| Die PISA-Studie und die Folgen | |
| Anstrengung tut wieder Not | |
|
|
|
| Die PISA-Studie hat hohe Wellen geschlagen. "Sind deutsche
Schüler doof?", titelte z. B. "Der Spiegel" (50/2001)
und stellte damit eine allgemeine Frage. Zu allgemein, wenn es nach Ewald
Terhart geht, Schulforscher am Institut für Pädagogik der RUB.
Der Empiriker bezog am 16.1. auf Einladung des Vereins "Kunst &
Kommunikation" (Auf der Papenburg 39-45) vor etwa 50 Zuhörern
Stellung. Und zwar nicht, um alle Fragen erschöpfend zu beantworten,
sondern vielmehr, damit Fragen schärfer formuliert werden. So hielt er es auch in seiner Schlussbemerkung. "Die Frage bleibt: Wie kann man das Lernen von Schülern organisieren in einer Gesellschaft, die selbst meint, nicht mehr lernen zu müssen?" Damit ließ er manch anwesende Lehrer unbefriedigt oder gar verzweifelt zurück. Doch Terhart vertritt klare Thesen, die der aktuellen Diskussion gut tun. Wissensgesellschaft hin, lebenslanges Lernen her, Terhart kritisiert, dass es in Deutschland keine Kultur der Anstrengung mehr gebe. Die "anstrengungslose Siegerbiographie" sei das Ziel des Bürgertums, Anstrengung gelte bereits unter Schülern als "etwas Schwitziges, etwas Unangenehmes". Bei seinen Analysen offenbart der Forscher auch methodische Schwachpunkte von PISA, ohne die Studie in Frage zu stellen: "Es gibt sie, und wir müssen uns mit ihr auseinandersetzen." Damit nimmt Terhart all jenen den Wind aus den Segeln, die PISA wegen zweifelhafter Vorgehensweisen einfach abtun. Überprüft wurden Kompetenzen, kein reines Lehrplanwissen: Lese-, mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenz von 15-jährigen aller Schulformen. Würde man methodisch korrekt vorgehen, so der Empiriker, ließen sich aus der Studie überhaupt keine Ursachen für das schlechte Abschneiden deutscher Schüler ableiten. Doch auch Terhart hat seine Erklärungen. "Jeder Analyst sieht in den Ergebnissen die Ursachen, die er schon immer gesehen hat", sagt er, "die eindeutige Korrelation zwischen den überprüften Kompetenzen lässt jedoch den Schluss zu: Am Lesen und Lesenkönnen hängt alles." Hier müssten die Eltern und insbesondere die Lehrer ansetzen. Leselust zu fördern, sei ein möglicher Weg aus der Bildungskrise. Aber Terhart schränkt sogleich wieder ein: "Deutschland bringt ein Optimum an ungünstigen Voraussetzungen mit: Die fehlende Kultur der Anstrengung geht einher mit einer hohen sozialen Selektivität des Bildungssystems." So, wie sonst in Europa nur noch in Österreich, sei die soziale Herkunft der Kinder in Deutschland immer noch entscheidend für den Bildungsweg. Das lässt keine guten Ergebnisse künftiger Studien erwarten. jw |
|
| Ihre Meinung ist gefragt! Schreiben Sie uns einen Leser(innen)brief! |
| zurückblättern | zur Themenübersicht | weiterblättern |
| 01.02.2002 |