Nichts bereut
   
  Habilitiert: Erste Frau bei den RUB-Physikern
 
 

Zwischen ehrfurchtgebietenden dicken Rohren mit Bullaugen, Ventilen und Schalttafeln fühlt sich Katharina Theis-Bröhl zuhause: Als erste Frau habilitierte sich 44-jährig die Mutter von drei Kindern an der Fakultät für Physik und Astronomie der RUB. Mit ihr sprach Meike Drießen.

Was machen Sie denn mit diesen riesigen Apparaten!?
Mein Fachgebiet ist die Festkörperphysik, ich erforsche dünne magnetische Schichtsysteme. Dafür stelle ich Proben her, bei denen verschiedene einkristalline Schichten übereinander liegen, und prüfe deren magnetisches Verhalten, z. B. durch Neutronenbeschuss. Auch nanostrukturierte Oberflächen sind Forschungsgegenstand. Die Untersuchungen dienen zum einen der Grundlagenforschung und können zum anderen z. B. der Entwicklung neuer Speicherbauelemente nützen. Vielleicht beeinflussen sie zukünftige Festplatten.

Wie fühlt man sich als erste und bisher einzige habilitierte Frau unter den RUB-Physikern?
Zuerst einmal bin ich natürlich riesig stolz! Auch wenn ich mit der Habilitation vergleichsweise spät dran bin und daher nicht weiß, ob ich noch eine Professur bekommen werden. Als Mitglied von Berufungskommissionen weiß ich, dass die jüngeren Kollegen die Nase vorn haben. Getrödelt habe ich allerdings nicht - nur kommt meine Karriere eben nicht vom Reißbrett: Als ich 1989 noch vor dem Mauerfall aus der DDR ausreiste, wo ich studiert hatte, musste ich erst mal auf ein anderes Fachgebiet umsatteln. Dann habe ich den Lehrstuhl von Prof. Zabel von Anfang an mit aufgebaut. An die Habilitation habe ich damals noch gar nicht gedacht. Außerdem habe ich mich für die Familie entschieden. Für meine drei Kinder - zwei mittlerweile große Töchter und einen kleinen Sohn - wollte ich mir Zeit nehmen.

An der RUB sind von über 400 Lehrstühlen nur 30 mit Frauen besetzt. Hat man es in der Wissenschaft als Frau schwerer?
Das ist schwer festzumachen. Die Familie und den Beruf unter einen Hut zu bringen ist schwierig, gerade im Wissenschaftsbereich. Bei Stellenbesetzungen berücksichtigt niemand, ob Du Kinder großgezogen hast. Aber auch wenn man eigentlich an keinem Punkt des Berufslebens wirklich Zeit für Kinder hat - ich habe meine Entscheidung nie bereut. Auch wenn sich viele Frauen das nicht zutrauen: Kinder und Karriere, das geht! Familie und Beruf kann man als Frau allerdings nur dann gleichzeitig bewältigen, wenn man es richtig durchorganisiert. Ich habe meinen kleinen Sohn seit er anderthalb ist z.B. tagsüber in einer Elterninitiative. Es ist mir sehr wichtig, dass er in einer Einrichtung ist, wo er sich wirklich wohl fühlt und eine familiäre Umgebung hat. Und das ist bei einer kleinen Einrichtung mit 15 Kindern, wie es diese Initiative ist, gegeben. Da muss ich auch kein schlechtes Gewissen haben, ihn tagsüber dorthin zu bringen. Das schließt natürlich auch eine Menge Elternarbeit ein. Außerdem haben wir mittlerweile nun schon das dritte Au-Pair Mädchen. Die betreut ihn am Nachmittag und kümmert sich auch etwas um den Haushalt. Hilfreich wäre es, wenn es eine konkrete Lebensplanung für Frauen gäbe. Frauen sollten insgesamt ernster genommen werden.

Woher kommt es wohl, dass so wenig Mädchen und Frauen sich für die naturwissenschaftlichen Fächer interessieren?
Ich glaube, die Naturwissenschaften haben generell ein schlechtes Ansehen bei Schülern und Schülerinnen. Oft ist es ja schon der Schulunterricht, der einem die Sache gründlich verleidet. Die Schulen müssten eine bessere Ausbildung bieten, dann würden sie auch mehr Begeisterung vermitteln. Warum Mädchen weniger Interesse daran haben als Jungen? Vielleicht ist das zum Teil natürlich, zum Teil trauen sich Mädchen einfach nicht so viel zu.

Und nach diesem Schritt auf der Karriereleiter: Was planen Sie für die Zukunft?
Bis Anfang 2003 kann ich noch an der RUB arbeiten - wenn sich nicht vorher etwas anderes findet. Mein größter Wunsch wäre eine Professur oder eine ähnliche Stelle hier in der Nähe. Aber ich würde auch gern in der Wissenschaftsorganisation arbeiten. Oder in der Industrie. Jedenfalls bin ich erst mal glücklich, überhaupt wieder richtig aktiv in die Forschung einsteigen zu können. Die Schreiberei an der Habilitation hält nämlich schon ganz schön auf! Vielleicht sollte man dieses System in Zukunft überdenken.

   
   
   
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02.01.2002