-18 h
ad
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