Menschenversuche im KZ
   
  Ausstellung im Malakowturm
 
 


Wie konnten Ärzte so etwas tun? Diese Frage stellt sich jedem angesichts der Menschenversuche, die mit "gewissenloser Gewissenhaftigkeit" in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches durchgeführt wurden. Antworten auf diese Frage sucht eine in Erlangen konzipierte Ausstellung, die mit Unterstützung der Ethikkommission der Medizinischen Fakultät und der Stadt Bochum bis zum 27.1. im Institut für Geschichte der Medizin der RUB zu sehen ist.
Die Ausstellung beschäftigt sich zunächst mit den wissenschaftlichen und ideologischen Hintergründen der Versuche und mit ihrem örtlichen Rahmen, dem KZ. Diese menschenverachtende Institution bildete den rechtsfreien Raum, in dem Menschen gegen ihren Willen zum Gegenstand von oft tödlichen Experimenten wurden. Im Zentrum stehen exemplarisch vier Versuche, über die Schautafeln sowie gedruckte, handschriftliche und dingliche Quellen informieren: Zwillingsversuche (Auschwitz); Fleckfieberversuche (Buchenwald/Natzweiler); Unterdruckversuche (Dachau); Gasbrandversuche (Ravensbrück). Sie enthüllen ein breites Spektrum an wissenschaftlichen, militärischen, ideologischen und wirtschaftlichen Interessen. Sie geben eine Vorstellung vom furchtbaren Leiden der Opfer. Und sie zeigen die Täter, die diese Versuche an den ihnen ausgelieferten Menschen aus Ehrgeiz und Geltungssucht, Sadismus und Gewissenlosigkeit durchführten. Abschließend richtet sich der Blick auf die Zeit nach 1945. Die Ausstellung informiert über den Umgang mit den Tätern und das weitere Schicksal der Opfer. Und sie stellt den "Nürnberger Ärztekodex" vom 20.8.1947 vor, der als wichtige Grundlage für die Selbstverpflichtung von Wissenschaftlern zur Einhaltung forschungsethischer Normen gilt. Stefan Schulz


Ausstellung "Gewissenlos - gewissenhaft. Menschenversuche im Konzentrationslager" (bis 27.1.02), Malakowturm, Markstr. 258a, 44799 Bochum; Infos: -23394

   
   
   
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02.01.2002