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RUBENS 70 2. Mai 2002


Ehemalige Exoten

RUB-Forscher identifizieren Gehirnproteine


Zunächst lief es nicht gut. Die Lüftungsanlage fiel aus und darum konnte im Erdgeschoss des neuen Zentrums für Klinische Forschung (ZKF) nicht experimentiert werden. Dort liegt das Medizinische Proteom-Center (MPC), wo neurologische Erkrankungen erforscht werden.
Die Mitarbeiter des MPC wollten eigentlich so oft wie möglich das neue Massenspektrometer ausprobieren. Mit ihm bestimmen sie Proteine. Dazu werden u.a. Laserstrahlen gespiegelt und hohe Geschwindigkeiten erzeugt - heraus kommen "eindeutige Fingerabdrücke der Proteine", wie Prof. Helmut E. Meyer betont. Der Biochemiker leitet das am 29. April offiziell eröffnete MPC. Gemeinsam mit Bochumer Biologen und Chemikern möchte er zudem ein Proteincenter an der RUB etablieren.
In den letzten rund 20 Jahren, wo sich die einschlägige Forschung fast ausschließlich mit Molekularbiologie, also mit Genen befasste, zählten Meyer und seine Mitarbeiter zu den Exoten; Bochum war einer von nur sechs deutschen Protein-Standorten. Doch jetzt, wo die Genstruktur des Menschen bekannt ist, rücken die Proteine wieder ins Blickfeld. Immerhin sind sie - im Gegensatz zu den statischen Genen - die dynamischen Bestandteile der Zelle. Und sie sind eindeutig in der Überzahl: "Man geht von rund 50.000 Genen aus, die Zahl der Proteine dürfte zehnmal so hoch liegen", so Meyer, und bevor man fragen kann, schiebt er hinterher: "Nur die wenigsten sind bekannt." Die bekannten Proteine sind in einer Datenbank aufgeführt. Mit ihr ist das MPC online verbunden. Jedes hier per Massenspektrometrie erkannte Protein wird umgehend mit der Datenbank verglichen.
Das MPC beteiligt sich an einem bundesweiten Projekt zu neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, MS oder Schlaganfall - und die Rolle von Proteinen dabei. Erstes Ziel ist die Darstellung und Charakterisierung aller Proteine des Gehirns. Die Gesamtheit der Proteine eines Organs wird als Proteom bezeichnet, woraus der Name des Bochumer Centers herrührt.
Untersucht wird in Bochum das Gehirn-Proteom von Mäusen, verglichen werden z. B. gesunde und an Parkinson erkrankte Mäuse. Man erhofft sich Antworten auf Fragen wie: Welche Proteine fehlen kranken Mäusen gegenüber gesunden? Bedingt ihr Fehlen das Entarten von Zellen? Die Grundlagenforschung kann letztlich in Therapien münden. Erfolge erhoffen sich die MPC-Forscher auch bei weiteren Forschungen, z.B. zum Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Dass es möglich ist, einzelne Proteine verantwortlich für Krankheiten zu machen, zeigte unlängst ein anderes Projekt am MPC: In einem Tropenholz wurde exakt das Protein herausgefiltert, das bei bestimmten Menschen allergische Reaktionen verursachte. Solche positiven Resultate aus dem Proteom-Center sind auch für die Zukunft zu erwarten, falls die Lüftung ihren Dienst tut. ad ad
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Letzte Änderung: 02.05.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik