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Es ist fast 16 Uhr, aus den Laboratorien der N-Gebäude dringt noch
keine Feierabendstimmung. Ein paar Meter weiter Richtung Süden wechselt
die betriebsame Campus-Atmosphäre abrupt in "Natur pur".
An diesem Abend liegt auch hier irgendwie Bewegung in der Luft - aus allen
Uni-Richtungen streben honorige Herren durch das langsam dämmerig
werdende Wäldchen. Zumindest zwei Gemeinsamkeiten verbinden alle
miteinander - ihr vergangenes akademisches Wirken an der RUB und das Ziel
dieses Abends: Das 50. Treffen der "Societas Emeritorum Emeritarumque"
der RUB, kurz "SEE" genannt. Genau vor zehn Jahren und einem
Tag (14.1.92) fand ihr erstes Treffen statt - zwar noch nicht hier in
der heimeligen Atmosphäre eines alten westfälischen Bauernhofes,
dem heutigen IBZ, aber auch mit einem Vortrag aus dem unerschöpflichen
Wissensfundus der heute rund 250 Professorinnen und Professoren der RUB
im Ruhestand.
Beim Begrüßungsumtrunk herrscht Wiedersehensfreude. Da disputiert
"der Graf" (Henning Graf Reventlow, Ev. Theologie) in althergebrachter,
gremiengeübter Form über gestufte Studiengänge, Juniorprofessuren
und manch' andere neumodische Errungenschaft. Ach, und dort der Geologe
Lothar Dresen ist ja auch schon mit dabei. Unter
den 40 Honoratioren dieses Abends sind auch vier Altrektoren der RUB -
die Emeriti Faillard, Grosse, Ewald und Maßberg. Zusammen hielten
sie ein ganzes Jahrzehnt die Geschicke dieser Universität in Händen.
Und mittendrin die Philologin Ingeborg Willke - heut Abend die einzige
Professorin in der Herrenrunde. Ein Missverhältnis, das sich selbst
bei der schnell wachsenden Societas - die Emeriten werden vermutlich schon
bald die Zahl der aktiven Professoren überholen - nur sehr langsam
ändern wird.
Dass diese "ständig wachsenden Ressourcen" ein nicht versiegender
Quell ausgezeichneter Redner und interessanter Themen sind, erfreut auch
Siegfried Methfessel. Gemeinsam mit Siegfried Grosse ist er Sprecher der
Societas. Beide haben sich besonders dafür eingesetzt, dass aus dem
zunächst sehr privaten und provisorischen Treffen der heute zweitälteste
Alumniclub der RUB geworden ist. Nur die "doctores iuris" waren
etwas schneller (1991 gegründet). Mit "der Ressource der nachwachsenden
Emeriti" liebäugelt dann schon mal der amtierende Rektor Petzina,
Jahrgang 38, und gratuliert zum 10jährigen Bestehen. Die
Alumnivereinigungen liegen ihm am Herzen, weiß er doch um die wachsende
Bedeutung aller "Ehemaligen" für die Unis. Nicht
zuletzt organisatorische Hilfe erhält SEE daher aus seinem Büro
durch Traute Straußfeld.
Schließlich wechselt das Auditorium in den "Heuboden",
den Vortragsraum des IBZ. Der Jubiläums-Redner Paul Mikat ist in
Wissenschaft und Politik zu Hause. Als Kultusminister, Bundestagsabgeordneter
oder Sonderbeauftragter der Landesregierung ging Mikat immer wieder auch
unkonventionelle, pragmatische Wege. So richtetet er kurzerhand Sonderkurse
zur Ausbildung von Hilfslehrerinnen ein, um den Lehrermangel an den nordrhein-westfälischen
Volksschulen in den Jahren ... zu mildern. Dies brachte ihm den bis heute
unverwüstlichen Ruf des "Vaters der Mikätzchen" ein.
Der Emeritus der Juristischen Fakultät spricht hier "Zum Verhältnis
von Kirche und Staat in Deutschland am Anfang des 21. Jahrhunderts".
Und mit dem letzten Wort des Vortrags ist dann lange noch nicht Schluss.
Barbara Kruse
Kleine Hilfe für Nichtlateiner
Der Emeritus (die Emeriti), "eingedeutscht" Emerit (Emeriten),
ist ein Professor im Ruhestand, der bis zum 31.12.79 zum H 4 (heute C
4) - Professor ernannt wurde. Alle später berufenen Professoren werden
nicht mehr emeritiert, sondern pensioniert. Entsprechend ist die Professorin
im Ruhestand Emerita (die Emeritae).
Emeritorum (m), Emeritarum (w): Genitiv, Plural
51. Treffen
Zum 51. SEE-Treffen am 5. März 2002 spricht Emeritus Prof. Dr.-Ing.
Erhard Hornbogen über "Die Unordnung in Natur, Kunst und Philosophie".
Weitere Infos: Traute Straußfeld, Tel.: 0234/32-22924
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