POL, Praktika und Patenpraxen
   
  Bochumer Mediziner reformieren das Studium
 
  An der Medizinischen Fakultät tut sich einiges. Zunächst reformierten die Mediziner den Fachbereich Allgemeinmedizin (RUBENS 58). Kurz danach gewann die Allgemeinmedizin den vom Rektorat ausgeschriebenen "Innovationspreis Lehre"; mit dem Geld qualifiziert diese nun ihre Lehrpraxen. Weiterhin führen die Mediziner eine Studienreform in der Vorklinik durch: Die Inhalte der ersten drei Semester wurden gestrafft und besser aufeinander abgestimmt, und alle Studierenden im 4. Semester werden im kommenden Sommersemester erstmals nach der Methode des problemorientierten Lernens (POL) unterrichtet. Momentan plant außerdem eine Arbeitsgruppe einen Reform-Modellstudiengang mit POL, modernen Prüfungssystemen, Patenpraxen etc.
Grundlage des Reformstudiums soll von Beginn an eine praxisorientierte, fachübergreifende Lehre sowie die Vernetzung von Vorklinik und Klinik sein. Die klassische Vorlesung bleibt für einige Themenbereiche erhalten, soll aber interaktive Elemente erhalten und/oder fachübergreifend sein. Das Wissen der großen klinischen Fächer (Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie usw.) wird in mehrwöchigen Blockpraktika vermittelt. Dabei werden die Themengebiete anhand von Vorlesungen und POL-Seminaren vorbereitet, um dann bei Praktika am Krankenbett erprobt zu werden. Der Bezug zur Klinik wird durch regelmäßige POL-Tutorien gewährleistet. Hier werden die Studierenden anhand komplexer klinischer Fälle zum Selbststudium angeleitet. Geschult werden zudem Teamarbeit, Ergebnispräsentation und Multimedia. Gleich zu Beginn des Studiums wird den Studierenden zudem eine Patenpraxis (Lehrpraxis) zugeteilt, wo sie in jedem Semester einmal pro Woche ganztägig hospitieren, um das erlernte Wissen in die Praxis umzusetzen. Dabei erhalten die Studierenden zunehmend komplexer werdende Aufgaben, die Teilaspekte der primärärztlichen Tätigkeit beleuchten.
Die geänderte Lehrstruktur erfordert auch andere Prüfungsmodi und läutet den Abschied von Multiple Choice ein. Stattdessen werden z. B. die Lernziele der POL-Tutorien u.a. mit Triple Jump Prüfungen überprüft. Den Studierenden wird ein Fall vorgelegt, der zunächst schriftlich bearbeitet wird (1). Danach recherchieren die Studierenden Teilaspekte des Falles in der Bibliothek (2) und werden nochmals mündlich zum Fall geprüft (3).
Der an nationale (u.a. Witten/Herdecke) und internationale Vorbilder angelehnte Reformstudiengang soll in den Alltagsbetrieb der RUB mit realistischem personellem und finanziellem Aufwand integriert werden. Er verbindet bewährte Strukturen des konventionellen Medizinstudiums mit neuen Lehransätzen, sein Ziel ist der "Arzt in Weiterbildung" mit breiter Fachkompetenz, der gleich nach Abschluss des Studiums seine Patienten verantwortungsvoll betreuen kann.
"Die Erfahrungen der bisherigen Reformstudiengänge in der Medizin zeigen, dass Reformabsolventen sofort nach dem Studium problemlos in einer Klinik arbeiten können. Absolventen herkömmlicher Medizinstudiengänge benötigen dazu etwa drei Jahre", bringt Dr. Paul Jansen (Arbeitsgruppe Reformstudium) einen zentralen Vorteil des Modellstudiums auf den Punkt. Jansens Kollegin in der Arbeitsgruppe, die Organisationsberaterin Hille Lieverscheidt, ergänzt: "Durch das intensive Zusammenarbeiten in den Tutorien bekommen die Lehrenden zudem einen viel besseren Kontakt zu den Studierenden und können so deren Wissensstand exakt beurteilen."
Der bereits vom NRW-Wissenschaftsministerium bewilligte Reformstudiengang wird an der RUB für 40 bis 45 Studierende konzipiert und soll zum WS 2003 starten. Die Studierenden können dann zwischen Regel und Reform wählen (bei zu vielen Bewerbern für Reform wird gelost). Später sollen Regel und Reform zu einem Studiengang verschmelzen. ad
   
   
   
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01.02.2002