Das Miteinander als Standortfaktor
   
  Master-Studiengang Computational Engineering
 
  Für viele Studenten ist es ein Traum: Im Ausland studieren. Doch wie ist es, im Ausland "Deutschland" zu studieren? "Die deutschen Professoren haben immer ein offenes Ohr für die Studenten", finden Raja Ramesh Chilakala und Ümüt Görgülü. Die beiden jungen Männer gehören zu den 58 Studierenden, die sich für den Master-Studiengang Computational Engineering eingeschrieben haben. Genau wie die anderen Studierenden, haben sie bereits einen Bachelor-Abschluss: Raja als Maschinenbauer an der Osmania University in Hyderahbad (Südindien) gemacht, Ümüt als Bauingenieur an der Middle East Technical University in Ankara.
Draußen tobt ein Schneesturm. "Schnee?" fragt Raja nach und lächelt schüchtern. Im Norden Indiens liege wohl schon mal etwas. "Aber meine warme Lederjacke habe ich nur für Deutschland gekauft." Raja ist das erste Mal in Deutschland. Seine vier Geschwister konnten nicht studieren, er selbst hat dafür ein Darlehen aufgenommen. Als er hier ankam, konnte er kein Wort Deutsch, jetzt lernt er es langsam. "Außerhalb des Flughafens war es mit Englisch etwas schwierig, aber nette Menschen haben mir geholfen, meinen Zug nach Bochum zu finden." Positive erste Eindrücke, die sich auch an der RUB fortsetzen. Raja gefällt vor allem, dass die Professoren nicht so streng sind. Auch wenn er viel lernen muss: "Der Kontakt zwischen den Dozenten und den Studenten ist viel enger als in Indien. Hier lernen wir alle miteinander."
Gerade dieser Aspekt ist auch Ümüt besonders positiv aufgefallen. Er kannte Deutschland bereits: "Meine Familie lebt seit langer Zeit in Iserlohn. Seit zehn Jahren komme ich bisher regelmäßig zu Besuch." Am sicheren Auftreten merkt man, dass das Land ihm nicht mehr ganz so fremd ist. Doch das Studieren ist gänzlich anders. "In der Türkei klafft eine große Lücke zwischen Akademikern und Arbeitern. Man sieht einem Menschen sofort an, welcher Gruppe er angehört, und die Akademiker setzen sich bewusst vom Rest ab." Dementsprechend werden Professoren als höhere Wesen gehandelt und ein kooperatives Lernen ist nicht möglich. Einen Grund für diese in Deutschland fehlende Kluft sieht der selbstbewusste junge Mann darin, dass hier die vor-universitäre Ausbildung besser sei, so dass der Abstand zwischen Nicht-Akademikern und Akademikern geringer sei.
Ihre Zukunft sehen beide Ingenieure positiv. Raja wird in seine Heimat zurückkehren, sein Heimweh bekämpft er mit Telefonaten nach Hause und Fotos seiner Familie. Die Aussichten auf eine Anstellung sind gut in seiner Heimat, sagt er. Ümüt ist sich noch nicht sicher. "Ich würde für einen guten Job auch in andere europäische Länder gehen. Hauptsache, meine Freundin kommt irgendwann nach ..." Sein sehnsüchtiger Blick zeigt, wie sehr er sie, aber auch seine Freunde und die Sonne seiner Heimat vermisst.
Neben dem ganzen Lernen bleibt aber auch noch Zeit für Anderes. Raja hat sich in der näheren Umgebung schon mal umgesehen. Essen, Duisburg, Aachen, aber auch in Berlin war er inzwischen, und vor allem der Weihnachtsmarkt war ein besonderes Erlebnis. Was ihm am besten gefallen hat ? "Bochum natürlich" - und langsam weicht die Schüchternheit aus dem Lächeln. Andrea Tendler


Computational Engineering
Die Fakultät für Bauingenieurwesen bietet den englischsprachigen Master-Studiengang Computational Engineering seit dem WS 00/01 an. 58 Studierende aus 16 Nationen (Bangladesh, Bosnien, Bulgarien, China, Deutschland, El Salvador, Griechenland, Indien, Irak, Jugoslawien, Libyen, Mazedonien, Pakistan, Rumänien, Türkei und Vietnam), die bereits einen Bachelor-Abschluss als Bauingenieur oder Maschinenbauer haben, lassen sich in vier Semestern in neue computergestützte Methoden der Ingenieurwissenschaften einweisen. Die Bochumer Bauingenieure planen, den Studiengang 2003 ins ehemalige Jugoslawien zu exportieren. ad

   
   
   
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01.02.2002