| Gefühl fürs Material | |
| Ausbildung an der RUB | |
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| Uni oder Ausbildung? Über diese Entscheidung haben die
meisten Studierenden irgendwann einmal nachgedacht. Ausbildung an der Uni
- das ist eine Alternative, von der viele nichts wissen. Dabei kann man
an der RUB zahlreiche Berufe in Industrie, Handwerk, Landwirtschaft und
öffentlichem Dienst erlernen: 133 Auszubildende
sind zurzeit an der RUB beschäftigt - 24 weibliche und 109 männliche,
in 16 so unterschiedlichen Ausbildungsberufen wie Chemielaborant,
Gärtner, Tischler, Industrieelektroniker, Glasapparatebauer, Tierpfleger
oder - erstmalig in diesem Jahr - als Fachangestellte für Medien- und
Informationsdienste. Ab dem Ausbildungsjahr 2002 wird das Angebot um IT-Berufe
erweitert. Insgesamt haben seit 1969 über 700 Auszubildende ihren Beruf
an der RUB erlernt. "Beheimatet" sind die Auszubildenden zum Beispiel
in den Werkstätten der RUB (u.a. in den Gebäuden IAN, IBN, ICN,
ND), im Botanischen Garten oder in der Uni-Bibliothek. 45 Ausbilder unterrichten
den Nachwuchs je nach Ausbildungsberuf drei bzw. dreieinhalb Jahre lang. Nils, 17 Jahre, angehender Feinmechaniker und Christian, ebenfalls 17 und angehender Maschinenbaumechaniker haben gerade ihre Ausbildung begonnen. Beide nehmen regelmäßig an den Kursen "Grundausbildung Metallverarbeitung" in der Übungswerkstatt von Ausbilder Dietmar Thomaschewski teil. Die zweiwöchigen Kurse im Gebäude ICFN finden im Wechsel mit dem Ausbildungsbetrieb in den "Heimatwerkstätten" statt. Nils und Christian lernen hier den Umgang mit Maschinen und Materialien. An einem Kurstag stehen "Metallschleifübungen" auf dem Programm. Dabei geht es erstaunlich ruhig zu - keine Spur von dem Maschinenlärm, den man eigentlich in einer Werkstatt erwartet. Große Maschinen stehen zwar auch in der Übungswerkstatt (eine Drehmaschine zum Beispiel, mit der man Metalle zu runden Formen schleift oder eine Fräsmaschine, mit der man unterschiedliche Formen herstellen kann), aber im ersten Lehrjahr ist zunächst einmal "Handarbeit" angesagt: In einer Übung sollen die Auszubildenden einen Metallzylinder zu einem "U-Stahl" schleifen; alle Maße sind durch eine technische Zeichnung vorgegeben. Dabei geht gerade am Anfang leicht etwas schief - feilt man zuviel ab, war die Arbeit einiger Stunden umsonst und man muss von vorne anfangen. "Da sieht man mal, wie klein ein Millimeter ist", scherzen die Jungs, "und unser Übungsleiter schaut uns auch noch genau auf die Finger, denn jede Arbeit wird benotet." Die Arbeit ist zeitaufwendig und auch anstrengend. "Aber sie ist nicht zur Schikane gedacht", weiß Frank Rous, Leiter der Zentralen Ausbildung. Die Azubis bekommen so ein Gefühl für das Material, eine Voraussetzung für den Umgang mit den größeren Maschinen, den sie später im Verlauf der Ausbildung lernen. Obwohl die Metallverarbeitung - der größte Ausbildungsbereich an der RUB - ein "Männerberuf" ist, behaupten sich auch regelmäßig einige junge Frauen neben ihren männlichen Kollegen. "Die Frauen sind häufig motivierter", weiß Thomaschewski aus Erfahrung. Auch wenn es manchmal an Körperkraft fehlt. "Die Mädchen kämpfen ein bisschen mehr", freut sich Thomaschewski über das gezeigte Engagement. Zehn Feinmechanikerinnen sind momentan an der RUB in der Ausbildung - und 71 männliche Kollegen. Doch egal, ob männlich oder weiblich - die Chancen, nach beendeter Ausbildung an der RUB bleiben zu können, sind gering: "Freie Stellen sind knapp. Daher freuen wir uns über jeden, der hier unterkommt", sind sich Rous und Thomaschewski einig. Christina Heimken |
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| 02.01.2002 |