ZKF:
Klinische Forschung auf dem Campus
Serie:
Die Gebäude der RUB
Wer hat sich nicht anfangs
in den Kellerräumen der Ruhr-Uni verirrt und verzweifelt den Ausgang
gesucht? Wieso liegt der mal auf 02, mal auf 01? Warum gibt es nicht überall
eine Cafete oder eine Garderobe? RUBENS liefert die Antworten - diesmal
zum neuen Gebäude ZKF.
Wer von Norden aus auf die Ruhr-Universität schaut, erblickt seit
geraumer Zeit einen Neubau vor dem Gebäude MA in unmittelbarer Nachbarschaft
zur Medizinischen Fakultät: ZKF, Zentrum Klinische Forschung. Hier
bündelt die Fakultät Forschungseinrichtungen, die bislang an Krankenhäusern
in Bochum und Herne verstreut waren. Am 4. März
wurde das Gebäude eröffnet, zehn Projekte können sich nun
unter einem Dach auf 1.300 Quadratmetern an die Arbeit machen.
Moderne Technik erleichtert das Forschen im Neubau mit drei Obergeschossen:
Fünf abgeschlossene Laborbereiche stehen hier zur Verfügung, darunter
auch solche hoher Sicherheitsstufen (S1 und S2), so dass Wissenschaftler
z. B. auch mit Radionukliden arbeiten können. Die Lüftungsanlage
fördert stündlich 22.000 Kubikmeter klimatisierte Luft durch das
Gebäude. Alle Arbeitsplätze sind vernetzt.
Vernetzung ist ohnehin das Credo im ZKF. Die Medizinische Fakultät
hat die zehn Projekte aus einer Vielzahl an Bewerbern ausgewählt, Kooperationsbereitschaft
war eine Grundvoraussetzung. Die Wissenschaftler werden teure Geräte
und Technologien gemeinsam nutzen und sollen von der räumlichen Nähe
zu Spezialisten anderer Gebiete profitieren. So sind hier u. a. molekulare
und genetische Projekte angesiedelt, etwa eine Arbeitsgruppe, die sich mit
Nabelschnurstammzellen beschäftigt. Ihr Ziel ist, zu untersuchen, ob
mit diesen Zellen Hirnschäden von Frühchen behandelt werden können.
Andere Projekte erforschen neue Therapien von Dickdarm-, Bauchspeicheldrüsenkrebs
und Lungentumoren, die Arbeitsgruppe Biomaterialien entwickelt Implantate
für die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, die das Einwachsen von
Knochenzellen begünstigen. Völlig neue Perspektiven
eröffnet den Arbeitsgruppen die Kooperation mit dem Proteom-Center
im ZKF: Ungelöste Probleme der Analyse von Proteinen können die
Wissenschaftler gemeinsam angehen.
Listig, heimatverbunden, kränkend
Das ZKF wurde Mitte der 90-er Jahre konzipiert, nachdem der NRW-Wissenschaftsrat
die Bochumer Medizin evaluiert hatte. Er bescheinigte der RUB eine hohe
Ausbildungsqualität, empfahl jedoch gleichzeitig ein Zentrum für
klinische Forschung. Ausschlaggebend war u. a. das listige Vorwort des
damaligen Dekans Wolfgang Opferkuch im Vorbereitungsband der Evaluation:
Die Fakultät lege nicht nur Rechenschaft über ihre Leistungen
ab, sondern offenbare auch ihre Probleme. Rat und Hilfe des Wissenschaftsrates
seien gefragt. Damit ebnete er den Weg zum heutigen Universitätsklinikum
und zum ZKF.
Zudem hat sich die NRW-Gesundheitsministerin und Bochumerin Birgit Fischer
stets für den Medizinstandort Bochum eingesetzt und den Bau des ZKF
aus dem politischen Umfeld unterstützt. Die Ursache aller Bochumer
Anstrengungen war jedoch die ebenso gezielte wie leistungsfördernde
Kränkung der RUB-Medizin durch Ministerialdirigent Arno Kaiser: "In
NRW gibt es sechs Fakultäten und Bochum, jeder Änderungswunsch
von Bochum kann zur Gefährdung führen", hatte er einst
gesagt, als die Fakultät mehr Geld haben wollte, um Defizite auszugleichen.
Die Bochumer haben anschließend die Ärmel hochgekrempelt, haben
zahlreiche Projekte entwickelt und umgesetzt. Es entstand eine qualitativ
hochwertige Forschungslandschaft.
Die Medizinische Fakultät hat diesen drei Persönlichkeiten,
denen sie viel verdankt, auf ihrer 150. Fakultätsratssitzung am 13.
Februar 2002 die Kortum-Medaille verliehen. jw / fv
ZKF-Eckdaten
Erster Spatenstich: Ende 1998
Fertigstellung des Baus: Ende 2001
Schlüsselübergabe: 4. März 2002
Geschosse: 5
Fläche: 1.385 qm
Kosten: ca. 5,8 Mio. Euro
Besonderheit: auf der Westseite (Richtung MB) um einen zweiten Bauabschnitt
erweiterbar
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