| Graduiertenförderung | |
| Editorial | |
|
|
|
Auch bei den Beratungen über den Wissenschaftshaushalt 2002 hat die individuelle Graduiertenförderung wieder eine Rolle gespielt", sagte MdL Dietrich Kessel, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD im NRW-Landtag am 12.12.01. "Ich betone ausdrücklich, dass die SPD-Fraktion der individuellen Graduiertenförderung einen hohen Stellenwert beimisst. Insbesondere in den Geisteswissenschaften und den so genannten kleinen Fächern ist sie ein unverzichtbarer Bestandteil der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses" - um kurz darauf mit der rot-grünen Mehrheit das Graduiertenförderungsgesetz abzuschaffen. Die Proteste einiger NRW-Hochschulen im vergangenen Jahr hatten also nur aufschiebende Wirkung, sie konnten am politischen Willen des Landes nichts ändern. Die Tendenz scheint klar: Doktoranden sollen in Graduiertenkollegs, Graduate Schools und anderen Formen gemeinsamer Arbeit betreut, der in den Geisteswissenschaften vorherrschende individuelle Weg zur Promotion zurückgefahren werden. Übrigens eine bundesweite Tendenz. Die Haushaltsentscheidung bedeutet, dass die bisherigen Mittel der Graduiertenförderung in die Titelgruppe 94 (Mittel für Lehre und Forschung) eingehen, und es ist nun Angelegenheit einer jeden Hochschule, ob und wie sie ihre Doktoranden unterstützt. Die RUB will in diesem Jahr so verfahren wie bisher und in den kommenden Monaten ein Modell entwickeln, wie sie ab 2003 ihre Doktoranden fördern wird. (siehe Interview auf Seite 2). Lamentieren hilft also nicht mehr, besser ist es nach vorn zu schauen - und Befürworter von Hochschulautonomie müssten die Entscheidung im Landtag sogar begrüßen als kleinen, aber konsequenten Schritt in Richtung Globalhaushalt. Schließlich lässt das Land die Hochschulen selbst entscheiden, wie sie mit ihrem Geld umgehen. Seit 1984 sind in der RUB 453 Doktoranden mit dem Graduiertengesetz gefördert worden, davon 62 % aus dem G-Bereich, 38% aus den N-, I- oder M-Bereichen. Letztere hatten eine höhere Erfolgsquote: 80% von ihnen schafften die Promotion, aber nur 63 % der geförderten Geisteswissenschaftler. Wie viele davon schmissen vielleicht die Brocken hin, weil sie allein vor sich hin promovierten, kaum Gelegenheit zum Gespräch hatten, nicht gefordert und betreut wurden? Es ist aber gar nicht so sicher, dass sie auch in Zukunft unbedingt die Verlierer sein müssen. Schon jetzt sind 7 der 14 Graduiertenkollegs, an denen die RUB beteiligt ist, in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern angesiedelt. Zu guter Letzt, einen Wermutstropfen findet, wer sucht, woanders: Die RUB verliert seit Jahren bei der landesweiten leistungsbezogenen Verteilung der Mittel für Lehre und Forschung (TG 94). Wenn dieser Trend sich fortsetzt, sind wir alle die Verlierer. jk |
|
| Ihre Meinung ist gefragt! Schreiben Sie uns einen Leser(innen)brief! |
| zurückblättern | zur Themenübersicht | weiterblättern |
| 01.02.2002 |