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Die Ruhr-Uni hat seit Oktober - gemäß einer entsprechenden
Betriebsvereinbarung (RUBENS 65) - einen Suchtbeauftragten für die
nichtwissenschaftlichen Beschäftigten: den Sozialtherapeuten Jürgen
Strüwer. Strüwer arbeitet seit 16 Jahren in der betrieblichen
Sozialberatung, in den letzten 13 Jahren als freier Therapeut. In dieser
Zeit war er für zahlreiche Unternehmen (von der Autozulieferindustrie
bis zum Öffentlichen Dienst) als Suchtberater tätig. In einem
zunächst auf ein Jahr befristeten Pilotprojekt fungiert er zudem
als Vorsitzender des Arbeitskreises (AK) Sucht.
"Ich möchte das Thema Sucht aus der Tabuzone holen und möglichst
viele Menschen dafür sensibilisieren und zum Handeln bringen",
benennt der 44-jährige Strüwer als Hauptziel, denn: "An
der Ruhr-Uni gibt es sicher viele bekannte Fälle von Suchtkranken,
um die sich bislang niemand gekümmert hat." Der Sozialtherapeut
weiß aus Erfahrung, dass in jedem Betrieb (egal, welche Branche
oder Größe) etwa zehn Prozent Suchtkranke arbeiten. An der
RUB wären folglich rund 200 Fälle (allein beim nichtwissenschaftlichen
Personal) zu erwarten. Auch die Verteilung auf Suchtarten ist überall
annähernd gleich und spiegelt letztlich die Gesamtgesellschaft wieder.
Über drei Viertel der Suchtkranken sind von der Kulturdroge Alkohol
abhängig (zwei Drittel Männer, ein Drittel Frauen), rund acht
Prozent von Medikamenten (zwei Drittel Frauen, ein Drittel Männer),
bis zu sechs Prozent von illegalen Drogen; der Rest verteilt sich u.a.
auf Spiel- oder Esssucht.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Handlungsbedarf groß ist. Deshalb
hat Strüwer sich längst in die Arbeit gestürzt und hat
auch für die ersten Monate des neuen Jahres eine Menge konkrete Pläne:
In Schulungen und Workshops werden nach und nach alle Führungskräfte
der RUB ausgebildet. Los geht es am 7. Januar
mit dem Rektorat der RUB, es folgen die UB und die Personalräte und
dann die Dezernenten und Lehrstuhlinhaber.
Die Führungskräfte sollen in die Lage versetzt werden, Suchtkranke
zu erkennen und anschließend richtig und konsequent zu handeln.
Dabei kann es nur ein Ziel geben: Dem Kranken (die meisten Suchtarten
sind bereits seit 1968 als Krankheit anerkannt, seit März 2001 auch
die Spielsucht) professionell zu helfen, um ihn (oder sie) anschließend
wieder auf den angestammten Arbeitsplatz zu bringen. Jürgen Strüwer
begleitet auf Wunsch den gesamten Weg von der Erkennung bis zur Therapie
- und versteht sich dabei als Partner aller Beteiligten. Besonders nachdrücklich
weist er auf die falsche Scham bei der Frage "Aufdecken oder nicht
aufdecken von Suchtfällen" hin: "Das ist kein Anschwärzen,
sondern eine Hilfeleistung. Einen Abhängigen, der seine Situation
nicht realistisch wahrnehmen kann, anzusprechen, und dadurch eine Chance
zu geben, ist eine rein menschliche Frage. Die einzige Alternative ist
das gezielte Wegschauen und damit zuzusehen, wie ein Mensch sich selbst
und sein Umfeld ruiniert. Süchtig zu werden, das kann jedem passieren".
ad
Suchtberatung an der RUB
Die Suchtberatungsstelle an der RUB befindet sich in IC 03/58 (Suchttelefon:
-26121). Dort sitzt Jürgen Strüwer in der Regel einmal pro Woche.
Ansonsten hinterlässt er auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht,
wo und wie er - jederzeit - zu erreichen ist. Strüwer berät
nicht nur im IC, sondern auf Wunsch auch außerhalb des Campus. Ihm
zur Seite stehen zwei Suchtkrankenhelfer, die ständig mobil zu erreichen
sind: Ralf Veidt (0171/3305489) und Klaus Kunzer (0171/3305488). Dringend
gesucht wird übrigens eine zusätzliche Suchtberaterin. ad
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