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RUBENS
- Zeitschrift der Ruhr-Universität
Nachrichten, Berichte und Meinungen
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Ehemalige Exoten
RUB-Forscher
identifizieren Gehirnproteine
Zunächst lief es nicht gut. Die Lüftungsanlage fiel aus und darum
konnte im Erdgeschoss des neuen Zentrums für Klinische Forschung (ZKF)
nicht experimentiert werden. Dort liegt das Medizinische Proteom-Center
(MPC), wo neurologische Erkrankungen erforscht werden.
Die Mitarbeiter des MPC wollten eigentlich so oft wie möglich das neue
Massenspektrometer ausprobieren. Mit ihm bestimmen sie Proteine. Dazu werden
u.a. Laserstrahlen gespiegelt und hohe Geschwindigkeiten erzeugt - heraus
kommen "eindeutige Fingerabdrücke der Proteine", wie Prof.
Helmut E. Meyer betont. Der Biochemiker leitet das am 29. April offiziell
eröffnete MPC. Gemeinsam mit Bochumer Biologen und Chemikern möchte
er zudem ein Proteincenter an der RUB etablieren.
In den letzten rund 20 Jahren, wo sich die einschlägige Forschung fast
ausschließlich mit Molekularbiologie, also mit Genen befasste, zählten
Meyer und seine Mitarbeiter zu den Exoten; Bochum war einer von nur sechs
deutschen Protein-Standorten. Doch jetzt, wo die Genstruktur des Menschen
bekannt ist, rücken die Proteine wieder ins Blickfeld. Immerhin sind
sie - im Gegensatz zu den statischen Genen - die dynamischen Bestandteile
der Zelle. Und sie sind eindeutig in der Überzahl: "Man geht von
rund 50.000 Genen aus, die Zahl der Proteine dürfte zehnmal so hoch
liegen", so Meyer, und bevor man fragen kann, schiebt er hinterher:
"Nur die wenigsten sind bekannt." Die bekannten Proteine sind
in einer Datenbank aufgeführt. Mit ihr ist das MPC online verbunden.
Jedes hier per Massenspektrometrie erkannte Protein wird umgehend mit der
Datenbank verglichen.
Das MPC beteiligt sich an einem bundesweiten
Projekt zu neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, MS oder
Schlaganfall - und die Rolle von Proteinen dabei. Erstes Ziel ist
die Darstellung und Charakterisierung aller Proteine des Gehirns. Die Gesamtheit
der Proteine eines Organs wird als Proteom bezeichnet, woraus der Name des
Bochumer Centers herrührt.
Untersucht wird in Bochum das Gehirn-Proteom von Mäusen, verglichen
werden z. B. gesunde und an Parkinson erkrankte Mäuse. Man erhofft
sich Antworten auf Fragen wie: Welche Proteine fehlen kranken Mäusen
gegenüber gesunden? Bedingt ihr Fehlen das Entarten von Zellen? Die
Grundlagenforschung kann letztlich in Therapien münden. Erfolge erhoffen
sich die MPC-Forscher auch bei weiteren Forschungen, z.B. zum Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Dass es möglich ist, einzelne Proteine verantwortlich für Krankheiten
zu machen, zeigte unlängst ein anderes Projekt am MPC: In einem Tropenholz
wurde exakt das Protein herausgefiltert, das bei bestimmten Menschen allergische
Reaktionen verursachte. Solche positiven Resultate aus dem Proteom-Center
sind auch für die Zukunft zu erwarten, falls die Lüftung ihren
Dienst tut. ad ad
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