Der
Student, das bekannte Wesen
Aktuelles
vom Konstanzer Datenalmanach
Eigentlich weiß man
alles über die aktuellen Studierenden, angefangen von ihrer (sozialen)
Herkunft bis hin zu ihren Wünschen für ein besseres Studium. Der
Dank dafür gebührt den Soziologen der Uni Konstanz und ihrem Datenalmanach.
Er basiert auf acht Erhebungen zwischen 1983 und
2001 an 22 deutschen Hochschulen, darunter die RUB, an denen sich 70.000
Studierende beteiligten.
Immer mehr Studierende glauben demnach, durchs Studium eine "allgemein
gebildete Persönlichkeit zu werden"; drei von vier erwarten nach
der Uni eine interessante Arbeit. Ebenso viele würden das gleiche Studium
wieder aufnehmen - unzufrieden sind nur Mediziner und Juristen. Studiert
wird vorzugsweise aus "Fachinteresse und Begabung". Zunehmend
viele Studis (nur die Juristen nicht) meinen, ein schnelles, zielstrebiges
Studium sei nützlich. Gleiches gilt für frühzeitige Spezialisierung
und Auslandsaufenthalte. Wenig Nutzen wird dem Besuch fachfremder Veranstaltungen
und dem Hochschulwechsel zugesprochen.
Damals (1983) wie heute (2001) glauben die meisten Studis, sie würden
intensiv und viel arbeiten. Dabei ackern Mediziner wöchentlich bis
zu zehn Stunden mehr als Kultur- und Sozialwissenschaftler. In diesen beiden
Bereichen entwickelt sich sonst vieles zum Besseren: Studienaufbau, Prüfungsanforderungen,
Konkurrenz zwischen Studierenden, Beziehung zu Lehrenden, Praxis- und Forschungsbezug.
Davon können Mediziner und Juristen nur träumen. Dort wird fast
alles als "schlechter" wahrgenommen. Andere Sorgenkinder sind
Wiwis und Ingenieure. Wiwis - wie Juristen - vermissen regelmäßige
Leistungskontrollen, vielen Ingenieuren wird das Fachwissen schlecht vermittelt.
Bachelor nicht beliebt
Allen Bereichen gemein sind die Probleme, sich in der Fächervielfalt
zurechtzufinden und das Studium zu planen. Jeder zweite Studi kennt sie,
genauso viele haben Schwierigkeiten mit den Leistungsanforderungen. Schlecht
sieht es auch um den Informationsstand aus: Er sinkt hinsichtlich "Prüfungsordnung",
"Studienberatung" und "Arbeitsmarktsituation". Dafür
ist es in Hörsaal und Labor leerer geworden, Bücher können
schneller geliehen werden und Sprechstunden bei Profs gibt es rascher.
Überhaupt erhalten die Lehrenden zunehmend bessere Noten, am meisten
lernen die Studis allerdings von Mittelbauern und per Selbststudium.
Zum Schluss einer jeden Befragung können die Studis Verbesserungswünsche
nennen. Ganz oben auf dem aktuellen Wunschzettel stehen "Konzentration
der Studieninhalte", "Lehrveranstaltungen im kleinen Kreis",
"bessere Betreuung", "stärkerer Forschungsbezug".
Beliebt sind auch "Freischüsse", "studienbegleitende
Prüfungen" und "Credit Points". Kaum Zuspruch finden
"Teilzeitstudium", "Bachelor" und "Multimedia
".
Wie gesagt: Man weiß alles über die Studierenden
... Vielleicht sollte man die Konstanzer Daten an (hochschul-)politische
Entscheidungsträger weiterleiten. ad
ad
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