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RUBENS 69 2. April 2002

Der Student, das bekannte Wesen

Aktuelles vom Konstanzer Datenalmanach

Eigentlich weiß man alles über die aktuellen Studierenden, angefangen von ihrer (sozialen) Herkunft bis hin zu ihren Wünschen für ein besseres Studium. Der Dank dafür gebührt den Soziologen der Uni Konstanz und ihrem Datenalmanach. Er basiert auf acht Erhebungen zwischen 1983 und 2001 an 22 deutschen Hochschulen, darunter die RUB, an denen sich 70.000 Studierende beteiligten.
Immer mehr Studierende glauben demnach, durchs Studium eine "allgemein gebildete Persönlichkeit zu werden"; drei von vier erwarten nach der Uni eine interessante Arbeit. Ebenso viele würden das gleiche Studium wieder aufnehmen - unzufrieden sind nur Mediziner und Juristen. Studiert wird vorzugsweise aus "Fachinteresse und Begabung". Zunehmend viele Studis (nur die Juristen nicht) meinen, ein schnelles, zielstrebiges Studium sei nützlich. Gleiches gilt für frühzeitige Spezialisierung und Auslandsaufenthalte. Wenig Nutzen wird dem Besuch fachfremder Veranstaltungen und dem Hochschulwechsel zugesprochen.
Damals (1983) wie heute (2001) glauben die meisten Studis, sie würden intensiv und viel arbeiten. Dabei ackern Mediziner wöchentlich bis zu zehn Stunden mehr als Kultur- und Sozialwissenschaftler. In diesen beiden Bereichen entwickelt sich sonst vieles zum Besseren: Studienaufbau, Prüfungsanforderungen, Konkurrenz zwischen Studierenden, Beziehung zu Lehrenden, Praxis- und Forschungsbezug. Davon können Mediziner und Juristen nur träumen. Dort wird fast alles als "schlechter" wahrgenommen. Andere Sorgenkinder sind Wiwis und Ingenieure. Wiwis - wie Juristen - vermissen regelmäßige Leistungskontrollen, vielen Ingenieuren wird das Fachwissen schlecht vermittelt.

Bachelor nicht beliebt

Allen Bereichen gemein sind die Probleme, sich in der Fächervielfalt zurechtzufinden und das Studium zu planen. Jeder zweite Studi kennt sie, genauso viele haben Schwierigkeiten mit den Leistungsanforderungen. Schlecht sieht es auch um den Informationsstand aus: Er sinkt hinsichtlich "Prüfungsordnung", "Studienberatung" und "Arbeitsmarktsituation". Dafür ist es in Hörsaal und Labor leerer geworden, Bücher können schneller geliehen werden und Sprechstunden bei Profs gibt es rascher. Überhaupt erhalten die Lehrenden zunehmend bessere Noten, am meisten lernen die Studis allerdings von Mittelbauern und per Selbststudium.
Zum Schluss einer jeden Befragung können die Studis Verbesserungswünsche nennen. Ganz oben auf dem aktuellen Wunschzettel stehen "Konzentration der Studieninhalte", "Lehrveranstaltungen im kleinen Kreis", "bessere Betreuung", "stärkerer Forschungsbezug". Beliebt sind auch "Freischüsse", "studienbegleitende Prüfungen" und "Credit Points". Kaum Zuspruch finden "Teilzeitstudium", "Bachelor" und "Multimedia ".
Wie gesagt: Man weiß alles über die Studierenden ... Vielleicht sollte man die Konstanzer Daten an (hochschul-)politische Entscheidungsträger weiterleiten. ad

ad
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Letzte Änderung: 01.04.2002| Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik