Drama ums Hammerexamen
   
  Demo gegen Neuentwurf der Approbationsordnung
 
  Den deutschen Medizinstudierenden ist ihre Ausbildung zu theoretisch: Sie pauken ständig für die diversen Multiple-Choice-Prüfungen und lernen fast nichts Praktisches - und werden (aus eigener Sicht) derart unvorbereitet auf die Patienten losgelassen. Nun soll das Ganze noch verschlimmert werden. Schuld daran ist der Neuentwurf der Approbationsordnung aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG). Hier soll geregelt werden, dass aus den drei Staatsexamina nur noch eines wird.
"Im Prinzip ist das keine schlechte Idee, aber die Durchführung ist katastrophal", meint Hendrik Rüddel (Fachschaft Medizin der RUB) zum sog. Hammerexamen. "Der Stoff, den dieses Abschlussexamen beinhaltet, umfasst mindestens 37 Fächer und würde bei heutigem Umfang sechs Tage dauern", konkretisiert er. Das "Drama", so Rüddel weiter, liege im gewählten Zeitpunkt: In den letzten beiden Semestern absolvieren alle Medizinstudierenden ihr Praktisches Jahr (PJ). Das sei der einzige Studienabschnitt, in dem sie lernen, zu arbeiten wie Ärzte, also mit direktem Praxisbezug in den Krankenhäusern. Bisher lag das 2. Staatsexamen als größte Prüfung mit starkem theoretischen Gewicht vor diesem Jahr, das 3. Staatsexamen als mündlich-praktische Prüfung danach. Das "Hammerexamen" aber soll erst nach dem PJ stattfinden. Konsequenz: Man entließe die Studierenden ohne jeden Filter an die Patienten, um sie danach mit Details zu quälen, die mit der Arbeit eines Arztes nichts zu tun haben. Außerdem arbeiten PJler vollzeit (und ohne Bezahlung!), eine sinnvolle Prüfungsvorbereitung auf das alles entscheidende Examen, das alleine die Endnote ausmacht, sei so unmöglich.
Um die Verabschiedung der Reform durch Bundesrat und BMG zu verhindern, beteiligte sich die Fachschaft Medizin der RUB am 16. Januar an einem bundesweiten Protest. Etwa 500 Medizinstudierende marschierten vormittags vom Elisabethkrankenhaus zum Husemannplatz. ad
   
   
   
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01.02.2002