Die Spur der Steine |
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| Besuch in der mineralogischen und petrographischen Sammlung | |
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| Auch nach gut zwei Stunden lässt die Begeisterung nicht
nach: weder beim Erklärenden, noch beim Zuhörer. Dabei hat man
bislang nur einen winzigen Teil der mineralogischen und petrographischen
Sammlung in NA gesehen. Auf Ebene 04 liegt die Tageslichtsammlung. Sie zeigt
eindrucksvolle naturgeschichtliche Funde: Minerale und Gesteine in allen
Formen, Größen und Farben, sortiert nach "Element",
"Sulfid" oder "Carbonat" usw. Edelsteine sind darunter,
bizarre Wüstenrosen, Fluoreszierendes, Felsblöcke, Meteoriten,
Marmor etc. In einer gesonderten Vitrine wird veranschaulicht, was aus den Gesteinen und Mineralen werden kann: z. B. Farbstoff, Schmierstoff, Dämmstoff - die Anwendung liegt oft näher, als man glaubt. Auch das möchte Dr. Hans-Peter Schertl verdeutlichen, als er durch die Sammlung führt. Der 43-Jährige ist seit rund sechs Jahren der "Herr der Steine" und verantwortlich für etwa 20.000 Mineral- und rund 30.000 Gesteinsproben. Insbesondere die petrographische Sammlung der RUB zählt zu den umfangreichsten und bestdokumentierten Deutschlands. Die Exponate lagern in der Tageslichtsammlung, die eher eine Ausstellungsfunktion hat, sowie in der Hauptsammlung und in der Arbeitssammlung (jeweils NA 03). In den beiden letztgenannten Sammlungen sind sie nach regionalen Gesichtspunkten geordnet und in Schränken aufbewahrt, die aus den Anfangstagen des heutigen Instituts für Geologie, Mineralogie & Geophysik stammen. Das Institut wurde 1966 gegründet und besaß damals quasi keinen einzigen Stein. Deshalb wurden zunächst zahlreiche Exkursionen in alle Welt durchgeführt, um Proben zu sammeln. Von überall her wurden tonnenweise Gestein und Minerale mitgebracht. Vervollständigt wurde und wird die Sammlung durch Kauf, Tausch und Schenkungen. Haupt- und Arbeitssammlung dienen direkt Forschung und Lehre: Wer Proben braucht, wendet sich an Dr. Schertl. Innerhalb der Fakultät für Geowissenschaften erhält man sie kurzfristig und formlos; auch für Interessenten anderer Fachbereiche (u.a. Chemie, Biochemie, Physik, Werkstoffkunde oder Medizin) stehen sie im Rahmen eines Leihverkehrs zur Verfügung. Gewinnung und Bestimmung der Minerale und Gesteine sind Handwerk im wahrsten Sinne des Wortes: Es wird gehämmert, geschnitten, gefeilt und betrachtet (als Ganzes sowie als 3/100 mm dickes und somit durchsichtiges Gesteinsscheibchen unter dem Mikroskop.). "Man muss den Stein in der Hand halten, um Gewicht, Härte, Spaltbarkeit und Farbe beurteilen zu können", bringt es Schertl auf den Punkt. Das bedeutet, dass Mineralogie und Petrologie zunächst nichts für den Computer sind. Erst nach eingehenden Voruntersuchungen kommt dieser zum Einsatz: bei analytischen, experimentellen und theoretischen Studien, die auf modernsten Methoden der Festkörperchemie und -physik basieren. Trotz seiner Liebe zu allen Steinen hat der Petrologe Schertl Favoriten: Ultrahochdruckgesteine, die eine bewegte Geschichte hinter sich haben. Vor vielen Mio. Jahren entstanden sie in Nähe der Erdoberfläche, wanderten dann in die ungeheure Tiefe von nahezu 150 km und kamen wieder nach oben. Die verschiedenen Temperaturen und Drücke ließen einzigartige Mineralvergesellschaftungen entstehen. So wandelte sich der ursprüngliche (weiche) Graphit im Gestein in der Tiefe der Erde durch enormen Druck zu (hartem) Diamant. Umschlossen von Granat behielt er diesen Zustand bei seinem Weg zurück an die Erdoberfläche bei. "Da diese Ultrahochdruckgesteine in Deutschland zu finden sind, gibt es also auch bei uns Diamantvorkommen", erklärt Schertl; "allerdings sind diese Diamanten sehr klein". Dennoch zählen die Ultrahochdruckgesteine zu den Höhepunkten der Sammlungen, deren Besuch man bedenkenlos empfehlen kann. ad Info: Die Besichtigung der Sammlungen ist nach Absprache möglich: Dr. Hans-Peter Schertl, NA 03/174, Tel. -23520, E-Mail: hans-peter.schertl@ruhr-uni-bochum.de
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| 01.02.2002 |